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Ausnahmsweise mal aus dem Tritt: Slobodan Medojevic (r.) im Duell mit Marco Reus.
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Ausnahmsweise mal aus dem Tritt: Slobodan Medojevic (r.) im Duell mit Marco Reus.

Eintracht Frankfurt

Medos Märchen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Slobodan Medojevic kommt im Pokalfinale nach langer Leidenszeit völlig unerwartet zum Einsatz. Hat er doch eine Zukunft bei der Eintracht?

Es war die größte Überraschung dieses Finales, und erfahren, dass er eine tragende Rolle in diesem Finale würde spielen müssen, hat es Slobodan Medojevic gute zwei Stunden vor den Anpfiff, um Viertel vor sechs Uhr. „Da hat der Trainer in der Besprechung gesagt, dass ich spiele“, sagte Slobodan Medojevic später, als alles vorbei war.

Damit hatte nun wirklich keiner gerechnet. Slobodan Medojevic, das muss man wissen, um die Dimension dieser Nominierung zu verstehen, hat sein letztes Spiel für Eintracht Frankfurt am 12. März 2016 absolviert, es war gleichzeitig das erste Spiel unter der Ägide von Niko Kovac, 0:3, sang- und klanglos, verlor die Eintracht damals bei Borussia Mönchengladbach. Danach kam eine schier unendliche Leidenszeit des serbischen Mittelfeldspielers: Ohnehin hatte er lange Zeit schon gewaltige Probleme mit der Achillessehne, er spielte oft unter Schmerzen, nahm Tabletten, um überhaupt trainieren zu können. Er musste sich operieren lassen, dann kam es im Winter dieses Jahres zu Problemen mit dem Knie. Medojevic schien ein Auslaufmodell zu sein bei der Eintracht, ohnehin endet sein Kontrakt im Juni dieses Jahres. Erst seit knapp drei Wochen steht er überhaupt wieder regelmäßig im Mannschaftstraining.

Und ausgerechnet ihn nominierte Kovac im wichtigsten Spiel des Jahres für die sensible Position des Sechsers.

Und Medojevic, ein intelligenter, bescheidener junger Mann, machte seine Sache wirklich gut. Als er nach 56 Minuten ausgepumpt das Feld verließ, war das für Eintracht Frankfurt eine Schwächung. Mit ihm in der Partie agierten die Hessen sicherer, sie standen stabiler. „Er hat ein tolles Spiel gemacht“, lobte Kovac hinterher. „Er hat gezeigt, was für ein Herz er hat, ein Top-Profi, ein Superspieler. Er hat so lange gespielt, wie die Kräfte hielten.“

Eigentlich hätte Slobodan Medojevic sogar noch länger durchhalten können, „zehn, 15 Minuten wären noch gegangen“, sagte er hinterher selbst, „aber nicht mehr 100 Prozent. Ich bin ein Typ, der immer 100 Prozent geben muss und nicht 99 Prozent.“ Dann komme er womöglich bei einem Tackling zu spät, schaffe den entscheidenden Sprint nicht mehr, und „ich weiß, draußen sitzen Spieler, die 100 Prozent bringen können.“ So viel Altruismus ehrt Medojevic zwar, es wäre für die Mannschaft allerdings besser gewesen, er hätte noch ein wenig länger durchgehalten. Denn als er den Platz verließ, gab es einen Bruch im Spiel der Frankfurter, die Umstellungen – Michael Hector ins defensive Mittelfeld, Taleb Tawatha als linker Verteidiger, Bastian Oczipka in die Innenverteidigung – hatten dem Frankfurter Spiel nicht gutgetan. Ein größeres Kompliment für den Rückkehrer kann es kaum geben.

Für Medojevic ist mit dem Pokaleinsatz ein Märchen wahr geworden. „Das war ein sehr schöner Moment und eine schöne Belohnung für die ganze Scheiße des letzten Jahres“, sagte der Mittelfeldspieler, der in den drei Jahren bei Eintracht Frankfurt nur 28 Mal zum Einsatz gekommen war. Die Plackerei in der Reha hat sich gelohnt, allerdings sei das „für den Kopf eine sehr schwer Zeit“ gewesen. Umso emotionaler fiel sein Resümee aus. „Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein.“ Leider sei „es keine Story mit Happy End“ gewesen. Das wäre die Krönung gewesen, mit Eintracht Frankfurt den Pokal zu holen. Entscheidend sei für ihn stets gewesen, nicht aufzugeben. „Du musst immer wieder aufstehen, musst immer wieder positiv an die Sache herangehen“, erzählte der in Novi Sad geborene Spieler, der 2014 vom VfL Wolfsburg zur Eintracht kam.

Bei aller verletzungsbedingter Unbill mag er die drei Jahre in Frankfurt wahrlich nicht missen. Er habe sich im Team stets wohlgefühlt, ja, er ist heimisch geworden. „Das sind nicht nur gute Fußballer“, sagt er, in Frankfurt bei der Eintracht habe er so „viele gute Menschen kennengelernt“. Spieler, mit denen man nicht nur über Autos, Geld und Frauen reden könne.

Wie sich seine Zukunft gestaltet, ist noch offen. Sein Dreijahresvertrag mit der Eintracht läuft im Juni dieses Jahres aus. Eigentlich war es beschlossene Sache, dass Slobodan Medojevic kein neues Vertragsangebot bekommt. Doch nach dieser Partie ist das nicht mehr sicher. Er habe auch schon darüber nachgedacht, ob „Medo“ vielleicht doch dableiben könnte, hatte Trainer Niko Kovac nach der Partie am Flatterband gesagt. Das wolle er sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen, zudem wegen der Vorgeschichte mit den Ärzten Rücksprache halten. Doch angesichts der großen personellen Not im defensiven Mittelfeld der Hessen und der Ungewissheit, wann der ebenfalls unter andauernden Achillessehnenbeschwerden leidende Omar Mascarell wieder zurückkommt, ist nicht ausgeschlossen, dass es womöglich doch noch zu einem Happy End für Slobodan Medojevic kommt. Seinem ganz persönlichen.

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