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Unter Beobachtung: Mijat Gacinovic.

Mijat Gacinovic

Mijat Gacinovic mit Kaugummi am Schuh

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Der Serbe von Eintracht Frankfurt schießt in Vaduz endlich ein Tor - steigern muss er sich dennoch, will er in die Startelf.

Die Partie am Fuße der Alpen war längst entschieden, 4:0 stand es, es war ein Schaulaufen, eine Art Bewegungstherapie. Doch für Mijat Gacinovic ist nach 63 Minuten in dieser Europa-League-Qualifikationsbegegnung in Vaduz doch noch etwas Sonderbares, Besonderes passiert: Der 24 Jahre alte Mittelfeldakteur im Dienste der Eintracht kam nach feiner - freilich starb abseitsverdächtiger - Vorarbeit von Dominik Kohr und Danny da Costa an den Ball, der Liechtensteiner Torwart Benjamin Büchel lag längst geschlagen im Gras, Gacinovic hatte freie Bahn, das leere Tor vor sich, und da blieb er eiskalt, der Serbe, und netzte ein. Das war nicht mehr schwer, auch ein G-Jugend-Knirps hätte die Kugel ins Tor geschossen, doch für den oft so zaudernden Spieler gab es kein Halten mehr, er breitete die Arme aus und ballte die Fäuste, fast schien es, als habe er, wie weiland im Pokal oder der Relegation, ein entscheidendes Tor gemacht, und nicht das 5:0 in einem höchst einseitigen Spiel.

Auch die Kollegen freuten sich wie Bolle, stürzten sich auf Gacinovic und begruben ihn unter sich. Das wirkte schon fast surreal, und ein aufmerksamer Beobachter ließ sich gar zu der rhetorischen Frage hinreißen, „ob der Mijat den Torjubel überlebt hat“. Diese Jubelexplosion des Spielers und seiner Mitstreiter zeigt zum einen, wie erlösend so ein Treffer für den sensiblen und torungefährlichen Gacinovic ist – und dass die anderen sehr genau wissen, welche Last der schmächtige Mann auf seinen Schultern mit sich umher trägt.

Eintracht Frankfurt erwartet eine Reaktion

Die Partie in Vaduz war lange Zeit so ein typisches Spiel von Mijat Gacinovic, er versuchte viel, lief und rackerte, erkämpfte Bälle und kurbelte an, doch in den entscheidenden Momenten machte er fast immer das Falsche. Das haftet seinem Spiel an wie ein lästiger Kaugummi an einer Schuhsohle, und Trainer Adi Hütter hat seinem Akteur zu Saisonbeginn daher sehr wohl ein paar Takte mit auf den Weg gegeben. Die Verantwortlichen erwarten jetzt einfach eine Reaktion von dem gar nicht mehr so juvenilen Fußballer, er muss jetzt den nächsten Schritt machen oder sich verändern. Make it or break it. Man wird sehen.

Der Einwurf: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp verrät sein Geheimnis

Ein anderer hat die Vorbereitung bisher genutzt, um Eigenwerbung zu betreiben und sich klar in den Fokus zu spielen: Daichi Kamada. Der Japaner, ein eleganter, geschmeidiger Spieler, hat in fast allen Partien ansprechende Leistungen gezeigt, auch am Donnerstag in Liechtenstein wieder, er initiierte viele Angriffe, spielte kluge Bälle oder steckte sie in die Tiefe durch. Das sah vielversprechend aus. Längst ist keine Rede mehr davon, dass der 23-Jährige, der im Übrigen die Rückennummer 15 des zu Newcastle United abgewanderten Jetro Willems übernommen hat, den Verein wieder verlassen soll. Trainer Hütter ist fast schon begeistert von seinem Mittelfeldmann mit den zündenden Ideen. „Er war sehr entschlossen, hat sehr gut und mutig gespielt“, sagt der Coach. „Klar muss er noch viel lernen, aber er hat eine tolle Entwicklung genommen, ist auf einem richtig guten Weg.“ Die Leistungen Kamadas sind allemal bemerkenswert, doch noch trauen nicht alle dem Braten. Natürlich wird man abwarten müssen, ob der feingliedrige Techniker sich auch durchsetzen kann, wenn es nicht gegen unterklassige Gegner, sondern gestandene Bundesligaprofis geht.

Filip Kostic und Danny da Costa, die die Flügelzange der Eintracht bilden, haben das schon bewiesen, und die beiden Außenbahnspieler nähern sich schon jetzt, vor dem Bundesligastart, wieder ihrer Bestform. Ihre größte Stärke hat die Eintracht ganz klar, wenn sie mit dieser urwüchsigen Power über die Flügel in den Rücken der Abwehr kommt. Daran hat sich im Vergleich zur Vorsaison nichts geändert. Da Costa ist schon seit einigen Spielen in einer guten Verfassung, Kostic drehte am Donnerstag mächtig am Schwungrad, war von den armen Liechtensteinern nie zu stoppen. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler“, urteilt Coach Hütter. Und der Serbe wird ziemlich sicher der nächste sein, der den Verein für viel Geld verlassen wird, nicht in dieser Saison, aber der nächsten. Schon jetzt hätten die Hessen den 26-Jährigen verkaufen können, Angebote von 45 Millionen Euro lagen auf dem Tisch. Doch Kostic ist früh signalisiert worden, dass er in dieser Runde in Frankfurt bleiben wird.

Ante Rebic: Nach wie vor Fragezeichen

Das gilt für Ante Rebic nicht, der nach seiner Rückenverletzung in Vaduz erstmals wieder spielen konnte. Der Kroate könnte dem Klub den Rücken kehren, bislang gibt es aber nichts Belastbares. Er könne nicht „in die Glaskugel schauen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, er wisse nicht, was bis 2. September, wenn das Transferfenster schließt, noch alles passiere. Klar ist nur, dass Rebic nach England nicht mehr wechseln kann, dort ist die Frist abgelaufen.

Coach Hütter geht mit der Personalie erstaunlich gelassen um. „Wenn er gehen sollte, brauchen wir Ersatz“, sagt er nur. „Ich bin da relativ entspannt.“ Sollte der 25-Jährige in Frankfurt bleiben, wird der Klub – Stand jetzt – nur noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Bis zum Saisonstart in acht Tagen gegen Hoffenheim soll der Kader komplett und der dringend benötigte Stürmer an Bord sein. Nachdem in England die Spielerbörse bis zum Winter ruht, könnte das mit dem Angreifer relativ schnell über die Bühne gehen.

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