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Alexander Meier feiert seinen Treffer für die Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Meiers Märchen

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt hat mit einem 3:0-Sieg über den Hamburger SV die Chance aufs internationale Geschäft gewahrt. Und Alex Meier trifft bei seinem Comeback märchenhaft zum 3:0.

Und dann hat sich David Abraham noch einmal zu einem letzten Sprint aufgemacht, weit in der Hamburger Hälfte. Dort ist der Stopper normalerweise selten zu finden, das Passen und Flanken gehört nicht zu seinem Kerngeschäft, aber dieses Mal passte alles haargenau.

Seine gefühlvolle Flanke fand wie am Reißbrett entworfen den am langen Eck postierten Alexander Meier. Der Fußballgott war erst ein paar Minuten im Spiel, in der 86. Minute war der Lange für Sebastien Haller, der mal wieder ohne jeden Torschuss geblieben war, ins Spiel gekommen – unter ohrenbetäubendem Lärm. Das Stadion schien förmlich zu explodieren, als der 35-Jährige nach einjähriger Absenz erstmals wieder den Rasen betrat. Und dann kam in dieser 90. Minute - Eintracht Frankfurt lag gegen den HSV bereits mit 2:0 in Führung - diese fein getimte Flanke.

Sie kam punktgenau richtig für Meier, der unmittelbar zuvor noch Mijat Gacinovic auf die kurze Ecke geschickt hat, um dadurch einen Verteidiger zu binden. Der Ball kam perfekt, und Alex Meier schoss ihn mit der linken Innenseite ins lange Eck zum 3:0 ins Tor. Danach gab es kein Halten mehr im Stadtwald, „40000 Zuschauer“, übertrieb dann hinterher Präsident Peter Fischer gewohnt wortgewaltig, „haben da geweint“. Bei gestandenen Männern in der Vorstandsloge liefen nur so die Tränen. „Das ist ein Fußballmärchen, das ist ein großer Moment, ein wirklich großer Moment“, sagte später Vorstand Axel Hellmann.

Es war ganz großes Kino, Gänsehautfeeling pur, solche Geschichten kann nur der Fußball schreiben. Hätte ein Drehbuchautor dieses Skript vorgelegt, es wäre ihm wegen erhöhter Kitschgefahr abgelehnt worden. „Es war eine Geschichte, die man sich nicht besser aufmalen könnte“, fand auch Danny da Costa. Ein schöneres Comeback kann es nicht geben. „Den Ball habe ich ganz gut getroffen“, sagte Meier dann mit typischem Understatement.

Und es gab keinen an diesem sonnigen Nachmittag – Hamburger vielleicht ausgenommen –, die Alex Meier nicht dieses Tor gegönnt hatten. „Alex Meier genießt Kultstatus, Alex Meier ist Eintracht Frankfurt“, sagte Trainer Niko Kovac, der eigentlich nicht unbedingt als Meier-Freund auffällig geworden ist.

„Alex Meier ist eine Institution“, sagte Marco Russ. Ohnehin haben praktisch alle Spieler vor der Partie geahnt, dass der 35-Jährige, seit 14 Jahren im Klub, treffen würde, falls er zum Einsatz käme. „Alex tut jeder Mannschaft gut“, fand Russ.

Ob das Märchen mit dem Fußballgott und Eintracht Frankfurt weitergeht im nächsten Jahr, ist allerdings weiterhin offen. Meier will auf jeden Fall noch weiterspielen, am liebsten natürlich bei der Eintracht.

Doch bislang kam von der Sportlichen Leitung noch kein Okay, Fredi Bobic und Bruno Hübner stehen dem Ansinnen eher skeptisch gegenüber. Zu einer möglichen Vertragsverlängerung von Meier befragt, sagte der Sportvorstad Bobic betont kühl nur: „Wir sollten das Spiel in Schalke diskutieren oder das Pokalfinale.“ In der Personalie Meier gelte es „Realismus walten zu lassen und nicht Fantasie und Herzschmerz“. Aber vielleicht hat der neue und noch zu findende Trainer ja eine andere Auffassung. „Ich bin ganz klar pro Alex Meier“, votierte Russ schon mal für ein weiteres Engagement von Meier. Eintracht Frankfurt sollte eine Möglichkeit finden, den Spieler für ein weiteres Jahr zu binden. Der Verein geht damit kein Risiko, Meier würde auch einen leistungsbezogenen Vertrag akzeptieren. Er muss ja nicht als gesetzter Stammspieler in die Saison gehen, aber für solche Momente, wie am Samstag um 17.20 Uhr, ist der Vollblutfußballer immer gut. Und so viele Gesichter und Aushängeschilder hat der Klub auch wieder nicht. Das sollte man gerade in dieser schnelllebigen Zeit - und gerade bei Eintracht Frankfurt, wo die Fluktuation der Spieler sehr hoch ist, nicht außer Acht lassen.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt: Der HSV, spielerisch sehr ansprechend, hatte Pech, dass ein Treffer Tatsuya Ito (25.) vom Videoassistenten wegen einer hauchzarten Abseitsentscheidung zurückgenommen wurde. Das wäre die Führung für den HSV gewesen. Der Treffer der Eintracht durch Marius Wolf (31.) allerdings zählte. Als der HSV in der Gewissheit des klaren Rückstandes des Konkurrenten VfL Wolfsburg alles nach vorne warf (und noch ein Abseitstor durch Lewis Holtby erzielte), konterte die Eintracht zum 2:0, Omar Mascarell (77.) hatte getroffen. Danach war der Wille der Hamburger gebrochen.

Die Eintracht hat damit ihre Chancen auf das internationale Geschäft gewahrt. „Es war wieder Feuer da“, sagte Russ. Die Hessen waren wieder zurückgekehrt zu den Tugenden, die sie vor Wochen noch ausgezeichnet hatten. „Es war eine klare Steigerung gegenüber den vergangenen Spielen zu erkennen“, sagte auch Schütze Wolf.

Die Eintracht hat, gerade noch rechtzeitig, den Stimmungs-Turnaround geschafft. Dank des Sieges – und dank Alex Meier. Sie reisen nun mit breiterer Brust nach Schalke und zum Pokalfinale. „Jetzt“, sagt Danny Da Costa, „können wird diese Saison vergolden.“

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