1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Martin Hinteregger nicht mehr unangefochten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Randfigur: Martin Hinteregger als Ersatzspieler.
Randfigur: Martin Hinteregger als Ersatzspieler. © imago images/Jan Huebner

Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger muss um seinen Stammplatz kämpfen – das wird der eigenwillige Profi auch tun, währenddessen er Gerüchte einfach wegwitzelt.

Frankfurt am Main - An alter Wirkungsstätte in Augsburg durfte Martin Hinteregger am Sonntag (16.01.2022) immerhin noch 14 Minütchen mitmachen. Nicht viel, aber besser als nix. Und Hinteregger warf seinen als Kleiderschrank getarnten Körper sofort voll rein, er grätschte, köpfte, bolzte die Kugel im hohen Bogen vor. Geradlinig und einfach, Hinti spielte wie Hinti in diesen finalen Sequenzen des Bundesligaspiels seiner Frankfurter Eintracht beim FCA (1:1).

Dabei war er ja bei Eintracht Frankfurt vordringlich nicht eingewechselt worden, um großartige Impulse zu setzen. Klar, er sollte hinten seinen Job erledigen, das Remis absichern, doch der eigentliche Gedanke seines Chefs, des Trainers Oliver Glasner, lautete viel eher: den linken Flügel beleben. Dafür beorderte er Timothy Chandler vom Platz und Evan Ndicka, vorher Linksverteidiger, eine Position nach vorne ins Mittelfeld. Die Idee verfing sich dann nicht mit dem Defensivmann in der Offensive. Doch ein Versuch war’s wert.

Zurück zu Martin Hinteregger: Der saß in Augsburg wettbewerbsübergreifend bereits zum fünften Mal in dieser Runde auf der Ersatzbank. Etwas, das es unter Glasner-Vorgänger Adi Hütter im Grunde nicht gab. Dick eingemummelt unter einer Decke verfolgte Hinteregger das Treiben der Kollegen, er feuerte sie an mit Zwischenrufen, doch mehr Einfluss aufs Geschehen lässt sich aus dieser Position heraus kaum haben.

Martin Hinteregger: Verletzung wirft ihn zurück

Stand Hinteregger im ersten Saisondrittel dauerhaft auf dem Rasen, ist er mittlerweile keine gänzlich unangefochtene Stammkraft bei der Eintracht, was nicht bedeuten soll, dass er nicht mehr wichtig wäre fürs Team. Doch links hinten in der Dreierabwehr hat ihm Evan Ndicka den Rang abgelaufen – zu Recht. Der ohnehin schon immer talentierte Franzose spielt eine starke Saison, hat sein Niveau gesteigert und verteidigt längst derart gut, dass er im Sommer auf dem Einkaufszettel manch Konkurrenten stehen dürfte.

Ndicka absolvierte bisher 2010 Pflichtspielminuten, nur Torwart Kevin Trapp (2250), Mittelfeldspieler Djibril Sow (2156) und Stürmer Rafael Borré (2024) kommen auf mehr. Hinteregger dagegen stand - auch aufgrund einer Schulterblessur, die ihn zwei Spiele komplett aussetzen sowie zwei weitere auf der Bank verbringen ließ - 1359 Minuten auf dem Rasen. Ähnliche Werte wie bei den Abwehrfreunden Tuta (1347), der sich rechts hinten festgespielt hat, und Makoto Hasebe (1213). Der gestern 38 Jahre alt gewordene Mittelmann der Dreierreihe ist dem Aufbauspiel der Hessen äußerst zuträglich.

Die Stärken von Hinteregger dagegen liegen im Duell Eins-gegen-Eins, gesehen zuletzt gegen Erling Haaland. Mit dem Dortmunder lieferte sich der 29-Jährige zum Jahresauftakt einen packenden Fight samt Trashtalk und Schubserein. Lange Zeit behielt der Eintracht-Mann die Oberhand, bis er doch patzte bei der Ballannahme und damit das BVB-Anschlusstor einleitete. Ein vermeidbarer Fehler, der durchaus passieren kann, aber eben nicht passieren sollte.

Martin Hinteregger: Schlechtere Zweikampfquote als in Vorsaison

Überhaupt hat sich die Zweikampfquote des Österreichers im Vergleich zur Vorsaison – auf einem weiterhin ordentlichen Niveau – verschlechtert. Gewann Hinteregger 2020/21 herausragende 64 Prozent seiner Duelle, sind es jetzt rund 59 Prozent. Ndicka kommt auf 60 Prozent. Kleine Unterschiede, die große Wirkung haben können.

Martin Hinteregger ist ein Unikum im Profifußball, der die Fans mitnimmt mit seiner bodenständigen Art, der Bücher veröffentlicht, in denen er Geschichten mitten aus seinem Leben erzählt, über private Sorgen, fußballerische Träume, über Partys und Alkohol. Die (meisten) Fans lieben das, sie erkennen ein Stück von sich auch in ihnen, das macht sympathisch, schafft Nähe. Auf Spekulationen, wonach es Hinteregger in diesem Winter zu Ex-Trainer Hütter nach Gladbach ziehen könnte, antwortet der heimatverbundene Kärntener dann auch mal höchstselbst via Instagram: „Hahaha, das is‘ ja mal ein schlechter Insider.“ Gerücht weggewitzelt.

Hinteregger besitzt bei der Eintracht einen Vertrag bis 2024, und er habe noch viel vor mit den Hessen, vor allem im Europapokal, ließ er jüngst verlauten. Am Freitagabend im Frankfurter Heimspiel gegen Arminia Bielefeld wird’s für ihn aber erst mal darum gehen, wieder in der Startelf zu stehen. In diesen Tagen keine glasklare Sache mehr. (Daniel Schmitt)

Auch interessant

Kommentare