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Ante Rebic, einer der Frankfurter "Bullen".

Nach 11 Spieltagen

"Malen Sie den Teufel nicht an die Wand"

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Hinrunde von Eintracht Frankfurt erinnert stark an die vergangene.

So ein Sieg in letzter Minute wirkt sich zuweilen auch auf die Freizeitgestaltung der Herren Profis aus, positiv natürlich. Nach dem Erfolg vom Freitagabend hat Trainer Niko Kovac seinen Fußballern nicht nur gleich zwei Tage frei gegeben, sie brauchen auch am Montag nicht zum Training zu erscheinen, es reicht, wenn sie einen leichten Lauf zu Hause absolvieren. Am Dienstag ist ein Laktattest vorgesehen. Erst am Mittwoch rollt der Ball wieder im Stadtwald.

Ohne den Treffer in der Schlussminute hätten die Eintracht-Profis einen Tag weniger Urlaub bekommen. Allerdings ist wegen der Länderspiele das kommende Wochenende eh bundesligafrei, die Eintracht muss erst am 18. November in Hoffenheim wieder ran.


Mit 18 Zählern (und 13:11 Toren) nach elf Spieltagen stehen die Hessen sehr beachtlich im ersten Drittel der Tabelle. Das ist sicherlich mehr, als vor Saisonbeginn von einer runderneuerten Mannschaft erwartet worden war. Und die bisherige Hinrunde erinnert auf frappierende Art und Weise an die vergangene. Im letzten Jahr stand die Eintracht nach elf Spieltagen sogar noch besser da, 21 Punkte und 16:9 Tore war seinerzeit ihre Ausbeute. Nach der Hälfte der Runde lagen die Frankfurter bei sehr beachtlichen 29 Punkten hart auf Europa-League-Kurs. Damals allerdings spielte die Eintracht einen Tick attraktiver, die Spiele gegen Schalke, Leverkusen, Bayern, Dortmund, Ingolstadt oder HSV waren durchweg sehenswert.

In dieser Runde wirkt die Eintracht indes physisch deutlich stärker. Im Team stehen regelrechte Kanten, Sebastien Haller, Kevin-Prince Boateng, David Abraham, Simon Falette, Jetro Willems oder Ante Rebic sind bullige, wuchtige Athleten mit reichlich Muskeln. Gegen Frankfurt spielt man nicht sonderlich gerne, es geht zur Sache, Körperkontakt, Robustheit, Laufstärke sind allemal dabei. Das hat Kovac stets gefordert, man müsse unangenehm zu bespielen sein. Diese Körperlichkeit geht indes ein wenig zu Lasten des spielerischen Elements, am Ende hat sich trotzdem diese Physis – siehe späte Tore - durchgesetzt.


Wie in der vergangenen Hinrunde, so hat  Eintracht Frankfurt auch dieses Mal eine kleine Erfolgsserie gestartet. Sie begann am siebten Spieltag mit dem 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart und währt jetzt schon fünf Bundesligaspiele und ein Pokalspiel. Erstaunlicherweise starteten die Hessen auch im letzten Jahr ihre Serie ebenfalls am siebten Spieltag (mit einem 2:2 gegen Bayern München), damals verloren die Frankfurter acht Ligaspiele und eine Pokalbegegnung nicht.

 

Spielglück bei der Eintracht

Und wie in der vergangenen ersten Hälfte hat die Eintracht auch jetzt das Spielglück auf ihrer Seite, nicht nur wegen der drei Last-Minute-Treffer. Wenn es Spitz auf Knopf stand, neigte sich das Pendel auf die Seite der Hessen, etwa beim Elfmeter in Köln oder bei der Rettungstat von Makoto Hasebe in der 90. Minute im Spiel gegen Dortmund. Das alles kommt einem sehr bekannt vor.

Bekannt ist freilich auch, wie sich das in der vergangenen Rückrunde drehte: Da lief es überhaupt nicht mehr für die Eintracht, die dann lediglich zwölf Punkte holte, zur schlechtesten Rückrundenmannschaft avancierte und alle internationalen Träume platzten. Passiert das jetzt wieder? „Malen Sie nur nicht den Teufel an die Wand“, sagte Kovac. „Wir versuchen, mehr Konstanz hereinzubringen.“ Und er hofft, dass Leistungsträger verletzungshalber nicht wegbrechen.

Zu Beginn des Jahres 2017 fiel der Eintracht-Spielmacher Marco Fabian lange aus, auch Alex Meier konnte bald nicht mehr richtig spielen, Jesus Vallejo schlug sich immer wieder mit muskulären Problemen herum, Omar Mascarell hielt nur mit schmerzlindernden Spritzen durch. Vor Verletzungen ist niemand gefeit, man stelle sich vor, Knipser Haller oder Torhüter Hradecky würden längere Zeit ausfallen. Immerhin ist die Eintracht in dieser Saison personell besser aufgestellt, etwaige Ausfälle könnten in Maßen kompensiert werden. Und Geschichte muss sich ja auch nicht automatisch immer wiederholen.

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