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„Ich muss an Muskelmasse noch ein bisschen zulegen“, sagt Jesper Lindström, Leichtgewicht. imago images
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„Ich muss an Muskelmasse noch ein bisschen zulegen“, sagt Jesper Lindström, Leichtgewicht.

Eintracht-Neuzugang im FR-Interview

Jesper Lindström: „Man muss das Leben genießen“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht-Neuzugang Jesper Lindström über sein fröhliches Gemüt, das Drama um Christian Eriksen, den Druck vor dem Spiel gegen den FC Augsburg und seine fußballverrückte Familie.

Herr Lindström, in diesem vermurksten Spiel in Dortmund galten Sie zumindest als kleiner Lichtblick, nach Ihrer Einwechslung hatten Sie in der zweiten Halbzeit einige gute Szenen. Haben Sie das ähnlich empfunden?

Ich finde, es ist oft einfacher, in ein Spiel zu kommen, wenn du zurückliegst. Da kann man einfach zeigen, was man kann, ohne großartig nachzudenken. Ich denke, ich habe es ganz gut gemacht. Aber die zweite Hälfte des ganzen Teams war auch besser. Ich bin mit einiger Energie ins Spiel gekommen, habe gute Flanken geschlagen. Ich denke schon, dass ich mich zeigen konnte.

Sie kamen häufiger mal über die linke Seite. War das der Plan?

Nicht unbedingt. Ich war hinter den Spitzen aufgeboten, aber ich habe in der einen oder anderen Situation links einige Räume entdeckt, außerdem war Axel Witsel (Dortmunder Verteidiger; Anm. d. Red.) ziemlich müde – davon wollte ich als frischer Spieler profitieren. Vieles passiert auch einfach intuitiv.

Wie Eintracht-Neuzugang Jesper Lindström die Bundesliga erlebt

Wie waren Ihre Eindrücke von Ihrem ersten Bundesligaspiel?

Ich kannte die Bundesliga aus dem Fernsehen, ich wusste schon, was auf mich zukommt und wie der Fußball ist. Der Fußball hier ist offensiv, intensiv, mit vielen Kontersituationen. Das ist das, was ich mag. Das Level insgesamt ist viel höher als in Dänemark. Die Dortmunder sind ja auch sehr offensivstark und spielen unheimlich schnell. Das ist noch mal ein ganz anderes Niveau als in meiner Heimat. Man kann sich hier nicht ausruhen, es gibt keine Verschnaufpausen. Es geht rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter (lacht). Da werden schon ordentlich Meter gemacht.

Wie groß ist die Bundesliga in Dänemark?

Sehr groß. Es ist eine der fünf besten Ligen der Welt. Deshalb bin ich auch froh, hier zu sein.

Ist das Niveau so, wie Sie es erwartet haben?

Ja, klar. Am Anfang habe ich schon überlegt, ob ich gut genug bin und mithalten kann. In den ersten Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich Zeit brauche, um anzukommen. Aber jetzt fühle ich mich gut und bin ordentlich in Form. Ich fühle mich bereit, um Assists zu liefern oder selbst zu treffen.

Wie stark ist die aktuelle Mannschaft, was denken Sie?

Ich denke, dass wir ein sehr starkes Level haben. Aber wir müssen zusammenwachsen, es gibt neue Spieler, einen neuen Trainer, einen neuen Manager. Das geht alles nicht so schnell. Aber die Mannschaft ist sehr gut, die Mischung stimmt. Wir haben erfahrene Spieler wie Makoto Hasebe und junge wie Fabio Blanco. Der Kerl ist erst 17, aber schon richtig gut. Klar sieht man manchmal, dass ihm noch etwas fehlt, weil er noch so jung ist. Aber sein riesiges Potenzial erkennt man schon.

Jesper Lindström fühlt sich wohl in Frankfurt

Sie sagten in Ihren Frankfurter Anfangstagen, Sie müssten Muskelmasse aufbauen. Wie weit sind Sie gekommen?

Das kommt langsam, ist ein Prozess. Es geht ja auch um die Stabilisation des Körpers, damit man eine bessere Balance bekommt. Darauf ist in Dänemark nicht so viel Wert gelegt worden. Und klar muss ich noch ein bisschen zulegen, damit ich nicht so leicht wegzudrücken bin und die Mentalität verinnerliche, richtig in die Zweikämpfe zu gehen.

Wie haben Sie sich eingelebt?

Die Stadt ist wunderbar, ich fühle mich total wohl. Alles ist perfekt. Und wenn wir erst mal die neue Wohnung bezogen haben, werde ich mich noch mehr wie zu Hause fühlen.

Sind Sie zurzeit alleine hier?

Ja, meine Freundin ist noch in Dänemark, in Odense. Sie kommt Anfang September nach Frankfurt und wir beziehen zusammen die Wohnung. Sie bleibt dann hier. Und unseren Hund bringt sie auch gleich mit. Dann sind beide auch nicht so alleine, wenn ich im Training bin (lacht).

Sie wirken sehr fröhlich und lebhaft. Ist das ihr Naturell?

Ja, ich bin sehr offen, lächle immer, bin positiv und gut drauf. Wenn sich jemand mit mir unterhalten will, bin ich dabei. Ich bin nicht der ruhige Typ, der irgendwo alleine sitzt. Ich bin da so wie Timmy Chandler.

Timothy Chandler ist ein Spaßvogel, aber auch wichtig fürs Team, oder?

Total. Er war der Erste, der auf mich zukam und mir seine Hilfe angeboten hat. Wenn er in die Kabine kommt, herrscht eine positive Atmosphäre. Er ist einfach ein guter Typ, wichtig für das Team.

Zur Person

Jesper Lindström , 21, geboren in Taastrup unweit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, ist ein aufgeschlossener, junger Mann. Der Offensivspieler wechselte im Sommer von Bröndby IF für eine Ablöse von sieben Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt – obzwar er noch im Hotel wohnt, fühlt er sich angekommen in Frankfurt. In der Kabine ist er stets für einen Scherz gut, nicht umsonst ließ er sich einst einen lachenden Smiley auf den Arm tätowieren. Die Anpassung fällt Lindström leicht, ihm hilft, dass er in der Schule einst Deutsch lernte, zu „80 bis 90 Prozent verstehe ich alles“, sagt er. FR

Jesper Lindström und seine Ziele für die erste Saison bei Eintracht Frankfurt

Sie sind noch jung, 21 erst, was haben Sie sich persönlich für die Saison vorgenommen?

Ich will so viel wie möglich spielen. Ich bin in einem neuen Land, einer neuen Mannschaft, mit neuen Mitspielern, eine neue Heimat, also ist es wichtig, auf dem Platz zu stehen und dem Team mit Toren und Vorlagen zu helfen.

Nach den beiden verlorenen Partien ist der Druck sehr früh schon recht hoch.

Natürlich wollen wir gegen Augsburg punkten, das ist doch logisch. Wir sind im Pokal ausgeschieden, haben in Dortmund verloren, das erhöht den Druck auf uns. Wenn wir sechs Punkte aus den nächsten zwei Spielen bis zur Ligapause holen würden, wäre die Lage wieder deutlich angenehmer. Aber die Saison hat gerade erst begonnen und wie erwähnt, brauchen wir noch Zeit, damit vieles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.

Wie hat Coach Oliver Glasner in dieser Woche reagiert? War er entspannt oder ist er mit dem Team hart ins Gericht gegangen?

Wenn du zwei Spiele verlierst, bist du nicht glücklich, die Fans nicht, die Spieler nicht, der Trainer nicht. Aber er weiß auch, dass Dortmund ein starker Gegner war und hat uns gesagt, dass wir auf die bessere zweite Hälfte aufbauen sollen. Wenn wir die individuellen Fehler weglassen und ansonsten auf ein ähnliches Level kommen wie in der zweiten Hälfte von Dortmund, dann können wir andere Mannschaften schlagen. Wir wollen damit am Samstag gegen Augsburg beginnen.

Mal ein Blick zurück: In Dänemark sind Sie mit Bröndby Meister geworden. Wie hart war es, ihren Heimatklub zu verlassen? Oder war es womöglich genau der richtige Zeitpunkt?

Beides. Sehen Sie: Ich bin schon mit zwölf zum Klub gekommen und werde die Zeit bei Bröndby nie vergessen, der Verein hat mir viel gegeben. Bei meinem Wechsel hat mir jetzt aber niemand einen Vorwurf gemacht, keiner war böse auf mich. Ich habe für den Klub ja auch etwas geleistet. Wir haben die Meisterschaft geholt und ich habe Bröndby eine Ablöse eingebracht. Du kannst solch ein tolles Kapitel nicht besser beenden als mit der Meisterschaft.

Warum Jesper Lindström zu Eintracht Frankfurt wechselte

War ein Wechsel für Sie schon länger beschlossene Sache?

Ja, schon im Winter habe ich darüber nachgedacht. Wenn ich noch ein gutes Halbjahr spielen würde, wollte ich wechseln, um mich auf einem höheren Level entwickeln zu können.

Ihre Wahl fiel auf die Eintracht, warum?

Die Bundesliga ist eine Topliga, Eintracht Frankfurt ist sehr guter Verein. Besonders mag ich die Fans. Zum Glück können am Samstag 25.000 ins Stadion kommen. Mir war klar: Wenn ich solch eine Chance wie bei der Eintracht kriege, muss ich sie nutzen.

Auch die Eintracht hat mal gegen Bröndby gespielt, im Uefa-Cup. Damals wackelte gar die Tribüne, als die Frankfurter Fans in Kopenhagen zu Gast waren und zusammen hüpften. Kennen Sie zufällig das Video?

Klar, das kenne ich, total verrückt. Einer meiner Brüder war früher der Vorsänger der Bröndby-Fans und hat mir davon erzählt: Denn normalerweise sind die Bröndby-Anhänger immer sehr laut, auch auswärts, fast immer lauter als der Gegner. Aber als die Frankfurter damals kamen, haben sie die Bröndby-Fans niedergesungen.

Fußball spielt in Ihrer Familie also eine zentrale Rolle?

Oh, ja, absolut. Jeder liebt Fußball bei uns. Mein Stiefvater zum Beispiel, der ist Däne, aber wenn es zum Länderspiel zwischen Dänemark und Deutschland kommt, hält er zu den Deutschen (lacht). Er hat schon als Kind die Sportschau jeden Samstag aufgenommen und sich dann am nächsten Morgen nach dem Aufwachen sofort angeschaut. Er liebt die Bundesliga und war sehr glücklich, dass ich hierher gewechselt bin.

Wollten Sie schon immer Fußballprofi werden?

Ich habe mit dem Fußball bereits mit drei Jahren angefangen, damals nur zum Spaß. Aber als ich gesehen habe, dass ich Potenzial habe, als ich ahnte, dass es etwas werden könnte, habe ich alles dafür getan. Die Schule wollte ich aber auch durchziehen. Für den Fall, dass es doch nichts mit dem Profifußball wird oder ich mich verletzte, habe ich das Abitur gemacht.

Jesper Lindström hofft nach Wechsel zu Eintracht Frankfurt auf Einsätze im Nationalteam

Welche Ambition haben Sie im dänischen Nationalteam?

Durch den Wechsel nach Frankfurt will ich meine Chancen steigern. Aber ich kann ja auch noch ein Jahr in der U21 spielen. Wenn mich Nationaltrainer Kasper Hjulmand anrufen sollte, bin ich immer bereit. Das ist doch klar. Ins A-Team will jeder Fußballer.

Wie haben Sie das Drama um Christian Eriksen bei der EM erlebt, der dem Tod gerade eben von der Schippe gesprungen ist?

Ich war auf der Hochzeit meines Bruders und habe das Spiel nebenbei auf dem Handy geschaut. Und plötzlich war nur noch Stille. Ich habe bisher ein Spiel für die Nationalmannschaft gemacht, auch mit Christian Eriksen. Er war einer der ersten Spieler, der damals zu mir gekommen ist und mir die Nervosität nehmen wollte. Er ist so ein guter Typ, ein lebensfroher Mensch. Daher war diese Situation einfach nur traurig. Sie zeigt auch, dass man das Leben immer genießen muss. In einer Sekunde alles kann vorbei sein.

Interview: Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt

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