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Musste sogar als Spielmacher ran: Stefan Aigner (rechts), hier gegen Konstantinos Stafylidis.
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Musste sogar als Spielmacher ran: Stefan Aigner (rechts), hier gegen Konstantinos Stafylidis.

Eintracht Frankfurt - FC Augsburg

Mehr als nur eine Ohrfeige

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Nach dem ernüchternden Heimauftakt stellen sich bei Eintracht Frankfurt grundsätzliche Fragen: Ist das Mittelfeld in dieser Besetzung der Weisheit letzter Schluss?

Dummerweise kann man in den Fußballromantiker Armin Veh nicht hineinsehen, und natürlich kann ein Bundesligatrainer öffentlich in der Regel nicht ungeschminkt sagen, was er wirklich denkt und fühlt. Doch wer sich die Frankfurter Eintracht in der Verfassung vom Samstag ansieht, wer beobachtet hat, mit welcher Beharrlichkeit und Unbeirrbarkeit die Spieler mit dem Adler auf den Brust den Ball in die Füße des Gegners passten, der mag sich in etwa ausmalen, wie es im Inneren des Fußballästheten Veh ausgesehen haben mag. Für den Coach, der angetreten war, seiner Mannschaft mit schnörkellosem und schönem Offensivfußball wieder eine Identität zu geben, muss der jüngste Auftritt eine Ohrfeige gewesen sein. Denn all das, für was Eintracht Frankfurt stehen möchte, was sich Veh auf die Fahne geschrieben hat, all das setzten die Spieler auf dem Feld nicht um.

Nach diesen erstaunlich uninspirierten 90 Minuten kann man zu dem Schluss kommen, dass die Hessen doch ein paar elementare Probleme mehr mit sich umher schleppen als angenommen. Die große Frage wird sein, ob die Eintracht in dieser personellen Besetzung und in diesem taktischen Korsett weiter spielen kann. Denn gerade im Mittelfeld ist es doch arg dünn, was die Frankfurter (auf)bieten. Die Kombination Stefan Reinartz/Marco Russ ist nicht ideal, beide sind nicht nur nicht schnell, sondern auch nicht spielstark genug. Eigentlich dürfte nur einer von beiden an der Seite eines offensiveren Spielers aufgeboten werden.

Im zweiten Abschnitt standen mit Reinartz, Russ und Makoto Hasebe gleich drei defensiv ausgerichtete und denkende Mittelfeldspieler auf dem Feld. Das geht zulasten der Kreativität. Kapitän Russ gehört in die Innenverteidigung. „Er ist kein Filigrantechniker“, sagte Veh. Er schätzt bei Russ andere Tugenden. „Er hat Herz.“ Und ist torgefährlich.

In jedem Fall hat es die Eintracht verpasst, einen schnellen und spielstarken Mittelfeldmann zu holen – auch wenn diese nicht auf den Bäumen wachsen. „Die Zentrale war aber nicht unser Problem“, sagte Veh. Normalerweise könnten auch diese Spieler ein Spiel sauber und klug eröffnen, seine Abwehrmänner sowieso. Es ist trotzdem eine Frage der Spielstärke, eine Frage der Kreativität und der individuellen Klasse am Ball, wie gut man sein Spiel durchbringen und das ausgegebenen Konzept umsetzen kann. Veh überlegt, etwas an der grundsätzlichen Ausrichtung, gerade im zentralen Mittelfeld, zu ändern. „Die ist ja nicht in Stein gemeißelt.“ Nach so einem bedenklich schwachen Spiel kommt alles auf den Prüfstand. „Wir werden genau analysieren, wieso und weshalb“, kündigte Veh an.

Der Trainer überraschte mit taktischen Umstellungen, die aber nicht griffen. Im zweiten Abschnitt zog er Rechtsaußen Stefan Aigner auf die Spielmacherposition. „Das habe ich zuletzt in der Jugend gespielt“, schmunzelte Aigner. Und Veh räumte ein, dass diese Position für den Flügelmann eigentlich „ein Unding“ sei, aber er habe keine andere Alternative gesehen: „Ich wollte Aiges weiter vorne haben.“

Nun, nach nur zwei Spieltagen, fällt schon auf, wie sehr ein Spieler fehlt, der den kreativen Impuls geben kann. Ein Spieler wie Marc Stendera, der zwar auch nur wenig Tempo hat, aber Situationen mit seiner Klasse überraschender lösen kann. „Ich hätte ihn gerne dabei gehabt“, bekundete Veh. „Er hat ein spielerisches Element, das uns fehlt.“ Stendera laborierte an den Folgen eines Muskelfaserrisses, gestern absolvierte er aber eine komplette Einheit mit den Reservisten.

Veh muss sich auch fragen, ob das System mit zwei Spitzen so Bestand haben muss, denn gerade Luc Castaignos enttäuschte am Samstag auf ganzer Linie. Und auch auf links nehmen die Schwierigkeiten nicht ab. Dort hat sich keiner festspielen können, und weil Takashi Inui den Klub wohl verlässt, fehlt noch eine Option. Veh will den Weg mit den jungen Spielern weitergehen. Die Besetzung des zentralen Mittelfeld ist zurzeit ohnehin seine größte Baustelle.

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