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"Ich finde es sehr wichtig, dass wir alle eine Sprache sprechen", sagt Mijat Gacinovic.
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"Ich finde es sehr wichtig, dass wir alle eine Sprache sprechen", sagt Mijat Gacinovic.

Interview Mijat Gacinovic

"Mein Vater war mein großes Vorbild"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Spieler Mijat Gacinovic über seine ungewohnte Position, seine hervorragenden Deutschkenntnisse und weshalb er nicht sauer auf Ex-Trainer Armin Veh ist.

Mijat Gacinovic, 22, hat sich zu einer festen Größe entwickelt - zumeist im defensiven Mittelfeld. Das ist nicht seine Lieblingsposition, eher Linksaußen. Bislang hat er erst ein Tor erzielt, das Siegtor gegen Köln, eine Vorlage war nicht darunter. Das geht besser.

Für Schlagzeilen sorgte er ungewollt im Dezember, als sich das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ unter Berufung auf die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ mit seinem Wechsel nach Frankfurt beschäftigte. Demnach soll ein kanadischer Investor die Transferrechte am Serben halten. Das dubiose Unternehmen wickele seine Deals über den zyprischen Klub Apollon Limassol ab, von dem die Eintracht Gacinovic 2015 für 1,5 Millionen Euro gekauft hat. Er hat dort aber nie gespielt, sondern nur bei seinem Stammverein FK Novi Sad. Verkauft die Eintracht den 21-Jährigen, ginge die Hälfte des Betrags an Apollon und den dahinter getarnten Investor. Die FR hat Gacinovic auch zu diesem Komplex befragt, die Presseabteilung der Eintracht hat die Antwort bei der Autorisierung aber komplett gestrichen.

Herr Gacinovic, in die Nähe des gegnerischen Tores kommen Sie ja kaum noch, seit Sie als Abräumer vor der Abwehr einspringen mussten. Haben Sie schon jemals in Ihrer Karriere derart defensiv gespielt?
Nein, noch nie. Ich habe ja meistens Linksaußen gespielt oder auf der Zehn, auch mal Rechtsaußen. Aber auf der Sechs, nein, da wurde ich noch nie zuvor eingesetzt.

Müssen Sie sich da selbst manchmal bremsen?
Meistens bremst mich der Trainer (lacht). Es kommt schon mal vor, dass ich mir den Ball schnappe und nach vorne renne. Dann ruft der Trainer: „Mijat, bleib‘ hinten.“ Aber das steckt so in mir drin, das ist normal, ich habe ja immer nach vorne gespielt.

Hört man Niko Kovac bei dieser Lautstärke in den Stadien überhaupt?
Manchmal nicht, aber meistens schon.

Können Sie denn überhaupt defensiv spielen?
Man lernt das ja, es fällt mir jetzt schon leichter, aber es kommen ja einige verletzte Spieler zurück. Ich hoffe, ich kann bald wieder auf meiner gewohnten Position spielen.
 
Und es ist auch gefährlicher, dort zu spielen.
Klar, ich muss einfacher spielen, sicherer spielen, ich kann nicht so viel Risiko gehen.

Aber das ist doch gerade Ihr Spiel: Ins Risiko, ins Dribbling gehen...
...das war mein Spiel (lacht). Ernsthaft: Wenn ich näher am Tor bin, gehe ich weiterhin ins Risiko, aber weiter hinten ist es zu gefährlich.

Sie haben in dieser Saison einen Treffer erzielt, das Siegtor gegen den 1. FC Köln. Sind Sie dennoch zufrieden?
Na ja, so wirklich zufrieden bin ich damit nicht. Ich muss mehr Tore schießen – egal, auf welcher Position ich spiele. Selbst wenn ich auf der „Sechs“ spiele, muss ich mehr Tore machen. Das ist einfach zu wenig. Ich hatte ja auch gute Chancen, ich muss einfach daran arbeiten, vor dem Tor kaltschnäuziger werden. Das ist zurzeit auch ein Problem der ganzen Mannschaft: Wir haben Chancen, aber wir haben Probleme mit der Finalisierung. Das muss sich ändern.

Kann es daran liegen, dass Sie in fast jedem Spiel mit am meisten laufen und die meisten Sprints anziehen, so dass Sie vor dem Tor oder in den entscheidenden Situationen womöglich unkonzentrierter sind?
Nein, nein. Das kann kein Alibi sein. Wir müssen alle so viel laufen. Kein Problem.

Womit ist diese Talfahrt der Mannschaft   zu begründen?
Es kommt einiges zusammen: Vorne machen wir zu wenige Tore, hinten bekommen wir zu viele rein. Dann hatten wir sicherlich auch Pech mit einigen Schiedsrichterentscheidungen, einige Spieler waren verletzt und andere etwas müde, weil sie die ganze Saison über jedes Spiel gemacht hatten. So kommt dann eins zum anderen. Aber ich denke, wir sind jetzt so langsam wieder auf dem richtigen Weg. Am Samstag sollten wir wieder damit anfangen, Punkte zu sammeln.

Was verbinden Sie mit den beiden extrem wichtigen Relegationsspielen gegen den 1.FC Nürnberg im Mai, die Sie fast im Alleingang entschieden haben. Würden Sie sagen, das war Ihr Durchbruch auf diesem Niveau?
Das waren zwei wichtige Spiele für mich und die Mannschaft. Ich denke, ich habe es in diesen Partien sowohl defensiv als auch offensiv gut gemacht. Ich habe Chancen kreiert, ein Tor gemacht und das Tor von Haris Seferovic in Nürnberg vorbereitet. Das muss aber auch mein Anspruch sein, das ist die Messlatte. Ich werde weiter hart arbeiten, dann wird es auch wieder kommen. Die beiden Spiele waren wichtig für mein Selbstvertrauen. Und ich konnte allen zeigen, dass ich auf diesem Niveau eine solche Leistung abrufen kann.

Das erste Jahr war für Sie ohnehin schwer.
Ja, das kann man so sagen. Ich war krank, als ich hier ankam. Die Mannschaft war in der Vorbereitung in Österreich, hat sich die Grundlagen geholt, und ich war hier. Das hat mich weit zurückgeworfen, ich habe in den ersten vier Monaten mal in einem Freundschaftsspiel für eine halbe Stunde gespielt. Es war sehr schwer für mich, weil man die serbische Liga nicht mit der deutschen vergleichen kann. Das hier ist ein anderes Niveau. Und nur durch Training ist es fast unmöglich, auf dieses Level zu kommen.

Konnten Sie den damaligen Trainer Armin Veh verstehen, Sie nicht eingesetzt zu haben?
Ich hatte kein Problem mit Armin Veh, er war gut zu mir, hat im Training mit mir gesprochen. Aber er hat mich halt nicht in der Startelf gesehen. Aber das ist normal und okay. Jeder Trainer hat andere Ansichten. Für mich war wichtig, dass ich nicht aufgegeben und den Kopf in den Sand gesteckt habe. Ich habe immer weiter gemacht und hart gearbeitet. Das hat mich stark gemacht.


Sind Sie ein besserer Spieler als vor einem Jahr?
Ja, ganz sicher. Aber ich kann noch mehr und muss einiges verbessern. Ich kann und muss noch besser spielen.

Ist es für Sie ein Pluspunkt, dass Niko Kovac auf Sie baut, als Kroate Ihre Mentalität kennt und weiß, wie er Sie anzupacken hat?
Er ist sehr wichtig für mich. Er hat mir viel geholfen, er hat mir das Vertrauen und die Chance gegeben. Ich versuche in jedem Spiel, ihm das Vertrauen zurückzuzahlen.

Sie sprechen sehr gut Deutsch. Was es für Sie wichtig, die Sprache zu erlernen?
Sehr wichtig. Seit ich Deutsch kann, wurde für mich hier vieles einfacher. Ich kann mich verständigen, auf dem Platz und außerhalb des Feldes. Ich finde es sehr wichtig, dass wir alle eine Sprache sprechen.

Als Sie krank waren und mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber flach lagen, haben Sie noch mehr gebüffelt als zuvor.
Das stimmt. Viermal die Woche. Aber es hat was gebracht.

Lernen Sie heute auch noch?
Ja, hier im Stadion sind wir in Gruppen eingeteilt. Je nachdem, wie gut man spricht. Ich bin mit David Abraham zum Beispiel in einer Gruppe. Er spricht sehr gut, das ist in seiner Position als einer der Kapitäne aber auch sehr wichtig.

Ist es wichtig für Sie, dass Sie hier einige Landsmänner getroffen haben?
Natürlich. Wir haben die gleiche Mentalität. Wir sind oft zusammen, gehen zum Beispiel was Essen. Wir verstehen uns ausgesprochen gut.

Werden Sie auf der Straße erkannt?
Mittlerweile schon, früher war das nicht so. Doch jetzt mache ich ja fast jedes Spiel, und dann sprechen mich die Leute schon in der Stadt oder im Restaurant an.

Ist Ihnen das unangenehm?
Nein, ich habe damit kein Problem, sie können ruhig ein Foto machen. Andere Spieler mögen das nicht so, aber ich denke, es gehört auch zu unserem Job dazu. Wir spielen für viel Geld und vor vielen Fans. Das ist Teil unseres Berufs.

Nutzen Sie soziale Medien, um Kontakt zu den Fans zu halten?
Ich bin nur bei Instagram, das reicht. Früher war ich bei Facebook, aber da habe ich mich abgemeldet.

Haben Sie mittlerweile den Sprung zur A-Nationalmannschaft geschafft?
Ja, zum ersten Mal. Wir spielen nächste Woche gegen Georgien, ich bin fünf Tage bei der A-Elf, dann spiele ich mit der U21 in der Slowakei. Im Juni haben wir die U21-Europameisterschaft in Mostar. Da kann ich noch spielen.

Sie haben auch mal für Bosnien gespielt.
Ich bin in Serbien geboren, in Novi Sad, weil mein Vater als Profi dort gespielt hat. Er ist heute Trainer. Nach drei, vier Jahren sind wir aber wieder nach Trebinje übergesiedelt, dort, wo wir herkommen.

Mit 15 bin ich zu Novi Sad gewechselt. Anfangs habe ich für die U17 Bosniens gespielt, aber der Trainer der serbischen Juniorennationalmannschaft hat mich sehr beeindruckt, weshalb ich mich dann für Serbien entschieden habe. Und Serbien ist ohnehin mein Land, ich liebe Serbien. Deshalb war klar, dass ich für dieses Land spielen will. Und mit der U19 Serbiens sind Sie Europameister geworden, mit der U20 Weltmeister. Das sind ja unglaubliche Erfolge. Serbien hat viele gute junge Spieler, wir hatten auch einen fantastischen Trainer damals. Aber auf dem Weg nach oben gab es ein paar Probleme mit den Trainern. Ich denke aber, dass jetzt die ganzen jungen Spieler nach oben rücken, die damals schon diese Titel gewannen, sodass wir erfolgreicher sein können. Großes Potenzial ist jedenfalls vorhanden.

Welche Rolle hat Ihr Vater in Ihrer Karriere gespielt?
Eine sehr große. Er hat mir sehr viel geholfen, er war mein Trainer in der Jugend und mein großes Vorbild.

Wie ist es, als 20-Jähriger in ein anderes Land zu gehen?
In Novi Sad gab es ein paar Probleme, ich merkte auch, dass ich keinen Fortschritt mehr machen würde. Deshalb wollte ich gehen.

Was waren die größten Unterschiede auf dem Feld?
Das Tempo, ganz klar. In Serbien gibt es auch gute Spieler, aber das Tempo war das, was mir am meisten zu schaffen machte und an das ich mich gewöhnen musste.
 
Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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