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Marco Neppe: Der Ex-Frankfurter in Bayerns Glitzerwelt

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Von: Daniel Schmitt

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Immer noch ballsicher: Marco Neppe, Münchner Kaderplaner. Foto: imago images
Immer noch ballsicher: Marco Neppe, Münchner Kaderplaner. © imago images/Philippe Ruiz

Marco Neppe, Sohn von Ex-Eintracht-Boss Jürgen, zieht beim FC Bayern München im Hintergrund die Fäden. An seiner Seite: Pirmin Schwegler.

Als der Herr Papa, Jürgen Neppe, im Sommer 2003 nach acht Monaten an der Spitze von Eintracht Frankfurt den Rückzug antrat, als er nach einem Machtkampf den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender des hessischen Erstligarückkehrers abgab, träumte der Sohnemann noch von der großen Kickerkarriere. Marco Neppe, damals gerade 17, geboren in Offenbach, aufgewachsen in Klein-Krotzenburg, liebte den Fußball, schon immer, das hatte er von seinem Vater.

Der Filius zockte bei der Eintracht in der Jugend, später in der Reserve. Unter Trainer Friedhelm Funkel durfte der Mittelfeldspieler bei den Profis mitmischen, im Training, nicht im Spiel. Zu mehr reichte es bei den Frankfurtern nicht. Im Laufe der Jahre absolvierte Neppe Junior 79 Drittligapartien, spielte in Osnabrück, Wuppertal, Wiesbaden und Aachen, immerhin. Nach der aktiven Karriere aber hat er längst einen spannenderen Weg eingeschlagen.

Marco Neppe, mittlerweile 35, arbeitet beim FC Bayern München. Der studierte Wirtschaftspsychologe ist beim Weltklub die rechte Hand von Hasan Salihamidžic, dem Sportvorstand. Nachdem Neppe 2014 als Scout zu den Münchnern gewechselt war, sich an der Seite seines Förderers Michael Reschke entwickeln durfte, sich als Greenhorn das Vertrauen von Startrainer Pep Guardiola erfachsimpelte, stieg er 2017 zum Kaderplaner und Chefscout des FC Bayern auf. Vergangenes Jahr schließlich folgte der nächste, fast logische Karriereschritt, er ist jetzt Technischer Direktor.

Ex-Eintracht-Profi Pirmin Schwegler nun Chefscout

Bedeutet: Die Reden in der Öffentlichkeit schwingen weiterhin andere, die Hoeneß’, Rummenigges, Kahns, Salihamidžics. Im Hintergrund aber zieht Neppe an nicht gerade wenigen Fäden. Er ist ein Schattenmann, der fast unbehelligt – auch von den Medien - durch die Münchner Glitzerwelt schreitet. Interviews gibt er im Grunde keine. Wenn Neppe nach Spielen regelmäßig die Kabine aufsucht, richtet sich die Aufmerksamkeit der Presse auf andere Protagonisten. Bei Eintracht Frankfurt, dem Bayern-Gegner an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky), werkelt Ben Manga in einer ähnlichen Rolle.

Neppe also leistet in München die wichtige Vorarbeit, knüpft die Kontakte zu Wunschspielern und deren Beratern. Salihamidžic kommt oft erst später dazu. Alphonso Davies etwa lotste Neppe einst aus Kanada nach München, später fädelte er die Verpflichtung des Chelsea-Talents Jamal Musiala ein. Auch an den Transfers von Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Niklas Süle oder Leon Goretzka war er beteiligt. Die Scoutingabteilung, sein einstiges Baby, hat er längst mit Leuten seiner Wahl besetzt, unter anderem dem Ex-Frankfurter Pirmin Schwegler als Chef der Talentespäher. Allemal ein erstaunlicher Werdegang eines eher mittelmäßig talentierten Fußballers wie Neppe.

Marco Neppe: Von Boldt und Reschke gefördert

Doch wie war dieser Karrieresprung überhaupt möglich? Nun: Marco Neppe war verletzt. Eine Schambeinentzündung zwang ihn in die Reha, dort lernte er Jonas Boldt kennen, heute Hamburger Sportvorstand, damals Leverkusener Chefscout. Die beiden mochten sich, schätzten sich. Also arbeitet Neppe für Boldt, analysierte Spiele für Bayer auf 450-Euro-Basis. Dass der Vater Jürgen, in schwierigen Frankfurter Zeiten eine wichtige finanzielle Stütze, auch noch Rudi Völler zu seinen engen Freunden zählt, schadete sicher ebenso wenig.

Er sei noch rund zwei Jahre zweigleisig gefahren, als Spieler in Aachen und Scout in Leverkusen, erzählte Neppe. Dann beendete er mit 28 Jahren seine aktive Laufbahn. Neppe gilt als fleißig, zielstrebig, smart, vor allem kompetent- nicht nur Boldt sah das so, auch Reschke, der damalige Leverkusener Sportchef, der Neppe schließlich von Bayer zu den Bayern lotste. Reschke würde es daher auch nicht wundern, sollte Marco Neppe künftig mal als Sportdirektor eines Bundesligisten auftauchen. Muss ja nicht unbedingt bei den Bayern sein.

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