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Braucht noch ein bisschen Training, um „in Form zu kommen“: Luka Jovic, Knipser und Heimkehrer.
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Braucht noch ein bisschen Training, um „in Form zu kommen“: Luka Jovic, Knipser und Heimkehrer.

Eintracht-Rückkehrer

Luka Jovic träumt von der Champions League

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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In seiner Frankfurter Wohlfühloase findet Stürmer Luka Jovic zu alter Torgefahr zurück und nimmt mit der Eintracht die Champions League ins Visier.

Natürlich ist Luka Jovic nicht wegen eines traurigen Filip Kostic zur Eintracht nach Frankfurt zurückgekehrt, ganz sicher nicht. Aber selbst in Madrid war ihm zu Ohren gekommen, dass „Filip nicht mehr so viel lächelt“. Jetzt sind die beiden Freunde wieder zusammen, Kostic lächelt, Jovic trifft, und ganz Frankfurt freut sich, dass der Stürmer wieder da ist, zumindest bis Mitte Mai. Hier in Frankfurt, „wo ich am glücklichsten war“, wie Jovic selbst sagt, blüht der Mann förmlich auf. Sein märchenhafter Einstand mit zwei Toren gegen Schalke hat ihm gleich bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Es war mein unbedingter Wunsch, nach Frankfurt zurückzukehren“, sagt der 23-Jährige, „der Stil des Teams liegt mir, es ist sehr gut angelaufen“. Und hier in Frankfurt genieße er „ein großes Standing, auch beim Trainer“. Mit Adi Hütter, den er - wie auch Real-Coach Zinedine Zidane - als „phänomenal“ bezeichnete, könne er schlicht einfacher kommunizieren, dazu weiß Hütter den Mann mit der Nummer neun zu nehmen. Ein paar Streicheleinheiten tun auch einem Kraftpaket mit den mächtigen Waden gut.

Es ist für Luka Jovic ein bisschen, wie nach Hause kommen.

Eintracht Frankfurt: Luka Jovic fühlte sich in Madrid nicht wohl

Die Zeit in Madrid war für den zweifachen Vater keine einfache, er fühlte sich nie heimisch, blieb weitgehend ein Fremdkörper im Team der Superstars, er kam nicht zurecht. Nicht auf dem Rasen und nicht daneben. In eineinhalb Jahren sind ihm für Real ganze zwei Tore gelungen, in 1014 Minuten, in denen er spielte. In Frankfurt benötigte er lediglich 76 Minuten Spielzeit, um drei Treffer zu erzielen, sogar sehenswerte. In Spanien, wo er ein Gehalt von etwa zehn Millionen Euro erhält, fiel er mehr durch Eskapaden auf. Er reiste nach Belgrad, um den Geburtstag seiner Freundin zu feiern, obwohl in Serbien seinerzeit eine Ausgangssperre verhängt war. Die Staatsanwaltschaft erhob prompt Anklage und stellte das Verfahren, im Zuge dessen ihm eine sechsmonatige Haftstrafe drohte, erst gegen die Zahlung von 30 000 Euro ein. Es gab Pool-Parties, auf denen der 23-Jährige nicht hätte sein sollen, dann brach er sich das Fersenbein. Allenthalben wurde mit Kritik nicht hinter dem Berg gehalten, Jovic sei nicht zu 100 Prozent fokussiert, lautete der Vorwurf von Real. Dann infizierte er sich auch noch mit dem Coronavirus.

Er selbst sagt: „Viel Pech, einige Verletzungen und privat lief auch nicht alles glatt“ - all das hätte ihm das Einleben bei Real erschwert, näher will er nicht darauf eingehen, aber er wisse, „ein guter Spieler zu sein“, zumal er sich im Training mit den weltbesten Spielern weiterentwickelt habe. Er müsse niemandem etwas beweisen. „Der liebe Gott hat mir dieses Talent und diesen Torriecher gegeben“, hatte er vor zwei Jahren im großen FR-Interview gesagt. Sein Selbstbewusstsein hat in Madrid nicht gelitten.

Luka Jovic braucht seine „Wohlfühloase“

Luka Jovic ist bestimmt kein Quertreiber, kein schwieriger Charakter. Viel spricht dafür, dass er mit seiner neuen Rolle nicht zurecht kam, mit dem vielen Geld, das er verdient, dem Rampenlicht, den Erwartungen beim königlichen Klub, die deutlich mehr als 60 Millionen Euro für ihn auf den Tisch des Frankfurter Hauses geblättert hatten. Da ist furchtbar viel auf den jungen Mann eingestürzt, Dinge, denen er nicht gewachsen war, vielleicht hat er auch zu sehr auf falsche Einflüsterungen gehört. Einiges hat sich verschoben im Koordinatensystem des Luka Jovic. Denn im Grunde ist er ein einfacher Junge, er stammt aus einfachen Verhältnissen. Vater Milan hat den talentierten Fußballer einst täglich bald zwei Stunden mit dem Auto von seinem Heimatort Bijeljina 150 Kilometer nach Belgrad kutschiert, wo er bei Roter Stern spielte. Manchmal haben sie im Auto übernachtet. Jetzt ist er bei seiner Rückkehr nach Frankfurt mit so vielen Koffern angereist, dass er seinen Direktflug von Madrid verpasste und eine spätere Maschine nach Stuttgart nehmen musste. Zwei Autos haben die vielen Koffer kaum nach Frankfurt geschafft, dort hat er im vornehmsten Hotel der Stadt eine vorübergehende Bleibe gefunden.

Luka Jovic muss sich wohlfühlen, um seine Leistung zu bringen, braucht das richtige Umfeld, braucht auch seine Kumpel. Es ist sicher kein Zufall, dass er selbst in seiner tristen Real-Zeit auch in der serbischen Nationalmannschaft in einer vertrauten Umgebung verlässlich traf. Schon bei seinem ersten Auslandsaufenthalt in Lissabon, bei Benfica, kam er nicht zurecht, allerdings war er da auch erst 18 Jahre alt. Fehler habe er da gemacht, räumte er ein. Geknipst wie am Fließband hat er bislang nur da, wo er sich aufgehoben fühlte, bei Roter Stern und Eintracht Frankfurt, in Belgrad war er mit 16 Jahren der jüngste Spieler, der in der Profiliga sein erstes Tor erzielte, in der Bundesliga der jüngste, dem fünf Treffer in einem Spiel gelangen, seinerzeit beim 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf.

Eintracht Frankfurt ist die richtige Umgebung für Luka Jovic

In Frankfurt fühlt sich Jovic endlich wieder wohl, „das ist die richtige Umgebung für mich“, findet er. Und positiv überrascht ist er zudem von der Qualität seiner neuen, alten Mannschaft, „besser“ sei sie als damals, als er im Sommer 2019 nach einer grandiosen Saison mit 27 Toren in 48 Pflichtspielen dem Lockruf des großen Real Madrid nicht widerstehen konnte. „Großes“ könne er mit der Eintracht in den nächsten vier Monaten erreichen, und ja, „die Chance auf die Champions League“ sei durchaus vorhanden, „wenn wir so weiterspielen wie bisher“, sagt der Serbe, der selbst noch ein paar konditionelle Defizite aufarbeiten muss. Dann wäre er natürlich auch bereit, von Anfang an - an der Seite von Knipser André Silva - weiter auf Torejagd zu gehen. Eine bestimmte Anzahl an Treffern hat er sich nicht zum Ziel genommen, sagt er.

Was am Ende der Ausleihe mit ihm passiert, ob er zurück nach Madrid geht oder erneut wechselt, kann er im Moment nicht absehen. Selbst eine Verlängerung der Leihe bei der Eintracht ist denkbar. „Ich muss“, sagt Jovic, „erst mal in Form kommen.“ Klingt wie eine Drohung.

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