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Merkwürdiges vor Flug UA945

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Von: Ingo Durstewitz

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Sebastien Haller bleibt erst einmal in Frankfurt, soll aber bald nachreisen.
Sebastien Haller bleibt erst einmal in Frankfurt, soll aber bald nachreisen. © imago

Reisedokument ungültig: Sebastien Haller reist nicht mit in die USA. Schalke baggert an Oczipka, Arsenal an Barkok.

Der gewaltige Eintracht-Tross hat sich gestern Morgen um acht Uhr mit einer United-Airlines-Maschine, Flug UA945, auf den Weg nach Chicago gemacht, von wo es dann weiter in den Nordwesten der Vereinigten Staaten nach Seattle ging. Ein Spieler, der fest eingeplant war, saß allerdings nicht auf seinem Platz an Bord des Fliegers: Neuzugang Sebastien Haller. Die Eintracht teilte am Donnerstagmorgen in dürren Worten mit, dass der Franzose „aufgrund von privaten Gründen“ fehle, aber spätestens zum Freundschaftsspiel am Samstag gegen die Seattle Sounders (Ortszeit zwölf Uhr, deutsche Zeit 21 Uhr) erwartet werde. Das war wohl nur die halbe Wahrheit. Denn wie das Fachmagazin „Kicker“ berichtet, fehlte dem 23-Jährigen ein gültiges Reisedokument, sodass er erst einmal in Frankfurt bleiben musste. Das ist eine Nachlässigkeit des Spielers, es ist aber eine noch viel größere Nachlässigkeit seitens des Vereins, der mit einem riesigen Tross rund um die Mannschaft herum gen Seattle aufgebrochen ist. Mehr als 30 Mitarbeiter (Trainer, Funktionäre, Ärzte, Physios, Betreuer, Zeugwarte, Ernährungsberaterin, Akupunkteur, Dolmetscher, Medienbedienstete) sind in den Staaten am Start. Es gebietet die Sorgfaltspflicht des Klubs, die Dokumente zu prüfen und die Profis auf die Reise vorzubereiten.

Haller soll nachreisen

So verfährt die Eintracht auch, die Pässe werden sogar vorher eingesammelt, Visen und die Einreisegenehmigung für die USA (ESTA) beantragt. Es ist daher nur schwer zu ergründen, wie ein solcher Fauxpas passieren konnte. Die Eintracht wollte den Vorfall auf Nachfrage nicht bestätigen und blieb bei der „privaten Angelegenheit“ des Stürmers. Haller soll zeitnah nachreisen. Das gilt eher nicht für Yanni Regäsel (Magen-Darm-Infekt) und den talentierten Jugendspieler Sahverdi Cetin (Rückenverletzung). Beide waren für den Trip eingeplant, mussten ihn aber absagen.

Was wird aus Oczipka?

Bastian Oczipka hingegen gehörte der Eintracht-Delegation an. Das klingt selbstverständlich, ist es im Grunde auch. Doch die Frage ist, wie lange der 28-Jährige noch für die Frankfurter auflaufen wird. Denn das Interesse von Schalke 04 ist, wie die FR erfuhr, nicht nur spekulativer Natur, der Klub aus dem Ruhrpott hat tatsächlich die Fühler nach dem Linksverteidiger ausgestreckt, der bei den Hessen noch einen Vertrag bis 2018 besitzt. S04 ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den zum FC Arsenal gewechselten Sead Kolasinac. Oczipka, seit 2012 bei der Eintracht und seitdem gesetzt, hat eine gute letzte Saison gespielt, ist in Frankfurt zum Führungsspieler gereift und aufgestiegen. Die Eintracht und der Akteur befinden sich seit einigen Wochen in Gesprächen, um den auslaufenden Vertrag zu verlängern. Große Eile hatte man in Frankfurt nicht. Das könnte sich jetzt rächen. Die Verantwortlichen würden den vielseitig einsetzbaren Abwehrmann zwar gerne längerfristig binden. Doch dieses Ansinnen scheint in einige Ferne zu rücken. Der Spieler ist nicht abgeneigt sein, sich Schalke 04 anzuschließen. Und auch die Eintracht soll gesprächsbereit sein – wenn die Ablöse stimmt.

Angebliches Angebot für Barkok

Grundsätzlich ist es so, dass die Eintracht den Linksfuß jetzt verkaufen müsste, wenn er nicht verlängert und der Klub im kommenden Jahr nicht leer ausgehen will. Oczipka sollte mindestens fünf Millionen Euro bringen. Trotzdem sollte die Sportliche Führung noch einmal genau überlegen, wie viel Gehalt sie dem langjährigen Profi bieten und wie weit sie sich finanziell aus dem Fenster lehnen kann. Denn Oczipka ist ein verdienter, zuverlässiger Spieler, nach Alexander Meier der dienstälteste sogar. Und die Eintracht würde in ihrer bunt zusammengewürfelten Mannschaft eine weitere Identifikationsfigur verlieren. So viele hat sie sowieso nicht mehr. Das sollte der Klub beachten. Auch wenn die Hessen quasi dazu gezwungen sind, Spieler abzugeben, um den aufgeblähten Kader zu verkleinern – und Geld einzunehmen. Und da kommt auch Aymen Barkok ins Spiel. Der zurzeit mit der deutschen U-19-Auswahl an der EM in Georgien teilnehmende Mittelfeldspieler soll auf dem Zettel des FC Arsenal stehen. Das berichtet Spox. Demnach bieten die Engländer eine Ablösesumme im hohen einstelligen Millionenbereich. Die Späher von Trainer Arsene Wenger hätten den 19-Jährigen seit einiger Zeit beobachtet, schon in der vergangenen Saison sei in Frankfurt ein offizielles Angebot eingegangen, was die Eintracht abgelehnt habe. Auch aus der Bundesliga gebe es Interesse. Barkok avancierte in der Hinrunde zum Senkrechtstarter, baute in der Rückrunde kolossal ab. Da gilt es, genau abzuwägen.

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