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Neuer Mann bei der Eintracht: Adi Hütter.

Adi Hütter

Der Menschenfreund

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Der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter legt großen Wert auf einen respektvollen Umgang. Jesus Vallejo ist in Frankfurt wieder ein Thema.

Adi Hütter hat die Eintracht nie vergessen, die Eintracht aber hatte Adi Hütter vergessen, vielleicht auch verdrängt. Logischerweise. Denn wer erinnert sich aus dem Stand an den März 1994, das Viertelfinale des Uefa-Cups, das Hinspiel im mit 48 000 Besuchern bepackten Ernst-Happel-Stadion, die Eintracht mit Hochkarätern wie Tony Yeboah, Uli Stein, Ralf Weber, Manfred Binz oder Maurizio Gaudino am Start, im Rückspiel auch noch Uwe Bein, und dann kommt dieser Mittelfeldspieler des SV Casino Salzburg, Rechtsschuss nach 33 Minuten hinein ins Netz, 1:0. Torschütze: Adi Hütter. 

Es war der einzige Treffer des Abends, es sollte einer von entscheidender Bedeutung sein, im Rückspiel in Frankfurt egalisierte die Eintracht das Ergebnis zwar, doch im Elfmeterschießen musste sie die Segel streichen; Manni Binz hatte gepatzt, Adi Hütter seinen Elfer versenkt. Natürlich. 

Fast ein Vierteljahrhundert später sitzt Adi Hütter im vollbesetzten Presseraum im Frankfurter Stadion, das mit dem von damals nichts mehr gemein hat und offiziell auch nicht mehr Waldstadion heißt, seine schwarzen Haare sind gewichen, Hütter ist 48 mittlerweile, gut gebräunt, drahtig, dunkelblaues Jacket, weißes Hemd – so präsentiert sich der Fußballlehrer der Öffentlichkeit. Er hinterlässt einen souveränen Eindruck, der neue Cheftrainer von Eintracht Frankfurt. „Die Bundesliga“, sagt er, „war schon immer mein Ziel.“ Bammel hat der selbstbewusste Coach nicht: „Angst habe ich vor gar nichts.“ 

Ein Kommunikator sei er, sagt der von Young Boys Bern für 800 000 Euro ausgelöste Fußballlehrer, doch bei seinem ersten Auftritt hält er sich verbal zurück, ein Sprücheklopfer, ein Dampfplauderer ist er gewiss nicht, der smarte Vorarlberger. Hütter wird von Weggefährten als ehrlich, loyal und ehrgeizig beschrieben, manch einer hält ihn für einen Menschenfänger. „Ich bin ein Teamplayer“, charakterisiert er sich selbst. Wenn Hütter, Vater einer erwachsenen Tochter, über Fußball referiert, fällt immer wieder das Wörtchen „Respekt“. Für den früheren Nationalspieler, der mit Young Boys Bern zwar den Pokalsieg verpasste, dem Klub aber die erste Meisterschaft nach 32 Jahren schenkte, ist die gegenseitige Achtung unabdingbar. Er will seine Spieler nicht nur als Fußballer betrachten, „sondern den Menschen dahinter kennenlernen. Wenn du den Menschen nicht kennst, wirst du den Spieler nicht zur Höchstleistung bringen können.“ 

Das hört sich alles schwer nach einem Kumpeltypen an, aber genau das ist er nicht. Sagt Hütter über Hütter: „Ich bin kein Freund der Spieler. Aber ich bin aber auch weit weg davon, ein Gegner von ihnen zu sein.“ Auch diese Suche nach der rechten Balance scheint für ihn elementar zu sein, alles muss im Gleichgewicht sein, um erfolgreich sein zu können. 

Dazu gehört auch das korrekte Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. Einerseits ist er ein Mann mit klaren Prinzipien und eiserner Disziplin, das unterscheidet ihn nicht von seinem knallharten Vorgänger Niko Kovac. „Den Spielern ist es lieber, wenn sie mit korrekter und harter Hand geführt werden und nicht so Laissez-faire“, sagt der Coach. Andererseits ist ihm eine vertrauensvolle Basis sehr wichtig. „Es ist gefährlich, zu distanziert zu sein. Ich sehe mich nicht nur als Trainer, sondern manchmal gar als Partner“, sagte er mal. 

Hütter, der anders als Niko Kovac nicht im Hotel wohnen wird („Dafür bin ich nicht der Typ“), steht für Angriffsfußball, aber dem „bedingungslosen Offensivspektakel“, für das er einst bei RB Salzburg stand, hat er abgeschworen. Noch immer ist ihm ein 4:3 lieber als ein 1:0 ist, aber er wird seine Ausrichtung an die Bundesliga und sein Team anpassen, „man braucht einen Plan B“, befindet er. 

Europa? „Sehr wichtig“

Er werde zusammen mit seinen Profis „eine Spielphilosophie entwickeln, die zu dieser Mannschaft passt.“ So will er auch in der Europa League für Furore sorgen. „Wir nehmen Europa sehr ernst, das ist uns sehr wichtig“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Wir wollen durch die Gruppe marschieren.“

Hütter, der seinen Co-Trainer Christian Peintinger mit nach Frankfurt bringen und auch mit Kovac-Assistent Armin Reutershahn zusammenarbeiten wird, hat sich aus den Planungen der Eintracht bisher herausgehalten. Mit der Ausbootung von Kapitän und Leitfigur Alex Meier, das stellte er in dürren Worten klar, hatte er nichts zu tun: „Das war und ist nicht mein Thema.“ Nun aber wird er sich einmischen. Und hat nichts dagegen, dass die Eintracht an einer Rückholaktion von Real-Verteidiger Jesus Vallejo schraubt. Der 21-Jährige kommt in Madrid nicht wie erhofft zum Zug. Beide Vereine liegen in ihren Vorstellungen aber noch ein gutes Stück weit auseinander. 

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