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Mexikanisches Bollwerk für Eintracht Frankfurt

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Von: Thomas Kilchenstein

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Zuletzt ausgeliehen an den AC Florenz: Carlos Salcedo.
Zuletzt ausgeliehen an den AC Florenz: Carlos Salcedo. © imago

Carlos Salcedo soll bei Eintracht Frankfurt die Lücke schließen, die Jesus Vallejo gerissen hat.

Vielleicht konnten nur mexikanische Journalisten den Wechsel des Innenverteidigers Carlos Joel Salcedo Hernández zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt so blumenreich, ja so pathetisch formulieren: „El Titan verwandelt sich in einen Adler in der deutschen Bundesliga“, schrieben die Sportredakteure von „Record“, der in ganz Mexiko erscheinenden Zeitung. Und nebenbei erfährt man noch den Spitznamen des neuen Stoppers: El Titan. Das klingt ja schon mal vielversprechend.

Am gestrigen Dienstag hat Carlos Salcedo via Instagram ein Bild gepostet, das ihn mit riesiger Sonnenbrille bestens gelaunt am Amsterdamer Flughafen mit seinem Berater Lyle Yorks zeigt. Dazu hat der 23 Jahre alte Profi geschrieben: „Ein weiteres Abenteuer mit dem großartigen Lyle Yorks. Bereit für das, was kommt.“ Dort, am Airport, soll der Kontrakt mit der Eintracht unterzeichnet worden sein. Carlos Salcedo befand sich gerade mit der mexikanischen Nationalmannschaft auf Zwischenstopp ihrer Reise nach Russland, wo das mittelamerikanische Land am Confederations Cup (17. Juni bis 2. Juli) teilnimmt. Marco Fabian, seit Winter 2016 bei der Eintracht, gehörte auch zum Reisetross. Beide Spieler werden somit beim Trainingsstart am 28. Juni nicht in Frankfurt sein.

Den 1,85 Meter großen Profi hat Eintracht Frankfurt schon eine längere Weile im Blick. Bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Rio ist er den Spähern der Frankfurter aufgefallen, Mexiko schied zwar schon nach der Vorrunde aus, man lieferte sich aber ein Duell auf Augenhöhe mit dem späteren Finalisten Deutschland, 2:2 endete seinerzeit die Partie.

Elf Spiele für die El Tri, die mexikanische Nationalelf, hat der, wie Marco Fabian, aus Guadalajara stammende Salcedo bislang absolviert, auch in U21 und U23 hat er gespielt. Zuletzt war er von seinem Heimatklub Deportivo „Chivas“ Guadalajara an den italienischen Klub AC Florenz ausgeliehen, wo er immerhin 20 Pflichtspiele bestritt, allerdings seit März dieses Jahres nur noch zu drei Einsätzen gekommen war. Zuletzt im Länderspiel zwischen Mexiko und den USA (1:1), das in der Nacht zum Montag stattfand, spielte Salcedo 90 Minuten durch. Seinen Marktwert taxiert die Onlineplatform transfermarkt.de auf 3,5 Millionen Euro. Der „Kicker“ berichtet, die Hessen würden den Verteidiger für ein Jahr ausleihen, sie hätten sich aber eine Kaufoption gesichert. Eine Bestätigung dafür gab es bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe vom Bundesligisten nicht. Damit hat Eintracht Frankfurt nach dem sehr wahrscheinlichen Abgang von Jesus Vallejo (zu Real Madrid) schnell die Lücke in der zentralen Verteidigung schließen können. Und sogar im Falle von Vallejo ist die Tür noch nicht ganz zu: Sollte sich Vallejo bis Ende August nicht bei Real durchsetzen, ist ein erneutes Engagement in Frankfurt nicht gänzlich ausgeschlossen.

Schon einmal hat bei Eintracht Frankfurt ein Mexikaner verteidigt: Aaron Galindo spielte von 2007 bis 2009 bei den Hessen, er kam auf 32 Partien, Spuren hat er nicht hinterlassen. Eintracht Frankfurt hat bereits fünf neue Spieler verpflichtet, neben Salcedo noch Sebastien Haller (FC Utrecht), Gelson Fernandes (Stade Rennes), Danny da Costa (Bayer Leverkusen), Renat Dadashov (eigene Jugend). Torwart Jan Zimmermann (1860 München) soll dieser Tage unterschreiben.

Carlos Salcedo kam als Knirps zu Chivas Guadalajara und durchlief alle Jugendmannschaften bis zur U17. Dann gab es Probleme mit der Disziplin, Salcedo musste den Klub verlassen. Er schloss sich U.A.N.L. Tigris an, ebenfalls in Guadalajara beheimatet, aber auch dort eckte der 17-Jährige an. Er entschloss sich, in den US-Bundesstaat Utah zu ziehen, wo er für die College-Mannschaft von Real Salt Lake City Academy erst im Nachwuchsbereich, dann in der Major League Soccer spielte. Für Salt Lake City bestritt er zwischen 2013 und 2014 29 Spiele, er erzielte sogar ein Tor. Die Erfahrung, die er in den USA gemacht hatte, seien sehr lehrreich gewesen, sagte er einmal der Onlineplattform FutbolSapiens.com. „Ich habe in den USA Dinge gelernt, die ich in Mexiko nie erfahren hätte. Fußball ist hier ähnlich wie in Europa“, hatte er festgestellt, es gehe viel körperbetonter zu als in seiner Heimat. Dazu spiele er viel häufiger gegen bessere Angreifer.  Spätestens in den USA war sein Wunsch gereift, es in einer der großen Ligen Europas zu versuchen. Italien, England und Spanien waren seine Ziele, nach Italien hat er es ja schon geschafft.

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