Der die Bälle fischt: Kevin Trapp steht am Mittwoch im DFB-Tor.
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Der die Bälle fischt: Kevin Trapp steht am Mittwoch im DFB-Tor. dpa

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Eintracht Frankfurt: Trapp will ersten Sieg im Nationaldress

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Torwart Kevin Trapp ist gut in Form und hofft auf seinen ersten Sieg im Nationaldress.

Neuerdings ist der Frankfurter Ballfänger Kevin Trapp unter die Klavierspieler gegangen. Das fällt ihm nicht so leicht, obwohl Torhüter für gewöhnlich eine ausgesprochen gute Augen-Hand-Koordination haben. Als Virtuose würde sich der Eintracht-Schlussmann dennoch nicht bezeichnen, im Gegenteil. „Ich tue mich sehr schwer, weil die linke Hand etwas anderes spielen muss als die rechte, da habe ich schnell gemerkt, dass mein musikalisches Talent sehr limitiert ist“, sagt er lachend. Zwei, drei Lieder habe er sich dennoch unbedingt draufschaffen wollen, die Umsetzung habe „nicht perfekt, aber ganz gut funktioniert“.

Das Beispiel an den Tasten sagt sehr viel aus über den Charakter des gebürtigen Saarländers: „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, ziehe ich es durch – bis ich es geschafft habe.“ Aufgeben, wegducken, hinschmeißen – nein, das ist nicht die Sache des 30 Jahre alten Kevin Trapp. Gestatten, Mister Ehrgeiz.

Mit dieser Einstellung hat er es weit geschafft, in Kaiserslautern reifte er unter seinem Förderer Gerry Ehrmann („Wenn man Angst hatte, konnte er eklig werden“) zum Bundesligaspieler, sein Debüt gab er im März 2011 gegen den SC Freiburg, weil Stammkraft Tobias Sippel flachlag. „Bürschchen, heute bist du dran“, habe ihm Ehrmann bedeutet. „Ich dachte, er verarscht mich.“ Für „Trappo“ ein Spiel für die Ewigkeit: Der im Abstiegskampf steckende FCK drehte die Partie, Jimmy Hoffer, später für die Eintracht am Ball, machte den Siegtreffer in der 90. Minute, danach brachen alle Dämme.

Es war der Startschuss zu einer bemerkenswerten Karriere: Frankfurt, Paris, Frankfurt lauten die Stationen. Der kluge Kopf, obzwar weltgewandt, braucht Nestwärme, um performen zu können. „Ich muss mich wohlfühlen.“ Seine herausragenden Leistungen sind auch den Gralshütern des deutschen Fußballs nicht verborgen geblieben, im Juni 2017 debütierte er für die DFB-Elite gegen Dänemark (1:1). Seitdem sind drei Partien hinzugekommen, 2:2 gegen Frankreich, 0:1 gegen Brasilien, 1:1 gegen Spanien im September.

„Bin voller Stolz“

Im Freundschaftsspiel am Mittwochabend (20.45 Uhr/RTL) in Leipzig gegen Tschechien wird er erneut das Heiligtum hüten und einen Anlauf nehmen, ein Spiel im Nationaldress zu gewinnen. Dass das bisher nicht geglückt ist, wurmt ihn, lasse sich aber erklären. „Das waren ganz schöne Brocken.“ Trapp wird bei Joachim Löw wieder ins dritte Glied treten, wenn es ernst wird. Dann ist Manuel Neuer, den Trapp für den weltbesten Keeper hält, gesetzt, auch Marc-André ter Stegen aus Barcelona wird, wenn er wieder topfit ist, in der Hierarchie an dem Frankfurter Goalie vorbeirutschen. Der Eintracht-Schlussmann balgt sich mit Arsenals Bernd Leno um die dritte Position im Kasten. „Ich will auf mich aufmerksam machen und bei den Turnieren dabei sein“, formuliert der Motorradfan. Bei der missratenen WM 2018 in Russland gehörte er dem Kader an, blieb aber ohne Einsatz.

Die DFB-Auswahl ist für ihn dennoch das Nonplusultra. „Es ist für jeden ein Traum, dabei zu sein. Man vertritt sein Land, hat eine große Verantwortung, ich trage das Trikot voller Stolz. Es ist etwas ganz Besonderes.“

Trapp, dessen Idol in der Kindheit Oliver Kahn war („Ich wollte immer so sein wie er“), hat sich seinen fünften Einsatz durch gute Leistungen verdient. Zwar hat er mit der Eintracht schon seit 14 Spielen keine weiße Weste mehr bewahrt und in der Liga bereits zwölf Treffer geschluckt, aber er persönlich ist in bester Verfassung, hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison, mit der er selbst nicht zufrieden war, gesteigert. Das hat auch mit dem neuen Eintracht-Torwarttrainer, Jan Zimmermann, zu tun, der in „Details arbeitet“ und sich in kurzer Zeit „extrem weiterentwickelt“ habe. „Wir haben viel darüber gesprochen, was wir verbessern können.“ Das Stellungsspiel sei offensiver geworden, im athletischen Bereich habe er zugelegt.

Vielleicht liegt es aber auch an seinen Handschuhen, die zuweilen ganz schön grell sind. Trapp erinnert sich jetzt im Eintracht-Podcast an ein Spiel im Oktober 2018 in Hoffenheim, 2:1, da trug er rosa Handschuhe und ein lila Trikot. Eine gewagte Kombi. „Es heißt, dass die Stürmer auf grelle Farben anders als auf neutrale Farben reagieren“, sagt er grinsend. „In Hoffenheim bin ich tatsächlich öfter angeschossen worden.“ Vielleicht sollte er die bunten Dinger mal wieder ausgraben, dann klappt es auch mit dem ersten Sieg mit dem Bundesadler auf der Brust.

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