+
Ein Tor reicht nicht: Marco Reus im Spiel gegen Eintracht Frankfurt.

Marco Reus

Tragischer Held

Marco Reus wird gegen Eintracht Frankfurt zu Dortmunds tragischem Helden.

Sieben Punkte, rechnete der Dortmunder Torwart Roman Bürki locker vor, seien natürlich mehr als vorher, „aber es ist immer noch nicht viel“. Er hätte den Abstand zu den in Leverkusen patzenden Bayern sogar gerne auf neun Zähler ausgebaut. „Im Moment ist die Enttäuschung da, weil wir vor allem in der ersten Halbzeit die Chancen hatten, das Spiel in unsere Richtung zu lenken“, sagte er. Marco Reus ließ jedoch zwei Hochkaräter liegen, Eintracht Frankfurt glich durch Luka Jovic aus.

So war der Torschütze, der zum 46. Mal in seiner Bundesliga-Karriere das wichtige 1:0 erzielt hat, zugleich der Pechvogel des Nachmittags. Unmittelbar nach seinem Führungstreffer (22.) vergab Kapitän Reus zwei dicke Möglichkeiten, einmal schoss er freistehend vorbei, anschließend setzte er den Ball auf die Oberkante der Latte. Das war eine riesige Chance, aus elf Metern zentral, normalerweise versenkt er die Kugel nachts um halb drei barfuß und in Schlafanzughose. Dieses Mal nicht. „Er hat sich schon in der Halbzeit geärgert über sich“, sagte Bürki, war sich aber sicher: „Marco ist stark im Kopf.“

Eintracht gegen BVB: Lesen Sie hier den Spielbericht

Bürki suchte die Schuld allerdings nicht bei Reus. „Keiner macht ihm da einen Vorwurf. Er hat uns viel gebracht und auch sein Tor war wichtig“, so der Keeper. Nationalspieler Reus hatte eine klasse erste Hälfte gespielt, war immer anspielbar, hatte prima Ideen. Doch irgendwie war er auch der tragische Held, weil er eben diese beiden Fahrkarten schoss und in der zweiten Hälfte abtauchte. „Manchmal gehen die Dinger rein und manchmal eben nicht. Nächstes Mal klappt es wieder“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Doch Reus ließ auch gegen Hannover schon dicke Chancen liegen. Nagt das nicht irgendwann am Selbstvertrauen? Zorc schmunzelte. „Der Kerl kann schon damit umgehen“, sagte er und betonte: „Die Eintracht ist eine gute Mannschaft und spielt nicht umsonst oben mit.“ Das sah auch Julian Weigl so: „Unterm Strich geht das Unentschieden in Ordnung.“

„Wollten Punkt retten“

Schlussmann Bürki ist nicht verborgen geblieben, dass die Eintracht im zweiten Durchgang am Drücker war und auch am Ende weiter nach vorne spielte. „Vielleicht war es deshalb die richtige Entscheidung, den Punkt zu retten“, sagte Bürki: „Wir haben uns gedacht, dass wir uns das nicht mehr nehmen lassen und über die Zeit bringen wollen.“

14 Spieltage stehen noch aus, Mönchengladbach und die Bayern sind sieben Zähler zurück. Zu wenig für eine Vorentscheidung. Aber doch ein gutes Polster. Und wenn sie es ein bisschen sacken lassen in Dortmund, werden sie diesen einen Punkt und das Anwachsen des Vorsprungs von sechs auf sieben Zähler plus das bessere Torverhältnis als Erfolg verbuchen.

Eine Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft ist dieser Puffer aber nicht. „Wenn ich jetzt sage, dass wir Favorit sind, haben wir auch keinen Punkt mehr auf dem Konto. Wir wissen, was wir tun. Egal, ob wir nun sieben Punkte vorne sind oder es neun Punkte wären – es ist Anfang Februar und noch keine Entscheidung“, sagte Manager Zorc.

Julian Weigl will alles um sich herum ausblenden. „Wir schauen nur auf uns. Das hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind – und da wollen wir bleiben.“ Alles andere wäre nun auch etwas verwunderlich. Kapitän Reus vermied es, wie alle anderen auch, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber glücklicherweise tat er nicht so, als müsse er eine Strafe bezahlen, wenn er das Wort Meisterschaft in den Mund nimmt. „Wir tun jetzt auch nicht so, als würden wir es nicht wollen.“ Na also.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare