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Muss seine Fitness verbessern: Marc Stendera (links), hier im Zweikampf mit Johannes Flum.
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Muss seine Fitness verbessern: Marc Stendera (links), hier im Zweikampf mit Johannes Flum.

Eintracht Frankfurt

„Man sollte wissen, für was man steht“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Trainer Veh gibt für sein Team einen offensiven Leitfaden aus und lässt Marc Stendera seine Ernährung umstellen.

Am Ende des morgendlichen Trainings hat Armin Veh seine Mannschaft um sich geschart und ihr noch auf dem Platz in Windischgarsten einen guten Bekannten vorgestellt. Mit warmen Worten führte der Eintracht-Trainer Wolfgang Steubing ein, den neuen Frankfurter Aufsichtsratschef. Der Börsenmanager war am Vortag gemeinsam mit Finanzboss Axel Hellmann und Vereinspräsident Peter Fischer nach Oberösterreich eingeflogen. Steubing, 65, kam mit der Empfehlung eines mächtigen „Kicker“-Interviews im Gepäck. Das Fachmagazin hatte ihm vier bunte und aufwendig gestaltete Seiten im Tiefdruck gewidmet, eine Dimension, in die sonst vielleicht Bundestrainer Joachim Löw oder Bayern-Kapitän Philipp Lahm hineinstoßen.

Steubing hat in dem ausführlichen Gespräch davon erzählt, dass er von europäischen Auftritten träumt, aber er den Weg der Vernunft nicht verlassen wird. „Mit mir wird es schwer, Geld durch den Schornstein zu jagen“, sagte er. Die Eintracht werde weiterhin seriös bleiben, wolle aber über innovative Finanzierungsmodelle nachdenken und etwa in die Vermarktungs- und die Betreiberfrage Bewegung bringen. Auf Großinvestoren, die mal eben 100 Millionen Euro in den Verein pumpten, baue man nicht: „Das ist hier nicht machbar.“ Die Eintracht wolle „Herr im Haus bleiben, aber trotzdem Geld haben – das ist ein schwieriger Spagat.“ Der sei aber zu schaffen, „weil wir mehr Substanz haben als manch anderer.“ Steubing bestätigte im „Kicker“ zwar indirekt, aber erstmals offiziell, dass die Eintracht dem nach der abgelaufenen Saison zurückgetretenen Thomas Schaaf eine Abfindung zahlen muss: „Den Heiligenschein, den man ihm gibt, hat Schaaf jedenfalls nicht.“ Überhaupt sei der frühere Coach „zu empfindsam“ gewesen. „Wer in Frankfurt Trainer wird, der muss was aushalten. Dafür gibt es Millionen im Jahr.“

Die Mannschaft wird folgen

Die Zukunft heißt wieder Armin Veh, und der hat schon sehr konkrete Pläne, wie er seine Mannschaft auf Erfolgskurs bringen will. Gegen Ende des Trainingslagers wird er seine Spieler auf die neue Runde einstimmen, er wird ihnen in einem Strategiegespräch seine Vorstellungen und Ideale näherbringen, ihnen, wenn man so will, einen Leitfaden an die Hand geben. „Wir sollten uns schon Ziele setzen“, sagte der 54-Jährige und meinte damit explizit keine tabellarischen, eher die Herangehensweise, die grundsätzliche Ausrichtung. „Man sollte wissen, für was man steht“, erklärte der Fußballlehrer. „Das, was wir vorhaben und das, was wir wollen, soll klar und erkennbar sein.“ Er könne das nicht von oben bestimmen, „die Mannschaft muss dann auch folgen“, sagte er. „Aber das wird sie.“

Wie genau die neue Eintracht aussehen wird, wollte Veh nicht verraten, aber klar dürfte sein, dass man wieder deutlich mehr Wert auf spielerische Elemente und Angriffsfußball legen wird. „Wir wollen mehr agieren als reagieren.“ Zumal die Eintracht in ihren Reihen „gute Fußballer“ habe. „Eine Hauruck-Mannschaft sind wir nicht.“ Der Coach hat ein „gutes Gefühl“, wenn er seinem Team bei der täglichen Arbeit zusieht. Generell ist das Trainerteam hochzufrieden mit der Bereitschaft, dem Willen und der Einstellung des Teams – gerade auch der neuen Spieler. Dass sich die Mannschaft in engen Partien den Schneid abkaufen lasse, das sollte in der neuen Konstellation eher selten passieren.

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Veh lässt im Training und auch in den Testpartien fast immer ein flaches 4-4-2-System spielen (also mit den zentralen Mittelfeldspielern fast auf einer Linie). Das früher erprobte 4-2-3-1 könne die Mannschaft ohnehin spielen, genauso wie das 4-4-2 mit Raute. „Aber mit einer flachen Vier im Mittelfeld haben wir noch nicht gespielt“, sagte Veh. „Das will ich durchziehen, damit wir es besser können.“ Der Trainer glaubt, dass diese Taktik für das vorhandene Personal die beste ist. Gerade weil er von seinen beiden Stürmer Haris Seferovic und Luc Castaignos angetan ist. „Wenn sie sich noch besser einspielen und dann den direkten Weg zum Tor haben, können wir noch torgefährlicher sein. Das kann für uns das beste System sein.“ Einer von beiden solle stets ausweichen oder sich fallen lassen, „aber einer soll immer im Zentrum bleiben und anspielbar sein.“

Auch im heutigen Testspiel gegen Leeds United (18.15 Uhr) soll das System verfeinert werden. „Wir wollen den Gegner laufen lassen und Sicherheit in unser Passspiel bekommen.“ Dass die Eintracht satte 140 Kilometer zum Testspiel nach Eugendorf reisen muss, schmeckt dem Coach gar nicht: „Das hat mich überrascht, aber ist halt nun mal so.“

Im Mittelfeld ist Stefan Reinartz gesetzt. „Ich erhoffe mir viel von ihm“, sagte Veh. „Er hat Ruhe am Ball und kann auch Pässe spielen, die zu Toren führen.“ Als fast schon logischer Nebenmann gilt Makoto Hasebe, der aber auch als rechter Verteidiger aushelfen muss. Slobodan Medojevic, den Veh dort testete, ist keine Option mehr für diese Seite. Der etatmäßige Rechtsverteidiger Timothy Chandler, der noch für die USA beim Gold Cup aktiv ist, wird nun doch eine Woche Sonderurlaub erhalten und entsprechend spät zurückerwartet. „Am Anfang müssen wir sehen, wie wir uns da behelfen“, sagte Veh.

Stendera kommt nur schwer auf Touren

Reinartz Nebenmann könne unter Umständen und je nach Gegner „auch offensiver sein“. Also etwa die jungen Joel Gerezgiher oder Marc Stendera – zurzeit aber ist Stendera so etwas wie das Sorgenkind. Der hochtalentierte Mittelfeldspieler kommt schwer auf Touren. Veh sieht seinen Durchhänger in körperlichen Defiziten begründet. „Er ist ja kein Modellathlet“, sagte der Trainer. Stendera habe zwar kein Übergewicht, aber müsse seinen körperlichen Zustand verbessern. „Er muss fitter werden und an Stabilität zulegen.“

Daher wird der 19-Jährige nach der Rückkehr nach Frankfurt gemeinsam mit Konditionstrainer Christian Kolodziej einen Ernährungsberater aufsuchen. „Jeder reagiert anders auf Nahrung“, erläuterte der Coach. „Wir müssen die beste Nahrung für ihn rausfinden.“ Bei Stendera sei das „wichtig, um seine Athletik zu verbessern.“ Veh ist der festen Überzeugung, dass da die Eigenverantwortung des Fußballers endet. „Man kann den Spieler damit nicht alleine lassen.“

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