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Vater der Kompanie: Makoto Hasebe macht einfach immer weiter. dpa
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Vater der Kompanie: Makoto Hasebe macht einfach immer weiter.

Eintracht Frankfurt

King der wilden Bande

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Für Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe gibt es offenbar keine natürlichen Grenzen – er wird im hohen Alter immer besser.

Für Kazuyoshi Miura läuft es momentan nicht so prickelnd. Sein Verein, der FC Yokohama, ist in der japanischen J-League nicht besonders gut aus den Startlöchern gekommen, drei Spiele, drei Niederlagen, Torverhältnis 2:9. Auch für den Stürmer persönlich lässt es sich eher bescheiden an, zweimal schaffte er es gar nicht ins Aufgebot, zuletzt, gegen Urawa Red Diamonds, wurde er immerhin eingewechselt, jedoch nur für eine lumpige Minute. Doch all das ficht Miura nicht an. Denn „King Kazu“, wie er liebevoll genannt wird, ist nicht das, was man ein Greenhorn bezeichnen würde, nein, er spielt sage und schreibe seine 36. Saison als Fußballprofi, er ist 54 Jahre alt und natürlich der älteste Fußballspieler in dieser und allen anderen Galaxien. In Japan genießt er Heldenstatus, dort wird er verehrt. Auch Makoto Hasebe, noch so ein Methusalem, schaut ehrfürchtig zu seinem Landsmann auf. „Er ist mein Vorbild.“

Der Eintracht-Kapitän ist gut mit dem Oldie aus Nippon bekannt, im Sommerurlaub treffen sie sich regelmäßig zum Essen und tauschen sich aus. „Er trinkt keinen Alkohol, isst gesund, trainiert viel und lässt sich jeden Tag zwei bis drei Stunden behandeln“, gibt Makoto Hasebe Einblicke in die Geheimnisse der scheinbar ewigen Jugend des Freundes. Dass der Kollege so lange auf diesem Niveau mithalten könne, sei „einfach nur Wahnsinn“. Ob auch er, der alte Hase, so lange durchzuhalten gedenke? „Nein, das ist nicht mein Ziel.“

Die Frage ist aber berechtigt, schließlich hat Hasebe trotz seiner 37 Lenze gerade seinen Vertrag in Frankfurt noch mal um ein Jahr verlängert. Dabei war für ihn vor zwölf Monaten zu „99,9 Prozent“ klar, dass er in diesem Sommer die lange Karriere beenden wird. Doch dann kam alles anders. „Das hat mich selbst überrascht.“

Die Gründe für die Fortsetzung der Laufbahn liegen auf der Hand, sie sind ganz banal: Hasebe ist auch in hohem Alter schlichtweg zu gut, um aufzuhören. Er ist ein unverzichtbarer Fixpunkt im Eintracht-Spiel, er steht über den Dingen, ist „ein absoluter Schlüsselspieler, einer der besten Profis, die ich je trainiert habe“, wie Coach Adi Hütter sagt.

Vor wenigen Wochen habe er, Hasebe, sich mit Fredi Bobic zum Frühstück getroffen, und der Sportvorstand habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, noch ein Jahr dranzuhängen. „Würde ich gerne“, hat er geantwortet. Ein paar Tage später war alles wasserdicht. „Wir haben gar nicht verhandelt, auch nicht um Geld oder Bedingungen.“ Es geht einfach weiter, immer weiter. Sind denn gar keine natürlichen Grenzen gesetzt? „Für mich gibt es offenbar kein Limit“, sagt er selbst. War natürlich nur Spaß. Für den Bundesligadino war von entscheidender Bedeutung, dass ihm Hütter eröffnet hat, weiter mit ihm gemeinsame Sache machen zu wollen. „Das war mir wichtig.“

Sie rufen ihn „Opa“

Hasebe gehört einer anderen Generation an, ist irgendwie aus der Zeit gefallen. Was Wunder? Als Neuzugang Ali Akman geboren wurde, absolvierte Hasebe schon sein erstes Profispiel für Urawa Red Diamonds. Das war 2002. Klar, dass er sich Frotzeleien der Jungspunde ausgesetzt sieht. „Alter Mann“, wird er gerufen, oder „Opa“, manche nennen ihn auch „Legende“, was des Pudels Kern schon sehr viel näher kommt. „In der Kabine haben wir viel Spaß mit den jungen Leuten“, erzählt er und hört sich an wie der Vater der Kompanie, der die wilde Bande im Zaum halten müsse.

Warum er mit 37 sein Niveau nicht nur gehalten, sondern sogar gesteigert hat, kann er sich plausibel nicht erklären. Seine Abläufe habe er beibehalten, „jeden Abend Badewanne, jeden Tag gutes japanisches Essen“, zählt er auf. „Ich habe nichts geändert.“

Und trotzdem kann er auf einmal so viel und so flott laufen wie seit Jahren nicht. Neulich in Bielefeld war er mit 33,3 km/h sogar der schnellste Akteur auf dem Platz. Hasebe mag es gar nicht glauben. „Das Gerät war kaputt“, befindet er lachend. Mittlerweile, und das ist das Außergewöhnliche, ist er wieder auf seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld zurückgekehrt, wo er sehr viel mehr Kilometer abspulen muss als in der Abwehr. Das bereite ihm keine Probleme. Auch das überrascht ihn.

Als ihm Trainer Hütter vor dem Leverkusen-Spiel eröffnete, ihn auf der „Sechs“ probieren zu wollen, war ihm ganz mulmig: „Oh, lange nicht da gespielt, ob ich noch so viel laufen kann?“, habe er gedacht. Er kann, und wie, nicht selten zwölf Kilometer.

Und wie lange geht das Ganze noch? „Von meinem Gefühl her wird die nächste Saison meine letzte“, sagt er und grinst. „Aber im Fußball geht alles schnell.“ Und bei „King Hase“ ist alles möglich.

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