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Ein Blick, ein Schuss - Alexander Meier trifft zum 2:1 für die Eintracht.

Eintracht Frankfurt - Hamburger SV

Meier schießt die Eintracht zum Sieg

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt ist mit dem 2:1-Erfolg über den Hamburger SV ein eminent wichtiger Sieg gelungen. "Jetzt können wir nach oben schauen", sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Der von ihm zuletzt stark kritisierte Alexander Meier erzielt pikanterweise beide Tore. Für einen kurzen Misston sorgt Stefan Aigner.

Rechtsaußen Stefan Aigner ist ein gradliniger, authentischer junger Mann, der sich nicht so leicht verbiegen lässt und sein Herz auf der Zunge trägt. Und deswegen hatte er seinen Zorn über seine Auswechslung eine knappe Viertelstunde vor Schluss nicht verbergen wollen und können. Kaum hatte er den Platz verlassen, holte er mit seinem starken rechten Fuß aus und trat gegen eine dort stehende Trinkflasche. Im hohen Bogen spritzte die Flüssigkeit durch die Luft, danach setzte er sich, vernehmlich vor sich hinschimpfend, auf die Bank.

Da war einer richtig sauer, richtig angefressen.

Stefan Aigner, der wieder viel Betrieb auf seinem Flügel machte, dieses Mal ohne eigenen Torerfolg blieb, aber immerhin die Gelb-Rote Karte für Matthias Ostrzolek (64.) herausholte, war sicherlich nicht der schwächste Spieler an diesem Abend. Er sei „platt“ gewesen, nachdem er ein „großes Pensum geleistet“ habe, sagte Trainer Thomas Schaaf hinterher. Er habe die Wege nach hinten aber nicht mehr gehen können, deshalb habe er den Wechsel mit Sonny Kittel vorgenommen. „Dass er dann Luft ablässt, ist doch normal“, sagte Schaaf, „Emotionen gehören dazu“.

Ein fettes Polster

Stefan Aigner räumte später gegenüber der FR ein, überreagiert zu haben „Ich habe mich schon beim Trainer entschuldigt. Ich war körperlich fix und fertig.“ Auslöser des Scharmützels war eine Szene zuvor, als der 27-Jährige einen leichten Ball verloren hatte und Schaaf ihn „positiv aufmuntern“ wollte. „Ich habe das falsch aufgefasst. Jo mei, ich bin halt so als Typ“, sagte Aigner.

Es war aber an diesem Abend der einzige Misston. Den 2:1-Sieg der Eintracht über den Hamburger SV war allenthalben als große Erleichterung empfunden worden. Klubchef Heribert Bruchhagen sprach hinterher von einem „ganz, ganz wichtigen Sieg“. Denn durch die drei Punkte hat sich die Eintracht ein fettes Polster nach hinten angefressen  und kann jetzt, wie von Bruchhagen gefordert, den Blick nach oben wagen.

Bis zum Tabellenplatz sieben, der vermutlich ebenfalls für ein Engagement in Europa reichen würde, sind es gerade noch zwei Punkte, zudem hat die Eintracht jetzt weitere vier Gegner vor die Brust, die ihr auf Augenhöhe begegnen. „Jetzt  können wir nach vorne schauen“, sagte der Sportdirektor Bruno Hübner zuversichtlich. Schon Bruchhagen hatte in dieser Woche davon geredet, den Blick langsam nach oben zu richten. Vor allen Dingen ist den Hessen dies gelungen: Sie haben endlich einmal ihre Chance beim Schopf gepackt. Immer, wenn die Möglichkeit bestanden hatte, einen Schritt nach vorne zu gehen, hat sich die Eintracht in der Vergangenheit selbst Knüppel zwischen die Beine geworfen.. „Dieses Mal haben wir einen großen Schritt gemacht“, freute sich Hübner. Mit diesem Sieg, so viel dürfte nach 23 Spieltagen feststehen, hat die Eintracht in dieser Saison mit den hinteren Tabellenplätzen nichts mehr zu tun, dazu dürfte der Vorsprung groß genug sein.

Für den Sieg zeichnete vor allem ein Spieler verantwortlich, der in der Vorwoche  erheblich (und zu Unrecht) in die Kritik geraten war: Alexander Meier. Der 32-Jährige erzielte beide Treffer, erst verwandelte er nach zwölf Minuten einen Elfmeter – der Hamburger Johan Djourou hatte Lucas Piazon geschubst - , dann platzierte Meier aus 18 Metern die Kugel direkt neben den Pfosten. Es war ein typisches Meier-Tor: Überlegt, mit der Innenseite, genau und unerreichbar für den Torhüter.

Und ums Haar hätte Meier noch einen  draufgepackt: In der 90 Minute gab es erneut Elfmeter – dieses Mal hatte Djourou Marc Stendera von den Beinen geholt - , doch der Lange drosch die Kugel an die Latte. „Da wollte ich zu genau und zu hart schießen“, sagte Meier. Auch mit diesem Doppelpack hat Alex Meier, der sehr präsent war, insgesamt sieben Mal aufs Tor schoss und einmal einen sensationellen Diagonalball über 70,80 Metern genau in den Lauf von Aigner spielte, seine Bundesliga-Bestmarke eingestellt: 16 Tore, so viel wie jetzt nach 23 Spieltagen, hat er auch in der Saison 2012/2013 unter Trainer Armin Veh erzielt. Da schaffte die Eintracht den Einzug in die Europa League.

Inui und Piazon setzen Akzente

Und Meier-Kritiker Bruno Hübner lobte bei der Analyse den Doppeltorschützen. „Alex ist eben einer, der den Unterschied machte. Ich bin gerne bereit, heute die Kröte zu schlucken.“ Nach dem Mainz-Spiel hatte Hübner noch gesagt, wenn Meier keine Tore erziele, falle er im Spiel nicht auf. „Diese Kröte müssen wir schlucken.“

Trainer Schaaf hatte die Vakanz in der Sturmmitte wegen der Sperre von Haris Seferovic mit Takashi Inui geschlossen. Auf dem linken Flügel spielte Lucas Piazon, der seine Sache dieses Mal gut machte und an beiden Toren maßgeblichen Anteil hatte. Auch Inui gehörte lange Zeit zu den auffälligsten Spielern, „er ist beweglich, quirlig und kann gute Bälle spielen“, sagte der Matchwinner.

Stefan Aigner übrigens will die Mannschaft wegen seines Ausrasters demnächst zu einem Leberkäs-Essen einladen.  Guten Appetit.

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