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Die Fans lieben ihn: Plakat an seinem 29. Geburtstag: Constant Djakpa in doppelter Ausführung.
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Die Fans lieben ihn: Plakat an seinem 29. Geburtstag: Constant Djakpa in doppelter Ausführung.

Interview Constant Djakpa

„Man muss sich ein Lächeln bewahren“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Verteidiger Constant Djakpa über seine Zeit auf der Ersatzbank, seinen Kreuzbandriss und seinen Umgang mit Menschen.

Es war die FR, die Constant Djakpa einst mit seinem in Fankreisen gerne bemühten Spitznamen "DJ Akpa" konfrontierte. Damals lachte Constant Djakpa von ganzem Herzen, er lachte dieses ansteckende, einnehmende Lachen, dieses Lachen, das vielleicht nur der Ivorer lacht. Constant Djakpa, mittlerweile auch schon 29 Jahre alt, hat sich sein sonniges Gemüt bewahrt, auch wenn er nicht nur gute Zeiten hinter sich hat. Selbst in Frankfurt nicht. In den viereinhalb Jahren am Main durchlief er so manche Höhe und noch mehr Tiefen, doch er ließ sich nicht ins Bockshorn jagen, blieb immer positiv, bestach durch seinen Arbeitsethos, seine Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit.

Zumeist war der Nationalspieler der Elfenbeinküste nämlich Ersatzmann, nach dem Aufstieg stand er sogar auf dem Abstellgleis, sollte abgegeben werden, weil Trainer Armin Veh ihn als nicht kalkulierbare Größe einstufte: Mit zwei langen Sperren nach ungehörigen Angriffen auf den Gegenspieler hatte sich der Linksverteidiger damals selbst ins Abseits manövriert. Veh begnadigte Djakpa seinerzeit.

Im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg avancierte Constant Djakpa zum Stammspieler und lief Konkurrent Bastian Oczipka den Rang ab. Veh machte sich gar für – die dann auch vollzogene – Vertragsverlängerung des einstigen Sorgenkindes stark. Und auch bei Nachfolger Thomas Schaaf spielte Djakpa zunächst. Doch dann riss das Kreuzband – und für den Modellathleten ging der Kampf um sein Revier wieder von vorne los.

Herr Djakpa, Sie haben sich nach einigem Anlauf in die Mannschaft gespielt. Zuvor saßen Sie lange draußen, zeitweise standen Sie nicht einmal mehr im Kader. Wie groß ist die Gefahr, zu resignieren und den Kopf in den Sand zu stecken?
Das ist nicht meine Art, zu resignieren. Man muss im Leben immer eine positive Einstellung an den Tag legen. Egal, was passiert.

Wie geht man mit so einer misslichen Situation um? Wie bekämpft man den Frust?
Natürlich verspürt man ein bisschen Frust. Wenn man zu einem Klub kommt, dann möchte man spielen und seine Qualitäten zeigen. Und daran muss man stets glauben, und das habe ich auch immer gemacht. 

Wie bleibt man dennoch positiv?
Indem man sich im Training konzentriert, gute Spielaktionen zeigt und mit den Mitspielern Spaß hat. Man muss sich immer ein Lächeln im Gesicht bewahren. 

Wer hilft dabei? Freunde, Familie, Kinder? Vielleicht sogar der Glauben?
Zunächst einmal mein Glaube, der mich stärkt. Und dann natürlich meine Familie und meine Kinder, die mir sehr viel geben im Leben. 

Sie betonen stets, welch große Bedeutung Ihre Familie hat. Vergessen Sie all den Ärger und den Frust, wenn Sie in die Augen Ihrer Kinder blicken?
Wenn ich nach Hause komme, dann muss man den Ärger und den Frust vor der Haustüre lassen. Ich kann meinen Kindern nicht mit einem ärgerlichen Gesicht gegenübertreten. Sie geben mir soviel Freude und Lebenslust, die ich dann am nächsten Tag in die Mannschaftskabine mitnehme.

Hatten Sie mal das Gespräch mit Armin Veh gesucht und Ihre Chancen ausgelotet?
Ich habe nie das Gespräch mit dem Trainer gesucht. Reden bringt doch nichts, man muss den Trainer mit Leistungen auf dem Platz überzeugen. Und deshalb gebe ich bei jeder Trainingseinheit Vollgas.

Und als dann die Chance kam, in Hannover von Beginn an, ist man da extrem aufgeregt? Oder ist es so, wie Sie einmal in einem FR-Interview sagten: Sie seien Fußballer, und Fußballer verlernen nicht, wie es geht.
Ich war nicht aufgeregt, dafür spiele ich schon zu lange in der Bundesliga. Der Trainer hat mir seinen Vertrauen ausgesprochen, mir mit auf den Weg gegeben, dass ich so konzentriert wie im Training spielen soll. Ich war eher ruhig, als ich wusste, dass ich von Beginn an spielen werde.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

War das nicht seltsam, ausgerechnet mit ihrem Konkurrenten für links hinten, Bastian Oczipka, auf einer Seite zusammenzuspielen?
Also, Oczipka ist nicht mein Konkurrent, sondern ein Kollege von mir, das will ich mal hier betonen. Und es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu spielen. 

Sie kämpfen nun seit fast vier Jahren mit Bastian Oczipka um den Platz da hinten links. Manchmal hatten sie die Nase vorne, meistens aber Ihr Konkurrent. Wie geht man da miteinander um?
Wir haben schon öfter darüber gesprochen, wie es sein könnte, wenn wir zusammen auf dem Platz stehen, und gehofft, dass es eines Tages so sein wird. In Hannover ist dieser Tag gekommen, und es hat, wie gesagt, richtig Spaß gemacht. 

Nun scheint es ja sogar so zu sein, dass beide einen Platz im Team gefunden haben. Ist die Lösung mit Ihnen da hinten und Oczipka weiter vorne eine zukunftsträchtige Dauerlösung?
Also ich glaube, dass in der aktuellen Situation dies die beste Lösung ist. Wir sind dadurch stabiler in der Defensive. Ich betone aber: in der aktuellen Situation. 

Wie wichtig ist es, sich einzuspielen, die Laufwege des anderen zu kennen?
Ich kenne die Spielweise von Oczipka sehr gut. Ich weiß genau, wann ich ihm den Ball in den Lauf spielen kann, wann er sich zurückfallen lässt. Deshalb ist es ja auch von Vorteil, dass wir beide zusammenspielen. 

Wie haben Sie es empfunden, als Sie hörten, dass Armin Veh zurückkehrt. Er hatte sich ja einerseits damals für einen neuen Vertrag stark gemacht, andererseits hatte er Sie vorher fast schon mal aussortiert.
Für mich spielt es erst einmal keine Rolle, wer Trainer ist, sondern welches System gefordert wird. Und daran muss ich mich als Spieler in erster Linie orientieren und nicht am Trainer.

Früher galten Sie als Heißsporn, Trainer Veh sagte sogar mal, Sie seien unberechenbar, keine verlässliche Größe. Das war vor allem, weil Sie zweimal lange gesperrt wurden. Einmal wegen einer Tätlichkeit und direkt danach wegen eines üblen Tritts. Wie würden Sie Ihre Entwicklung beschreiben? Sind Sie ruhiger, gelassener geworden?
Ich bin an sich ein ruhiger Typ, neben und auf dem Platz. Das ich zweimal vom Platz musste, war meiner Spielweise geschuldet. Das kann mal passieren. Mag sein, dass die Leute mich jetzt abgeklärter sehen, aber ich habe mich immer als besonnenen Menschen gesehen.

Hat es Sie sehr gestört, dass Sie damals so ein Bad-Boy-Image angedichtet bekamen? Oder konnten Sie es sogar verstehen?
Nein, nein, das stört mich schon. Wissen sie, ich bin von Hause aus ein Mensch mit Herz, der vieles mit seinen Mitmenschen teilen möchte. Ich bin auch einer, der gerne hilft. Warum man mir dieses Image andichtet, weiß ich nicht. 

Dabei sind Sie ein ausgesprochener fröhlicher Mensch, haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Ist das einfach ihr Naturell?
So ist es, und ich habe auch fast immer einen Spaß auf den Lippen. Fröhlich und humorvoll, das passt zu mir. 

Im Training wirken Sie aber seriöser, treiben nicht mehr so viel Schabernack. Ist das auch ein Teil Ihrer persönlichen Weiterentwicklung?
Ich bin Profi, und da muss man seine Arbeit ernst nehmen. Also trainiere ich mit der nötigen Ernsthaftigkeit. In der Kabine kann ich dann meinen Spaß treiben, oder wenn ich mit Kollegen mal zum Essen gehe. Aber bei meiner Arbeit bin ich zu 100 Prozent Profi. 

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Sie haben in der vergangenen Saison einen Kreuzbandriss überstehen müssen. War diese Zeit eine arg fürchterliche? Oder haben Sie auch in der eintönigen Reha mit Spaß und Freude gearbeitet.
Am Anfang war es eine harte Zeit. Aber ich habe mich mit der Reha schnell arrangiert. Freunde, mein Therapeut und meine Familie haben mich in dieser Zeit besonders unterstützt und motiviert. 

Viele berichten, dass man in dieser Zeit zu einem Einzelkämpfer wird, der mit der Mannschaft nur noch wenig zu tun hat. Haben Sie das auch so empfunden?
Nein, denn ich war von Menschen umgeben, die einem das Gefühl vermittelt haben, dass man nicht alleine ist mit seiner Verletzung. Gute Freunde wie Isabelle und Marco, aber auch mein Therapeut, der mich täglich angespornt hat. Es hat mir manchmal so das Gefühl vermittelt, als wäre ich in der Mannschaftskabine mit meinen Kollegen. 

Hatten sie wegen der schweren Verletzung Angst um die Fortsetzung Ihrer Karriere?
Nein, keine Sekunde. Ich habe gutes Heilfleisch, das weiß ich. Deshalb habe ich immer an meine Rückkehr geglaubt.

Wird man demütig, wenn man so lange seinem Beruf nicht nachgehen und nicht spielen kann?
Demut gehört zu meinem Leben, und das nicht nur in schwierigen Situationen. Ich trete Menschen immer mit Respekt und einem Schuss Demut gegenüber. Das hat mir auch mein Glaube gelehrt.

Was trauen Sie der Mannschaft generell noch zu. Der Start war ja eher holprig, dann noch die Peinlichkeit in Aue.
Auch wenn wir im Augenblick eine schwierige Phase durchleben, bin ich dennoch überzeugt, dass wir Qualität im Kader haben und auch eine erfolgreiche Saison spielen werden. Und ich bin mir sicher, dass Armin Veh den Schlüssel zum Erfolg wieder finden wird.

In Hannover war die spielerische Leistung bieder, von Aue mal gar nicht zu sprechen. Ist das trotzdem der richtige Weg zurzeit oder muss die Eintracht wieder versuchen, besser Fußball zu spielen? Welcher Weg ist der Königsweg?
Der richtige Weg in einem Spiel ist immer zu wissen, was können wir leisten und in welcher Verfassung sind wir. Das kann mal eine offensive Variante sein, mal eine defensive wie in Hannover. Wichtig ist doch am Ende die Einstellung, die wir als Spieler an den Tag legen. 

Sie sagten einmal, Sie wollten nach Beendigung Ihrer Karriere in Deutschland bleiben. Hat sich daran etwas geändert?
Im Augenblick nicht. Meine Kinder gehen hier zur Schule, sie fühlen sich wohl in Frankfurt, so wie ich auch. Es gibt also keinen Grund, meine Zukunft woanders zu sehen. 

Vermissen Sie Ihre Heimat, die Elfenbeinküste?
Im Augenblick nicht, alles was mir wichtig ist, habe ich hier in Deutschland. 

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Würden Sie gerne in Frankfurt bleiben oder zieht es Sie zum Ende Ihrer Karriere noch mal wohin, wo Sie vielleicht auch mal unumstrittener Stammspieler sind und nicht immer um Ihren Platz fürchten und kämpfen müssen?
Ich habe noch einen Vertrag hier in Frankfurt, mehr gibt es zu diesem Thema zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen. 

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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