1. Startseite
  2. Eintracht

Marcus Edwards: Ein Wirbelwind mit Vorliebe für die Eintracht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Marcus Edwards von Sporting Lissabon
Wirbelwind: Sporting-Stürmer Marcus Edwards (r.). © Manjit Narotra / Imago Images

Der Stürmer von Sporting Lissabon schießt gerne Tore gegen Eintracht Frankfurt. Jetzt hat er Tottenham Hotspur verlassen, um seine Karriere voranzutreiben.

Lissabon – Natürlich hat er gejubelt. Und wie, den Mund aufgerissen, seine Freude herausgeschrien, es war ja auch ein schönes Tor: Langer Anlauf, ein paar flinke Finten, ein Schuss mit links in die ferne Ecke, Hugo Lloris, Torwart in Diensten von Tottenham Hotspur, hatte keine Chance. So Tore schießt er gerne, dieser Marcus Edwards, und noch ein bisschen lieber gegen die Spurs. Dort wollten sie ihn nicht mehr.

Es gibt natürlich eine kleine Vorgeschichte. Marcus Edwards, seit Januar Wirbelwind im wuseligen Angriff und für schlappe 7,5 Millionen geholt von Sporting Lissabon, Gegner von Eintracht Frankfurt in der Champions League, spielte früher selbst bei Tottenham. Eigentlich sein ganzes Leben lang. Im Londoner Camden Town geboren, kam er als Achtjähriger an die Jugendakademie der Spurs, elf Jahre blieb er dort, wurde bestens ausgebildet und galt, an der Schwelle zum Erwachsenenalter, als, wie englische Medien nur leicht übertrieben, „golden boy“ der Akademie.

Marcus Edwards: In Tottenham gestartet, dann nach Lissabon gewechselt

Der junge Mann wurde gehypt, galt bald als bester Nachwuchsspieler seit Harry Kane. Und als dann noch Trainer Mauricio Pochettino sagte, Edwards erinnere ihn an die Anfänge des jungen Lionel Messi, war es ganz vorbei: Der Rummel um seine Person wurde gigantisch, der „Messi with an afro“ verkraftete den Druck und das Lob nicht, schien an den Erwartungen zu zerbrechen. Das grelle Scheinwerferlicht war nichts für den eher scheuen Jungen.

Dabei hatte er den Sprung zu den Profis noch gar nicht geschafft, er spielte in der U23 von Tottenham, einmal, mit knapp 18, durfte er 75 Minuten in der Premier League ran. Das alles war für ihn, dessen Mutter aus dem griechischen Teil Zyperns stammt, zu viel. Er selbst sagte dieser Tag dem „Standard“, er sei damals mit 17, 18 „noch ein Baby gewesen, ein Kind“, unreif.

Marcus Edwards: Große Karriere nach Wechsel von Tottenham nach Lissabon

Was folgte, waren ein paar höchst unbefriedigende Ausleihen für den U20-Auswahlspieler der Lions, bei Norwich City kam er ein einziges Mal zum Einsatz. Sein damaliger Trainer Daniel Farke, heute Coach bei Borussia Mönchengladbach, brach schnell den Stab. Er müsse, sagte er öffentlich, erst einmal erwachsen werden. „Wir zeigen ihm den Weg, aber gehen muss er selbst. Wir werden ihn nicht tragen.“

Mit dem Ball sei er brillant, ohne kaum zu sehen. Dann schob man Edwards nach Holland ab, bei Excelsior Rotterdam, ein paar Spiele machte er, ohne Spuren zu hinterlassen. 2019 dann wechselte er ablösefrei in die Provinz zu Vitoria Guimarães. Dort in Portugal, sagt er selbst, „hat es klick gemacht“, da fand er sich zurecht, spielte regelmäßig und gut. Im Nachhinein, sagt er, sei es gut gewesen, England und seine dortige Komfortzone aufzugeben. Tottenham zu verlassen, war das beste, um seine Karriere wieder in Schwung zu bringen.

Marcus Edwards hat etwas von Messi: „Er ist eine geniale Neun“

In Guimarães blühte er auf, er schoss Tore, etwa im Europa League-Rückspiel im Dezember 2019 bei Eintracht Frankfurt. Da erzielte er das Siegtor zum 3:2, auch im Hinspiel (1:0 für die Frankfurter) war er dabei. Er war es auch, der im ersten Gruppenspiel beim 0:3 der Hessen die Führung nach einer Stunde erzielte, das 0:2 auflegte und dank seiner Schnelligkeit und Wendigkeit von der Eintracht-Abwehr nie unter Kontrolle gebracht werden konnte.

In der Tat hat seine Spielanlage etwas von Messi. Marcus Edwards hat mit 1,68 Meter Größe einen tiefen Schwerpunkt, er dribbelt behände, führt den Ball extrem eng am Fuß und ist deshalb kaum von der Kugel zu trennen, kann ein enormes Tempo gehen und spielt als Linksfuß auf der rechten Seite. Er bildet mit Pedro Goncalves und Francisco Trincão ein enorm torgefährliches Trio, das vom Japaner Hidemasa Morita in Szene gesetzt wird. Einen prächtigen Schuss hat er zudem. Zehn Scorerpunkte in 16 Pflichtspielen stehen zu Buche, seine Ausstiegsklausel beträgt 50 Millionen Euro.

Die portugiesische Sportzeitung A Bola hat unlängst über Edward dies geschrieben: Er sei keine falsche Neun, „er ist eine geniale Neun.“ (Thomas Kilchenstein)

Auch interessant

Kommentare