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Makoto Hasebe: Alt genug, selbst zu entscheiden

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Von: Ingo Durstewitz

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Nach überstandener Knieverletzung wieder voll belastbar: Makoto Hasebe.
Nach überstandener Knieverletzung wieder voll belastbar: Makoto Hasebe. © Jan Huebner

Der Großmeister von Eintracht Frankfurt könnte seine Karriere mit einer weiteren Saison krönen – dass der Klub ihm die Entscheidung komplett überlässt, rührt den fast 39-Jährigen.

Mitten im Gespräch blinzelte Makoto Hasebe dann irgendwann leicht versonnen in den azurblauen Himmel über dem Wüstenemirat Dubai und rang ein klein wenig um Contenance. Gerade hatte der Bundesliga-Methusalem erzählt, dass es ein „klares Signal“ der Eintracht-Führung an ihn gegeben habe, wonach er selbst entscheiden könne, ob er, wie immer, noch eine Saison dranhängt in Frankfurt oder doch lieber Schluss machen möchte im Sommer. Der alte Hase wird in nicht mal zwei Wochen schließlich schon 39, ein biblisches Alter im Profizirkus der Neuzeit. Die Haltung der Verantwortlichen hat ihm schwer imponiert. „Das macht mich total stolz, unglaublich stolz, es ist eine Ehre für mich“, sagte der Japaner sichtlich ergriffen. „Das kannst du dir nicht kaufen, da geht es nicht ums Geld, sondern um Vertrauen und die Verbindung zum Verein.“ So etwas soll es also noch geben in dieser Branche, die doch ganz schön verroht und verkorkst ist.

Ob er das Angebot annehmen und seine aktive Karriere noch mal um ein Jahr ausdehnen werde, konnte seine Eminenz Makoto aber nicht verraten. „Ich weiß es nicht, ich weiß nicht, was passiert“, befand er. Er wolle das ganz pragmatisch im März entscheiden. Aber klar ist, dass sein Körper und seine Konstitution die zentrale Rolle spielen. „Wenn ich mich gut fühle, mache ich weiter. Wenn nicht, dann nicht.“ So einfach kann es manchmal sein.

Und es ist ja beileibe nicht so, dass die Eintracht ihm den Vertrag schenken würde, als Almosen sozusagen, weil er so ein feiner Kerl ist. Nein, Makoto Hasebe zahlt das in ihn gesteckte Vertrauen regelmäßig zurück – mit seinen herausragenden Leistungen auf dem Platz und seiner Vorbildfunktion abseits des Feldes.

Makoto Hasebe mischt am ersten Tag wieder voll mit

Im Trainingslager in Dubai mischt der Routinier gleich am ersten Tag wieder voll mit, am Vormittag lieferte er sich im Eins gegen Eins heiße Duelle mit Nationalspieler Mario Götze. Da geht es ganz schön zur Sache. Hasebe ist wieder voll belastbar, das Knie, in Tottenham in der Champions League in Mitleidenschaft gezogen, hält, der Innenbandriss ist auskuriert. Nachdem er die Schlussphase im alten Jahr verpasst hat, greift er nun wieder an, drängt ins Team zurück. Seine Paraderolle, na klar, ist die des Liberos, die zu Beginn der Saison der Brasilianer Tuta bekleidete, dann eben Hasebe, schließlich Kristijan Jakic und zuletzt sogar mal der im Sommer aus Rijeka gekommene Hrvoje Smolcic. Doch keiner interpretiert sie so wie Hasebe. Mit ihm kam der Erfolg zurück zu Eintracht Frankfurt.

Wie Oliver Glasner entscheiden und wem er den verantwortungsvollen Posten anvertrauen wird, wenn es ernst wird in gut zwei Wochen gegen den FC Schalke 04, steht noch in den Sternen. „Ich habe mich nicht festgelegt“, sagt der Trainer. „Das wird sich herauskristallisieren.“ Es sei schön, nun wieder mehrere Optionen zu haben. Das eröffne ihm die Möglichkeit, „spielspezifisch“ reagieren zu können, jeder Spieler habe ja „andere Stärken“.

Gehe es darum, einen ruhigen, klugen Spielorganisator auf dem Feld zu haben, „ist natürlich Makoto prädestiniert.“ Wenn es mal etwas derber zugehen könnte, könnte auch mal Smolcic „die Nase vorne haben“. Am Kroaten schätzt Glasner seine „Kopfballstärke und Robustheit.“ Und nicht zu vergessen: WM-Teilnehmer Jakic bildete in den beiden entscheidenden Champions-League-Partien gegen Marseille und in Lissabon das zentrale Glied der Dreierkette. Jakic sei der, der irgendwie „alles kann“, wie Glasner findet. Ausgang zurzeit offen.

Nur bei einem Thema hat er sich festgelegt, eine Abkehr vom Erfolgssystem soll es nicht geben. Zwar findet der Österreicher nach wie vor, dass die Debatte um Dreier- oder Viererkette überbewertet wird, weil es „immer um Verhaltensweise in bestimmten Spielsituationen“ gehe, trotzdem legt er sich fest: „Die Mannschaft fühlt sich so wohl, wir waren erfolgreich. Es gibt keinen Grund, alles über den Haufen zu werfen.“

Hasebe wartet geduldig auf seine Chance

Eine große Überraschung wäre es nicht, wenn Makoto Hasebe erst einmal mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen müsste. Das ist fast immer nach einem Neustart so, zumeist versuchen es die Trainer zunächst ohne den Bundesliga-Dino. Nicht weil sie ihn nicht wertschätzen, aber man müsse ja auch irgendwann mal ohne einen fast 40-Jährigen auskommen können. Hasebe wartet dann geduldig auf seine Chance, und wenn sie kommt, ist er gleich voll da und schafft es oft, die Spiele durch seine Antizipation, seine Ruhe und sein fußballerisches Vermögen auf ein anderes Niveau zu heben. Das würde der bescheidene Sportsmann so natürlich nie sagen, wahrscheinlich denkt er es nicht mal, aber es gehört zur Wahrheit dazu. Verärgert sei er nicht, wenn er nicht spielen dürfe, sagt die Führungskraft. „Aber auch ich will immer spielen.“ Wenn der Coach aber anders entscheide, „versuche ich trotzdem zu helfen, ich gebe alles für die Mannschaft“. Denn diese Geschlossenheit, „die Leidenschaft und Mentalität“ sei der Grund für den Aufschwung. „Unsere Stärke ist die Mannschaft.“

Und was ist nun sein persönliches Rezept, das Geheimnis seiner ewigen Jugend? Hasebe grinst. „Ich habe auch Glück gehabt“, sagt er. Im Training mache er nicht weniger als üblich, „weil ich sonst nachlasse“, und überhaupt ordne er sein Leben dem Sport unter. Und: Auch die Entwicklung des gesamten Klubs habe ihren Anteil an seinem zweiten, dritten und vierten Frühling. „Wenn es insgesamt nicht gut läuft, wird es in diesem Alter schwierig“, sagt der Nestor. Aber so kann er ja noch ein bisschen spielen, vielleicht fünf, sechs Jahre. Konservativ geschätzt. (Ingo Durstewitz)

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