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Zaungast: Wilhelm Bender schaut sich das Training an.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager

Die Marke Eintracht wird poliert

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Aufsichtsratschef Wilhelm Bender sieht die Frankfurter Eintracht gut aufgestellt. Im Trainingslager in Österreich verdichten sich die Gerüchte um Nicklas Bendtner.

Aufsichtsratschef Wilhelm Bender sieht die Frankfurter Eintracht gut aufgestellt. Im Trainingslager in Österreich verdichten sich die Gerüchte um Nicklas Bendtner.

Natürlich hatte auch der Aufsichtsratschef Wilhelm Bender nicht den neuen Stürmer dabei, als er am Sonntag aus dem Flieger in Linz gestiegen war. Er hatte, halb privat, Eintracht Frankfurt im Trainingsquartier in Feldkirchen im Schloss Mühldorf einen Besuch abstatten wollen, um sich ganz persönlich über den Stand der Vorbereitung und der Stimmung in der Mannschaft zu informieren. Die sei, nach dem ersten Eindruck des 68 Jahre alten ehemaligen Flughafen-Chefs, prima. „Ich glaube“, sagte Bender und schob die Sonnenbrille ins graue Haar, „dass wir gut in die Saison starten.“ Er sei allerdings nur „Beobachter, kein Gestalter“.
Und das mit dem Angreifer werde die Eintracht, werde der Sportdirektor Bruno Hübner, auch noch hinkriegen, da sei er sicher. „Die Pokerei wird nicht erfolglos sein. Es ist ja bekannt, dass die Preise dann sinken, wenn die Tage wegblättern.“ Bender ist guter Dinge, den gewünschten Angreifer zeitnah zu verpflichten, wenn nicht den einen, dann eben einen anderen. „Es kann nicht sein, dass wir keinen Plan B haben.“

Die Maulwurfsuche

Nicklas Bendtner, der am Wochenende angeblich in Frankfurt gesehen wurde, Vaclav Kadlec, um den schon seit Wochen gebuhlt wird, und Joselu, dessen Besitzverhältnisse eine gewissen Komplexität besäßen, sind Kandidaten. „Ich bin ganz entspannt“, sagte Trainer Armin Veh. Bei Bendter verdichteten sich die Gerüchte gestern Abend. Im Gespräch ist eine Ablöse von 4,3 Millionen Euro, er soll in den nächsten Tagen unterschreiben.
Dafür kam am Nachmittag Stopper Vadim Demidov, zuletzt bei Celta Vigo am Ball, ins Trainingscamp. Aber mit ihm plant Veh ja nicht mehr. Olivier Occean, im vergangenen Sommer noch für 1,3 Millionen Euro geholt, ist derweil für ein Jahr (plus Kaufoption) an den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen worden. Ihm weint kaum jemand eine Träne nach, die Erwartungen hatte er nie erfüllen können.
Allerdings empfindet es der Aufsichtsratschef als „schädlich für die Eintracht“, wenn Interna kurz vor einer geplanten Verpflichtung vorab in die Öffentlichkeit getragen werden, wie zuletzt, noch dazu, wenn es ganz offensichtlich einen „Maulwurf“ innerhalb des Klubs gebe. „Das muss abgestellt werden“, schrieb er den Betroffenen ins Stammbuch, „interne Dinge dürfen nicht nach außen dringen“.

In der leidigen Frage der Stadionmiete will Bender weiter am Ball bleiben. Die Eintracht zahlt so viel Miete wie kein anderer Bundesligaklub, etwa neun Millionen Euro im Jahr. Der Vertrag läuft noch bis ins Jahr 2020. „Es geht hier nicht um Profifußball gegen Kindergärten, sondern um Wettbewerbsverzerrung.“ Er stehe zwar im Dialog mit der Stadt und dem Stadionbetreiber, aber „was bei diesen Gesprächen herausgekommen ist, ist nicht ausreichend.“ Ein Mehr an Einnahmen sei lediglich durch den Verlauf von Logen (etwa 25 sind noch zu haben) und dem Erreichen der Gruppenphase in der Europa League zu schaffen. „Da sollte noch was extra in den Topf kommen“, sagte Bender.
Grundsätzlich jedoch beurteilt Bender die aktuelle Situation durchweg positiv. „Es ist ein großer Erfolg, dass wir wie selbstverständlich in die erste Liga gehören. Wir müssen nicht über den Klassenerhalt nachdenken.“ Die Reputation, die der Klub derzeit genießt, sei ein Pfund, mit dem man wuchern müsse. Die Eintracht habe sich in den letzten Jahren zu einer Marke entwickelt, das Ansehen sei bundesweit erheblich gewachsen. Das zeige sich allein daran, welche Persönlichkeiten allesamt in Beirat oder Aufsichtsrat mitarbeiten würden, „das ist erste Sahne Frankfurter Gesellschaft“. Vorstandschef Heribert Bruchhagen gebühre dabei entscheidende Verdienste. Bender verteidigte ausdrücklich die Geschäftspolitik Bruchhagens, keinerlei Schulden anzuhäufen und stattdessen Eigenkapital aufzubauen. „Ansonsten säßen wir nicht hier.“ Wenn die Eintracht mit dem Eigenkapital, das jetzt aktuell verfügbar sei, in die zweite Liga gegangen wäre, „wäre das der Untergang gewesen.“ Aktuell besitzt die Eintracht ein Eigenkapital in Höhe von 4,5 Millionen Euro, elf Millionen Euro kostete die zweite Liga.
Bender bestätigte zudem, dass innerhalb des Aufsichtsrates Einigung darüber bestehe, den Kontrakt mit Bruchhagen bis 2016 zu verlängern. „Das war eine einvernehmliche Geschichte.“ Einen Mann mit der Erfahrung von Bruchhagen „ist ein Glücksfall für Eintracht Frankfurt.“

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