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Makoto Hasebe: Manga-Held und Ruhepol

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Von: Thomas Kilchenstein

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Auf höchstem Niveau liefert Eintracht Frankfurts Methusalem Makoto Hasebe eine Weltklasseleistung gegen Tottenham Hotspur ab.

Frankfurt – Mitte November, wenn in Katar eine Weltmeisterschaft angepfiffen wird, reist Eintracht Frankfurt für zwei Spiele in die Heimat eines außergewöhnlichen Spielers. Es geht nach Japan. Dort ist das allein sicher noch kein Ereignis, es wird aber eines, weil natürlich Makoto Hasebe zur Frankfurter Entourage bei den beiden Auftritten in Urawa und Osaka zählt.

Und zu diesem Anlass wird für den japanischen Markt prompt auch eine Manga-Ausgabe erscheinen, gezeichnet vom im Land der aufgehenden Sonne hochdekorierten Zeichners Tsukasa Oshima über das (sportliche) Leben des Makoto Hasebe, eine ganz besondere Hommage auf einen Fußballer, der in Japan als „Beckenbauer Asiens“ verherrlicht wird. „Für mich“, sagt Hasebe, der natürlich als Kind die Manga-Comics verschlungen hat, „ist es eine Ehre, vom Meister persönlich gezeichnet worden zu sein“.

Zuerst am Ball: Makoto Hasebe blockt Harry Kane.
Zuerst am Ball: Makoto Hasebe blockt Harry Kane. © AFP

Eintracht Frankfurts Hasebe überzeugt mit „außergewöhnlicher Qualität“

Es ist schon verblüffend zu sehen, wie viele Lorbeerkränze in diesen Tagen geflochten werden für einen bald 39 Jahre alten Fußballer, der einfach nicht altern will. Und es finden sich, wie sein Kapitän Sebastian Rode findet, auch kein ganz Schlechter, nach dem 0:0 in der Champions League gegen Tottenham Hotspur, kaum noch richtige Worte, um die überragenden Vorstellungen des Methusalems am Ball einzuordnen.

Ein „Bombenspiel“ habe er gemacht, der Hasebe, lobte dann Rode, von einer Leistung „von außergewöhnlicher Qualität“, tirilierte Sportvorstand Markus Krösche, Alt-Internationaler Matthias Sammer, einst auf gleicher Position unterwegs, war mit Trainer Oliver Glasner einer Meinung: „Das war Weltklasse.“

Eintracht Frankfurts Hasebe hat Harry Kane abgekocht

Der Auftritt des ewigen Japaners war auch deswegen so bemerkenswert, weil er nicht in einem Testspiel oder einem Pokalspiel gegen einen Drittligisten, sondern auf allerhöchstem Niveau stattgefunden hatte, in einem bestens ausgeleuchteten Champions-League-Spiel, gegen eine Spitzenmannschaft aus London, gegen einen Topstürmer wie Harry Kane.

„Makoto hat ihm einen Torschuss erlaubt“, sagte Krösche, ansonsten hatte der alte Mann den zehn Jahre jüngeren Nationalspieler im Griff, ja er kochte ihn dank seiner Erfahrung, seiner Spielintelligenz regelrecht ab, und wer immer noch behauptet, Hasebe könnte in seinem fortgeschrittenen Alter das hohe Tempo nicht mitgehen, sei nur an die zwei Zweikämpfe am Dienstagabend erinnert, erst gegen Richarlison, dann in der zweiten Halbzeit erneut gegen den Brasilianer und Kane. Da kann man nur den Hut ziehen.

Hasebe zeigt, wie wichtig er für Eintracht Frankfurt ist

Diese unglaublichen 90 Minuten auf allerhöchstem Niveau haben, wie Krösche sagte, neuerlich bestätigt, „wie wichtige Makoto für die Mannschaft“ sei. Und nicht nur wegen seiner Souveränität im Zentrum der Abwehr, die er tadellos zu organisieren weiß, nicht nur wegen seine Ballsicherheit, seines antizipatorischen Gespürs für Raum und Ort und der Gabe, Bälle scharf in die Schnittstellen zu spielen. Und auch nicht, weil er Verantwortung schultert.

Womöglich ist Makoto Hasebe, der Familienvater und im Klub vor allem menschlich wertgeschätzt, noch wertvoller für das Gesamtgefüge, weil er seinen jungen Nebenleuten, etwa Tuta oder Evan Ndicka, aber auch Ansgar Knauff oder Kristijan Jakic, Sicherheit gibt. Er ist das Geländer, das einen stützt und vorm Hinfallen bewahrt. Sie wissen: Im Notfall ist der alte Hase da, wenn es eng wird, können sie ihm den Ball zupassen, er weiß einen Ausweg. Seine Ruhe strahlt ab, seine Abgeklärtheit ist ansteckend. Und natürlich ist es kein Zufall, dass Eintracht Frankfurt kein Spiel mehr verloren, dabei dreimal zu Null gespielt hat, seit der Japaner wieder in der Startformation steht. Mit Hasebe, der in der Spielvorbereitung penibel darauf achtet, was seinem Körper gut tut und was nicht, steht das Frankfurter Spiel auf deutlich stabileren, solideren Füßen. Erstaunlich ist eigentlich nur: Warum solch ein Phänomen bis Mitte September auf der Ersatzbank hatte sitzen müssen? (Thomas Kilchenstein)

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