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Mario Götze wird zum Schnäppchen für die Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt sichert sich die Dienste des einstigen Wunderkinds zu vernünftigen Konditionen und baut darauf, dass er das Spiel mit seiner Klasse auf ein anderes Level hebt.

Frankfurt – Es kam wie erwartet: Zum Trainingsauftakt des niederländischen Topklubs PSV Eindhoven am Montag erschien Mario Götze schon gar nicht mehr. Der 30 Jahre alte Starspieler hat seine Zelte in der Stadt des Lichts nach zwei durchaus erfolgreichen Jahren abgebrochen. Und er wird sie, wenn nichts Unvorhersehbares mehr geschieht, wonach es nicht aussieht, im Herzen von Europa wieder aufschlagen. Sehr bald.

Eintracht Frankfurt steht unmittelbar vor einer Verpflichtung des einstigen Nationalspielers, die Modalitäten sind ausgehandelt, der Rahmen abgesteckt, die Verträge unterschriftsreif. Mit dem Vollzug wird zeitnah gerechnet. Nun müssen noch die üblichen Vorgänge in Gang gesetzt werden: Nach dem Vorstand muss auch der Aufsichtsrat dem Deal zustimmen, wobei das Gremium nicht, wie von einem Medium berichtet, zu einer Sitzung in Präsenz zusammenkommen wird. Einige Räte sind ohnehin im Urlaub. Stellvertretend für das gesamte Kontrollorgan wird der Hauptausschuss die Entscheidung treffen. Die schnelle Eingreiftruppe besteht aus Aufsichtsratschef Philip Holzer, Vereinspräsident Peter Fischer und Stephen Orenstein. Die Zustimmung gilt als Formsache.

Mario Götze: WM-Held von Rio wird für Eintracht Frankfurt zum Schnäppchen

Die Rückkehr des einstigen Wunderkindes wäre der bisher spektakulärste Wechsel der Bundesliga – neben dem Transfer von Liverpools Sadio Mané zu den Bayern. Der ist 35 Millionen Euro schwer. Götze nur ein Bruchteil. Der WM-Held von Rio wird für die Eintracht zum Schnäppchen – zumindest, wenn man den Preis in Relation zu seiner Vita und seinem Namen sieht. Denn die Ablösesumme beläuft sich nicht, wie kolportiert, auf vier Millionen Euro, sondern auf drei Millionen. Das sind Peanuts für einen Spieler mit dieser Geschichte.

Mario Götze
Mario Götze in Aktion. © Pro Shots / Imago Images

Und: Götze wird zwar auch in Frankfurt gutes Geld verdienen, aber sein Sockelgehalt soll bei „nur“ rund drei Millionen Euro liegen. Das lässt sich für den Spieler aber durch Bonuszahlungen noch aufpeppen, der Vertrag ist leistungsbezogen, kann durch Extraprämien werthaltiger werden. Spielt er oft, spielt er gut, hat die Mannschaft Erfolg, so wird sich das für Mario Götze auszahlen. Wenn nicht, dann nicht.

Insgesamt aber ist der frühere Dortmunder der Eintracht weit entgegengekommen. Schon in Eindhoven hatte der technisch hochveranlagte Spieler nicht mehr so üppig wie früher verdient. In München strich er einst zwölf Millionen Euro pro Jahr ein, in Dortmund waren es zehn Millionen. Da kann man im gesetzten Alter mal Abstriche machen.

Mario Götze: Kein Schnellschuss

Die Frankfurter Verantwortlichen haben sich das mit Götze reiflich überlegt, das ist kein Schnellschuss oder eine Marketingkampagne. Sie sind vollends überzeugt. In den Verhandlungen hatten sie nie das Gefühl, der Spieler sei satt oder des Fußballs überdrüssig. Im Gegenteil: Götze machte den Eindruck, richtig Lust auf das Projekt Eintracht zu haben, er soll Feuer und Flamme gewesen sein. Er war gut informiert, kannte sich aus, natürlich auch durch den Siegeszug durch Europa. Und klar ist auch: Ohne den Titel, die gestiegene Reputation und vor allem die Champions League wäre es mit einer Verpflichtung eher schwierig bis aussichtslos geworden. Denn ambitioniert ist Götze noch immer, will sich mit den Besten messen.

Macht Schluss in Eindhoven: Mario Götze.
Macht Schluss in Eindhoven: Mario Götze © imago

Der Allgäuer vermittelte einen aufgeräumten und ernsthaften Eindruck, reflektiert, mit einem guten, vertrauensvollen Umfeld, er wirkte fest entschlossen, noch mal durchstarten, es wissen und in sich in der Bundesliga beweisen zu wollen. Die zwei Jahren in Holland haben ihn reifen lassen, er hat einen anderen Blick auf das Geschäft bekommen und auch keine Angst davor, dass er in Deutschland nun wieder total im Fokus stehen und sich zumindest in der Anfangsphase viel, wenn nicht alles um ihn drehen wird. Er weiß, was auf ihn zukommt.

Eintracht Frankfurt: Krösche benötigt auch Erfahrung

Die Sportliche Leitung hat sich intensiv mit dem polarisierenden Akteur auseinandergesetzt, ihn quasi durchleuchtet – und sie hat wenig gefunden, was gegen ein Engagement gesprochen hätte. Auch Trainer Oliver Glasner ist begeistert, durch die Spielintelligenz, die Antizipation, die Technik und sein räumliches Denken soll Götze das Frankfurter Offensivspieler auf ein anderes Level hieven. Und es vor allem unberechenbarer machen.

Für Sportvorstand Markus Krösche war ohnehin klar, dass es nicht nur mit jungen Talenten funktionieren werde. Deshalb forstete er nach einem Offensiven mit Kreativität, Klasse und Erfahrung, der fußballerisch den Unterschied machen, aber den Jungen auch durch die eigene Geschichte helfen soll. Götze kennt alle Höhen und alle Tiefen.

Die Eintracht hat schon einmal einen umstrittenen Profi aus der Versenkung geholt: Bei Prince Boateng hat es damals funktioniert. Der war ein anderer Charakter, der Typ Leitwolf, das ist Götze nicht. Er wird es anders Regeln müssen, leiser, zurückgenommener, eher mit der feinen Klinge. Die kann er führen. (Ingo Durstewitz)

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