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Eintracht-Fans erwischen Barcelona auf falschem Fuß

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Von: Thomas Kilchenstein

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Hurra, Hurra, die Frankfurter sind da - und es sind viele.
Hurra, Hurra, die Frankfurter sind da – und es sind viele. © Revierfoto/Imago Images

Der FC Barcelona reagiert pikiert, weil so viele Frankfurter Fans in ihr Stadion gekommen sind.

Barcelona – Nach der Pause waren sie einfach nicht mehr gekommen. Die „Culers“ genannten, stimmungsvollen Fans des FC Barcelona, die ganz unten, direkt hinter dem Tor, die Blaugrana lautstark anzufeuern pflegen. Sie blieben einfach draußen. Nicht weil ihre Mannschaft überraschend zur Pause mit 0:2 gegen einen Underdog hinten lag, sondern weil sie gegen die Ticketpolitik des Klubs protestieren wollten. Erst nach zehn Minuten kamen sie wieder zurück. Was diese Fans und später auch Trainer Xavi so auf die Palme brachte, war die schiere Masse an Frankfurter Fans, die den Weg ins Stadion nicht nur gefunden, sondern auch eine Eintrittskarte erstanden hatten.

Xavi war darob so sauer, dass er in der Spielpressekonferenz fast zehn Minuten zu diesem Thema redete, von einem „Planungsfehler“ des Vereins sprach. Er fühle sich fast wie in einem Endspiel, das je zur Hälfte mit den jeweiligen Fangruppen besetzt sei. „Wir möchten wissen, was geschehen ist. Wenn wir zu Hause spielen, kann das nicht passieren“, sagte Xavi. Auch Barca-Präsident Joan Laporta zeigte sich empört. „Ich bin besorgt, denn das, was passiert ist, war eine Schande, die sich nicht wiederholen darf“, sagte er und kündigte eine Aufarbeitung an: „Wir werden Maßnahmen ergreifen, denn das ist beschämend. Ich schäme und entschuldige mich. Das wird nie wieder passieren.“

Eintracht Frankfurt: „Unsere Fans sind am kreativsten“

Tatsächlich weilten bestimmt 25.000 Eintracht-Fans, im ganzen Stadion verteilt, in der Betonschüssel und sorgten für einen außergewöhnlichen Support. Auf allen möglichen Kanälen und (fast) unmöglichen Wegen hatten sich Frankfurter mit Tickets eingedeckt, „Unsere Fans sind am kreativsten, sich Tickets zu besorgen. Das war so und wird immer so sein“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann. Viele Barca-Fans hatten ihre Karten an Deutsche verkauft. „Den FC Barcelona trifft keine Schuld“, sagte Hellmann.

Aber es zeugt nicht gerade von großer Souveränität, wenn sich Barca im Moment einer schweren, unerwarteten Niederlage auf einen Nebenschauplatz flüchtet und sich über zu viele Unterstützer für den Gegner echauffiert. Von den knapp 80.000 Zuschauenden schlug bei 55.000 das Herz immer noch für Blaugrana. Und wollte der Weltklub Barcelona wirklich die zahlreichen Frankfurter Fans als Grund für das Ausscheiden heranziehen?

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Dass Barcelona einen Aufmarsch Frankfurter Fans erwarten musste, war ja bekannt. Bestimmt 30.000 Deutsche waren in der Stadt, sie feierten den ganzen Donnerstag friedlich, was ja auch nicht immer vorkommt, und lautstark an zentralen Plätzen der Stadt, auf der Rambla etwa, am Hafen oder dem Placa de Catalunya, in zwei Sternmärschen zogen sie dann nach Camp Nou. Offensichtlich war der FC Barcelona von dem wiewohl angekündigten Andrang und der schieren Zahl der Fans auf dem falschen Fuß erwischt.

Eintracht-Trainer Oliver Glasner jedenfalls war noch lange geflashed von dieser Energie, die von den Rängen auf den Rasen floss. Und doch gingen seine Gedanken weit zurück: Wenn ihm nach dem Pokal-Aus in Mannheim im letzten Sommer jemand gesagt hätte, die Eintracht gewinne in Barcelona, den „hätte ich ihn für verrückt erklärt“. So kann es gehen. (Thomas Kilchenstein)

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