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Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal: Mannheim als Mahnung

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Von: Ingo Durstewitz

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Stolperstein: Die Eintracht, hier Kapitän Sebastian Rode, geht 2021 in Mannheim baden - und dieses Jahr?
Stolperstein: Die Eintracht, hier Kapitän Sebastian Rode, ging 2021 in Mannheim baden – und dieses Jahr? © Jan Huebner/Imago

Eintracht Frankfurt sieht sich gerüstet fürs Pokalspiel in Magdeburg, dem Glasner alles unterordnet: Er will nicht in der ersten Runde scheitern.

Frankfurt – Oliver Glasner ist ein authentischer Typ, überlegt, besonnen, aber trotzdem mit Feuer im Herzen, vor allem aber ist der Trainer von Eintracht Frankfurt analytisch und reflektiert. Und so hat er in diesen Tagen, da das erste Pflichtspiel näher rückt, in diesem Fall im Pokal am Montag (20.45 Uhr/ARD) beim 1. FC Magdeburg, noch einmal zurückgeblickt auf die Gegebenheiten von vor einem Jahr, als die Frankfurter die erste Runde nicht überstanden haben. Der Drittligist Waldhof Mannheim stellte schon früh das Stoppschild auf, Endstation im ersten Pflichtspiel der Saison.

Damals, sagt der selbstkritische Oliver Glasner heute mit dem gebotenen Abstand, habe er „einen Fehler“ gemacht, nämlich die falschen Prioritäten gesetzt. So hatte er beispielsweise schon vor der Partie festgelegt, dass Kapitän Sebastian Rode nur eine Halbzeit spielen solle. „Wir haben das so ein bisschen wie ein Testspiel behandelt.“ Daraus habe er seine Lehren gezogen, deshalb wird er am Montag seine beste Mannschaft ins Rennen schicken und nicht schon das erste Bundesligaspiel gegen den Titelträger aus München im Hinterkopf haben. „Wir werden keinen schonen, damit er gegen Bayern spielen kann“, sagt der Fußballlehrer und fügt recht entschlossen an: „Es reicht, einmal in der ersten Runde des Pokals auszuscheiden.“

Eintracht Frankurt: Glasner sieht SGE gut aufgestellt

In Magdeburg erwartet seine Elf ein heißer Tanz, ein Hexenkessel mit 30.000 frenetischen Fans. Doch das ficht ihn nicht im geringsten an, seine Elf habe gerade in der Europa League gezeigt, dass sie allen Aufgaben gewachsen ist. „Bei West Ham waren 57.000 Fans im Stadion und es herrschte eine aufgeheizte Stimmung – und wir haben trotzdem gewonnen“, sagt Glasner und sieht seine Elf gut gerüstet: „Wir sind bereit, wir gehen mit großer Motivation in die neue Saison.“

Für den Zweitligaaufsteiger ist die Begegnung schon früh in der Saison das Spiel des Jahres, die Aussicht, den Europapokalsieger in die Knie zu zwingen, ist ein immens großer Ansporn. „Natürlich werden sie extra motiviert sein“, befindet Glasner. „Aber für uns ist das eine Auszeichnung, dass wir etwas Außergewöhnliches geschafft haben.“

Das Gefühl, dass seine Spieler die Nase wegen des gigantischen Triumphs und der deutlich gestiegenen Popularität ein bisschen zu hoch tragen, hat der Trainer nicht. „Das sind alles bodenständige Kerle, super Charaktere, super Spirit“, sagt er. „Die Jungs ziehen toll mit, wir haben eine funktionierende Mannschaft.“ Keiner sei sich für irgendetwas zu schade. Wenn es etwa darum gehe, ein Tor auf den Trainingsplatz zu tragen, „laufen gleich alle los, es ist keiner dabei, der denkt: ,Ich bin der Beste, ich bin der Größte, ich muss nichts mehr machen.’“

Eintracht Frankfurt: Mario Götze gegen Magdeburg in Startelf?

Wenn nicht alle Eindrücke aus der Vorbereitung täuschen, dann wird der 47-Jährige zum allergrößten Teil auf die Akteure setzen, die den ersten internationalen Titel seit 1980 nach Frankfurt holten: Im Trainingsspiel am Freitag stand einzig Mario Götze als Neuzugang in der vermeintlichen Startelf.

Für Glasner ist das ein normaler Vorgang und Teil des Prozesses. Die Zugänge müsste sich erst einmal auf die Anforderungen einstellen, lernen, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten haben. Das ginge nicht von heute auf morgen. „Sie können mit uns wachsen“, sagt Glasner, der seine Neuen im Training noch immer dabei ertappt, dass sie in bestimmten Situationen nachdenken müssen und die Abläufe noch nicht automatisiert sind. „Dadurch wird dann die Positionierung unsauber.“ Bei den Spielern, die er schon ein Jahr unter seinen Fittichen habe, sei das anders. „Sie müssen nicht mehr denken, da ist alles in Fleisch und Blut übergegangen.“

Glasner wirbt daher um Zeit für die Frischlinge und nennt den Frechdachs Jesper Lindström als leuchtendes Beispiel. Der Däne habe damals auch eine schwere Zeit durchgemacht, stand in der Kritik, um dann voll durchzustarten und alle Zweifler Lügen zu strafen: „Er ist vom Fehleinkauf zum Rookie des Jahres geworden“, sagt Glasner pointiert.

Eintracht Frankfurt gegen Magdeburg: Chandler überholt Hauge

Ob Jens Petter Hauge auch noch mal eine solch erhebliche Steigerung zuzutrauen ist? Der Offensivspieler kam wie Lindström vor zwölf Monaten nach Frankfurt – doch die Entwicklungen der beiden sind gegenläufig. Hauge, jetzt im Sommer per verbindlicher Kaufoption für fast zehn Millionen Euro vom AC Mailand fest verpflichtet, ist der große Verlierer der Vorbereitung. Der norwegische Nationalspieler setzt sich selbst zu sehr unter Druck, verhaspelt sich in seinen Aktionen, alles wirkt hektisch und unrund.

Für Hauge folgte der traurige Höhepunkt am Freitag: Beim Trainingsspiel elf gegen elf durfte der 22-Jährige zunächst nicht mitmachen und musste gemeinsam mit dem chancenlosen Stürmer Goncalo Paciencia Flanken schlagen. Glasner ging nicht näher darauf ein, erwähnte nur, dass Ansgar Knauff und Timothy Chandler ebenfalls auf dieser Position spielten und er zu überlegen habe, wer mal außen vor bleiben müsse. Dass selbst der alte Haudegen Timmy Chandler dem Skandinavier den Rang abgelaufen hat, ist gleichwohl eine Überraschung und lässt tief blicken.

„Mancher muss da in den sauren Apfel beißen“, sagt der Coach, der die Situation selbst als „unangenehm“ empfindet – „für den Spieler, aber auch für den Trainer.“ Doch er sei eben verantwortlich dafür, die bestmögliche Mannschaft auf den Ernstfall vorzubereiten und aufzustellen. In diesem Zusammenhang lobte Glasner ausdrücklich den allseits beliebten, aber quasi ausrangierten Paciencia, der zwar das Gefühl haben müsse, „im dritten Glied“ zu sein, aber dennoch positiv bleibe und enorm wichtig fürs Team sei. „Ich habe Riesenrespekt vor ihm.“ (Ingo Durstewitz)

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