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Duell mit Folgen: Cristiano Ronaldo (links) gegen Mijat Gacinovic.

Eintracht Frankfurts Gacinovic

Mijat Gacinovic - irgendwie zerrissen

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Eintracht-Spieler Mijat Gacinovic steht sich zuweilen selbst im Weg, dabei ist er wertvoll fürs Team und bringt viel Potenzial mit.

Natürlich gelten Luka Jovic die ganzen Schlagzeilen, ganz klar. Der 21 Jahre alte Vollblutstürmer der Frankfurter Eintracht hat ja sogar auf hell ausgeleuchteter Bühne gegen Deutschland getroffen, er ist ein Juwel, das von jedem Klub auf diesem Planeten und ganz sicher auch von den Vereinen aus anderen Welten gnadenlos gejagt wird. Jovic, schrieb neulich mal einer, der das ganze Geschacher um 60, 70 oder 80 Millionen Euro an Ablöse ein kleines bisschen absurd findet, sei „1000 Milliarden und keinen Cent weniger wert“, womit er zweifelsfrei Recht hat.

Auch andere Frankfurter stehen hoch im Kurs, sind heiß und begehrt, Filip Kostic etwa, die Pferdelunge auf links. Der Serbe absorbiert im Zeichen des Adlers immer mehr Glanz, Inter Mailand soll gar Interesse haben, aber, mit Verlaub, was will ein Spieler wie Filip Kostic bei einem Verein, der von seinem aktuellen Klub phasenweise an die Wand gespielt und locker aus dem europäischen Wettbewerb geworfen wurde? Nichts, auch das ist ganz klar. Zumal sich Eintracht-Trainer Adi Hütter neulich wunderte, wie solch ein unfassbar guter Fußballer in der öffentlichen Wahrnehmung in die unterste Schublade habe rutschen können. „Das habe ich nie verstanden, er gehört in die oberste Schublade“, sagte der Coach. „Er ist menschlich top, er ist bescheiden in seinem Auftreten, er ist mannschaftsdienlich, auf dem Platz schafft er Fakten, er ist sensationell.“ Kostic, dies schon vorneweg, wird am Sonntag gegen Stuttgart spielen können, seine Oberschenkelverletzung ist komplett ausgeheilt, er hat gestern bereits mit der Mannschaft trainieren können und, natürlich, Vollgas gegeben.

Sebastien Haller oder Ante Rebic sind unverzichtbare Fixpunkte

Im Eintracht-Kosmos gibt es noch andere, über die gerne und ausnehmend gut gesprochen wird, Sebastien Haller oder Ante Rebic sind unverzichtbare Fixpunkte im Spiel, Makoto Hasebe, Kevin Trapp oder Danny da Costa sind unantastbar, über die bemerkenswerte Stärke der Zugänge Sebastian Rode, Martin Hinteregger und Alamy Touré sind viele bass erstaunt. Und dann ist da noch Mijat Gacinovic, das immer etwas scheu wirkende Wiesel im Mittelfeld. Er gehört in eine andere Kategorie. Der Serbe ist zum einen unterschätzt, aber irgendwie auch wieder nicht, er ist aber zweifelsohne bedeutend fürs Team, weil er sich aufopfert. Und doch: Man nimmt den offensiven Mittelfeldspieler nicht so wahr wie die anderen, er fliegt irgendwie unterm Radar. Das hat Gründe. Der 24-Jährige sagte unlängst mal, und er blickte treuherzig drein, alle würden ihre Tore schießen, „nur ich nicht“.

Aktuell ist Mijat Gacinovic verletzt oder zumindest angeschlagen, und auf einmal ging in Fußball-Frankfurt doch tatsächlich die Sorge um, ob er denn rechtzeitig fit werden würde für die kommende Aufgabe gegen die Stuttgarter, weil allzu gerne verzichtet man nicht auf den Serben. Der Nationalspieler hatte sich am Montagabend im EM-Qualifikationsspiel zwischen Portugal und Serbien (1:1) in einem Laufduell mit dem Megastar Cristiano Ronaldo verletzt, konnte nur kurz weiterspielen, wurde aber acht Minuten später sogar mit einer Trage vom Platz geschleppt. Das sah nicht gut aus. Die Auswechslung sei aber nur eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, weil er über Schmerzen an der Ferse geklagt hatte. Dramatisch sei das bestimmt nicht.

Gacinovic wirkt unvollendet

Gacinovic geht im Sommer bereits in sein fünftes Jahr in Frankfurt, damit gehört er zu den dienstältesten Profis, er hat sich nach einem schwierigen Akklimatisierungsprozess zu einem wichtigen Spieler entwickelt, der zum absoluten Stamm zu rechnen ist. Er stand in 24 Bundesligapartien auf dem Platz, 13-mal von Beginn an, er bereitete zwei Tore vor, eigene Treffer, siehe oben, gelangen ihm keine. Diese Quote ist nicht die Welt.

Auf europäischer Bühne sieht es besser aus, in jeder der zehn Partien stand er in der Anfangsformation, er gab fünf Assists und machte zwei Tore, die Begegnung in Rom entschied er quasi im Alleingang. Und doch wirkt Gacinovic so unvollendet, weil er sich so oft verhaspelt, weil er Pässe spielt, die gut gedacht sind, aber nie und nimmer ankommen können, weil er schuftet und rennt, aber so oft die falschen Entscheidungen trifft, weil er so viel Talent hat und so viel kann, aber so wenig dabei herauskommt. „Mijat ist ein Spieler, der in der einen oder anderen Situation zu überhastet reagiert. Manchmal ist sein Kopf schneller als seine Füße“, sagte Trainer Adi Hütter. Er müsse einfach ruhiger werden. Doch der Mittelfeldspieler, und das ist die andere Seite, habe auch „eine unglaubliche Mentalität. Was er für die Mannschaft investiert und opfert, beeindruckt mich.“ Vielleicht findet er ja irgendwann sein Gleichgewicht, der schmächtige Kerl mit dem großen Herzen. Die leicht malade Ferse nach dem Ronaldo-Duell sollte ihn nicht daran hindern.

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