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Marc Stendera will jetzt in Hannover neu starten.

Marc Stendera

Marc Stendera flüchtet aus der Komfortzone

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Marc Stendera will in Hannover durchstarten und blickt mit gemischten Gefühlen zurück.

Das Kapitel Eintracht Frankfurt hat Marc Stendera geschlossen, viele Worte möchte er nicht mehr verlieren über seinen Heimatverein, der ihm das Leben zuletzt nicht leicht gemacht hat. „Die vergangenen zwei Jahre sind einfach nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt der Spieler in einem vereinseigenen Interview mit seinem neuen Arbeitgeber Hannover 96. „Deshalb bin ich froh, dass ich das Thema jetzt abhaken und nach vorn schauen kann. Ich möchte hier etwas Neues beginnen und wieder mehr Spaß am Fußballspielen haben.“ Vor allem: überhaupt wieder Fußball spielen dürfen.

Das durfte der 23-Jährige in Frankfurt kaum noch, zumindest nicht im Wettkampf. Die vergangenen drei Jahren waren für den Mittelfeldspieler frustrierend ohne Ende. Da kam er auf insgesamt 16 Bundesligaspiele, meistens nur über eine kurze Distanz. In der zurückliegenden Saison wurde er siebenmal eingewechselt, in der Europa League durfte er viermal mittun, einmal, in Limassol, stand er immerhin in der Startformation – und flog prompt vom Platz. Sein Arbeitsnachweis in toto: 205 Spielminuten. Dürftig.

Eintracht-Trainer Hütter steht auf andere Spielertypen

Bei Eintracht-Trainer Adi Hütter war das ewige Talent zwar nicht in Ungnade gefallen, der Coach sprach ihm nie den Willen und die Bereitschaft ab, doch der Österreicher steht generell auf andere Spielertypen, dynamischere, schnellere. Das fehlende Tempo war schon immer das größte Manko des Kasselaners. „Das Sprinten ist nicht meine Stärke“, sagte er mal der FR. „Aber der liebe Gott hat mir dafür andere Fähigkeiten gegeben.“ Die waren in Frankfurt nicht mehr gefragt.

Dennoch ging Stendera schweren Herzens, Eintracht Frankfurt ist sein Verein, für den er schon seit dem 14. Lebensjahr die Schuhe schnürte, er war der erste Spieler, der ins Internat am Riederwald einzog. „Das war ein schwieriger Schritt. Aber zum Glück ging alles so schnell, dass ich gar keine Zeit hatte, darüber nachzudenken“, befand er nun. „Ich hänge sehr an Frankfurt, habe dort sehr viele Jahre verbracht. Es wurde aber einfach Zeit, auch mal aus meiner Komfortzone herauszukommen.“ So ähnlich sieht es auch Bruno Hübner. „Ein Tapetenwechsel wird seiner Entwicklung gut tun“, sagte der Sportdirektor, als der Vertrag des technisch beschlagenen Akteurs vor einer Woche aufgelöst wurde.

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Ein Schachzug, der Stendera noch mal eine Menge Geld aufs Konto gespült hat. Eintracht Frankfurt hat dem gutverdienenden Profi die Trennung mit einer einmaligen Abfindungszahlung schmackhaft gemacht – keine 24 Stunden später unterschrieb der 78-fache Bundesligaspieler (fünf Tore, neun Vorlagen) einen bis Saisonende datierten Kontrakt beim Zweitligisten aus Hannover.

Stendera war einer der jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten. Am 6. April 2013 debütierte er mit 17 Jahren, drei Monaten und 27 Tagen, da schien eine große Karriere zu beginnen. Die ist aber, auch durch zwei Kreuzbandrisse, ins Schlingern geraten – und soll nun an der Leine wieder beschleunigt werden. 

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