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Constant Djakpa: „Ich selbst bin mein bester Freund.“

Constant Djakpa

Lustiger Vogel voller Unlust

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Der lange Zeit verletzte Eintracht-Verteidiger Constant Djakpa mag nicht mehr reden, er will lieber seine Füße sprechen lassen.

Plötzlich hatte es Constant Djakpa fürchterlich eilig. Nachdem die morgendliche Einheit abgepfiffen und auch die letzte Sehne in den muskelbepackten Beinen des Ivorers ausgedehnt war, nahm er Reißaus, krabbelte flugs unter dem Geländer hindurch und wollte einen ganz weiten Bogen um die wartenden Reporter machen, sie gekonnt ins Abseits stellen. Doch da hatte der Frankfurter Linksverteidiger die Rechnung ohne Pressesprecher Carsten Knoop gemacht, der den eigentlich so lustigen Vogel durch wildes Winken herbeizitierte.

Seine Unlust konnte der Abwehrspieler nicht verbergen; ein, zwei Minuten diskutierte er lebhaft mit dem Medienbeauftragten, dann baute er sich unwillig vor den Journalisten auf und beantwortete die Fragen so schnell er konnte. Nur einmal kam der alte Djakpa durch, als er kurz vor Ende des Gesprächs frohlockte: „Ich selbst bin mein bester Freund.“ Da hat er dann herzhaft gelacht. Und das Gespräch zehn Sekunden später beendet. „Das ist zu viel Stress für meinen Kopf.“ Eigentlich sollte er ja ohnehin nur drei Fragen beantworten und nicht fünf oder sechs.

Schaaf bremst

Seit Constant Djakpa vor ein paar Wochen, als er nach seinem Kreuzbandriss gerade in den Kreis der Mannschaft zurückgekehrt war, in einer lockeren Runde gesagt hat, dass er von den vier ausstehenden Heimspielen sicherlich noch drei absolvieren könne, hat er nicht mehr mit den Medien sprechen wollen. Denn sein Trainer, Thomas Schaaf, hat den flinken Mann auf links gleich mal eingebremst. „Er ist jetzt erst einmal ganz hinten dran. Wir wissen ja, was er immer alles so erzählt.“ Djakpa, Spitzname DJ Akpa, fand das nicht so gut.
Er trägt für gewöhnlich sein Herz auf der Zunge, einen Tag nach seinem Kreuzbandriss im September humpelte er die Treppen vor der Mannschaftskabine hinauf und rief den Journalisten zu: „Macht Euch um mich keine Sorgen, in sechs Wochen kann ich wieder spielen.“ Es sind dann doch sechs Monate geworden. Wie bei allen anderen auch.
Am Samstag in Dortmund könnte die Zeit des Nationalspielers der Elfenbeinküste gekommen sein. Bastian Oczipka, die Stammkraft hinten links, ist gelbgesperrt, Djakpa ist der letzte nominelle Linksverteidiger im Kader der Eintracht. Da kann er sich berechtigte Hoffnungen machen.

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Natürlich könnte auch Timothy Chandler die Seiten wechseln, in der US-amerikanischen Nationalmannschaft bei Jürgen Klinsmann spielt der Rechtsverteidiger immer auf links. Oder aber David Kinsombi, der junge Nachwuchsspieler, könnte dort verteidigen, schon einmal, in Hannover, bot Trainer Schaaf den 19-Jährigen als linkes Glied der Viererkette auf – mit mäßigem Erfolg allerdings. Die Frage wird natürlich sein, ob der Coach dem wieder genesenen Djakpa schon ein Spiel über 90 Minuten auf diesem Niveau und in der emotional aufgeladenen BVB-Arena zutraut.

Fühlt er, Djakpa, sich selbst eigentlich sicher und fit genug, um sieben Monate nach seinem beim Spiel in Schalke erlittenen Kreuzbandriss seinen Mann zu stehen? „Ich bin bereit“, sagt er, aber bleibt sonst betont vorsichtig. „Ich muss abwarten.“ Im Training sieht das sehr manierlich aus, was er veranstaltet, er spielt fast so, und das ist sicher das größte Kompliment, als sei er nie weggewesen.

Lob für Madlung

Am vergangenen Freitag beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach stand Djakpa erstmals wieder im Aufgebot, zum Einsatz kam er jedoch nicht. Es sei aber ein schönes Gefühl gewesen, wieder ein vollwertiges Mitglied der Mannschaft gewesen zu sein und die Atmosphäre im Stadion genießen zu dürfen. „Ich habe mit den Spielern auf dem Feld gelitten.“

Das, was die Kollegen da beim 0:0 gegen Gladbach gezeigt haben, gefiel Djakpa. „Wir waren gut in der Defensive“, betont er. Und hebt vor allen Dingen Alexander Madlung hervor: „Er war richtig stark.“ Das seien auch die Dortmunder, aber ein Draufgänger und Wildfang wie Djakpa hat natürlich keine Angst. „Ich muss im Training jetzt noch mehr Gas geben“, sagt er knapp – und zieht von dannen. Er hat genug geredet, jetzt sollen nur noch seine Füße sprechen.

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