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Eine Handvoll Tore: Luka Jovic hat sich in die Geschichtsbücher geschossen - erst ist der erste Eintracht-Spieler der Vereinshistorie, der fünf Tore in einem Spiel erzielte.

Eintracht Frankfurt - Fortuna Düsseldorf

Luka Jovic, Ballermann

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Stürmer Luka Jovic schießt sich mit fünf Toren in die Geschichtsbücher. Erstaunlich ist vor allem seine Kaltschnäuzigkeit im Strafraum.

Irgendwann hat es Dieter Müller nicht mehr ausgehalten auf der Ehrentribüne, 20 Minuten waren in dieser denkwürdigen Bundesligapartie noch zu spielen, und dieser Kerl da mit der Nummer acht auf dem Buckel hörte einfach nicht auf mit dem ständigen Toreschießen, vier hatte er bereits markiert. Dieter Müller, am Freitag Zeuge eines magischen Abends, hat sich dann ein wenig die Beine vertreten und nur an Fernsehschirmen in den Katakomben mitbekommen, dass Luka Jovic nochmals getroffen hatte, zum 7:1, sein fünfter Treffer. Spätestens da hat sich Dieter Müller, 64, Europameister, Ex-Profi (Kickers Offenbach, 1.FC Köln, VfB Stuttgart, Girondins Bordeaux), ernsthaft gesorgt um seinen Rekord für die Ewigkeit. „Schweißperlen hatte ich da schon.“

Müller hat als bisher einziger Spieler in der langen Bundesliga-Historie das Kunststück fertig gebracht, sechs Tore in einem Spiel zu erzielen, im 17. August 1977, beim 7:2 gegen Werder Bremer. Müller stürmte seinerzeit für den 1.FC Köln. Ein Rekord, den seitdem niemand zu brechen in der Lage schien, kein Gerd Müller, kein Klinsmann, kein Heynckes und auch kein Robert Lewandowski. Aber Luka Jovic? Müller hat erst kurz vor Schluss tief durchatmen können, da hatte Trainer Adi Hütter den Helden dieser Nacht vom Platz genommen, um ihm die Ovationen des ganzen Stadions zu gönnen. 

„Das war knapp. Ein sechstes Tor hätte es nicht sein müssen. Es ist schön, dass ich den Rekord behalten habe“, sagte der Ex-Torjäger (326 Pflichtspiele, 231 Tore) anderntags der FR, nicht ohne dem jüngsten der bislang 14 Profis, die fünf Tore in einer Begegnung erzielt hatten, ein Kompliment auszuschütten. „Ein kompletter Spieler, beweglich, er hat alle Qualitäten.“ Der Ritterschlag. Dass er Müllers Rekord hätte einstellen können, hat der Junge nicht gewusst.  Hinterher prasselten die Lobeshymnen nur so hernieder auf den gerade mal 20 Jahre alte Serben.

Und obwohl es Trainer Adi Hütter war, der einen vorsichtigen Umgang mit Superlativen anmahnte, war es gerade er, der am höchsten ins Regal griff: „Luka hat das Potenzial zu einem Weltklassestürmer.“ Vor allem, weil er in jungen Jahren bereits verdammt viel mitbringe. „Er hat am Freitag Tore gemacht mit links, mit rechts und mit dem Kopf.“ Jovic zähle zur Kategorie Stürmer, „wie ich sie selten gesehen habe“, schlichtweg „toll“, zog Hütter schon bei der Auswechslung den imaginären Hut. 

Mittelfeldspieler Marc Stendera, der zur Pause kam, adelte seinen Kollegen als „Vollgranate“, Danny da Costa, nimmermüder Dauerläufer auf rechts, hält ihn schlicht für „Wahnsinn“, dazu habe er „den Platz in den Geschichtsbüchern sicher“.

„Kovac hat mich aufgeweckt“

Tatsächlich ist Jovic der erste Spieler von Eintracht Frankfurt, der fünf Tore in einem Spiel erzielt hat – das ist keinem seiner prominenten Vorgänger gelungen, keinem Jürgen Grabowskis, keinem Bernd Hölzenbein, keinem Anthony Yeboah (der hatte immerhin viermal getroffen) und auch keinem Alex Meier. Mit sieben Treffern führt er die Torschützenliste an, auch in den beiden Europa League-Spielen hatte er bereits zweimal getroffen. 

Erstaunlich ist vor allem seine Kaltschnäuzigkeit im Strafraum, „der Junge ist eiskalt“, sagt da Costa. Chancen braucht er nicht viele, am Freitag schoss er sechsmal aufs Tor. Diese Fähigkeit besitze er von klein auf, diesen Instinkt kann man nicht lernen. „Schon als Kind habe ich immer nur aufs Tor geschossen“, einmal, im Alter von zwölf Jahren, waren ihm schon mal fünf Tore gelungen, seitdem aber nicht mehr. Ohnehin gilt Jovic als frühreif, mit acht Jahren wechselte er schon zu Roter Stern Belgrad, Vater Milan hat ihn gefahren, 150 Kilometer. Mit 16, nach der Mittleren Reife wurde er Profi, bald galt er als Nachfolger von Davor Suker, Kroatiens Fußballheld. Das Datum seines ersten Profitors, der 28. Mai 2014, ist auf seinen Fußballschuhen eingestickt. 

Für ihn sei dieser Abend „ein besonders emotionaler“, sagte der Held, er sei „stolz“ und „glücklich“, „phänomenal“ sei der Abend gewesen. Den Spielball, den er von da Costa in die Hand gedrückt bekam, erhalten seine Eltern, noch am Abend wurde sein schweißnasses Trikot im Eintracht-Museum in einer Vitrine verstaut.

Aber Luka Jovic hat auch in der Stunde des Triumphs zumindest versucht, auf dem Boden zu bleiben. Lob gab es für die Mitspieler. „Es geht nicht um mich, sondern um die Mannschaft, die das heute hervorragend gemacht hat.“ Ohne deren Vorarbeiten hätte er nicht treffen können. Wie stark der Frankfurter Angriff in dieser Saison besetzt ist, zeigt allein die Tatsache, dass Luka Jovic keinen Stammplatz hatte, in den ersten beiden Bundesligaspielen war er nur Ersatz, danach kam er meist als Joker. Von 490 möglichen Minuten hat er nur 297 absolviert.

Auch in der vergangenen Runde pendelte er oft zwischen Rasen und Ersatzbank, das Pokalfinale verpasste er, obwohl er es war, der mit einem artistischen Hackentrick die Mannschaft überhaupt erst nach Berlin beförderte. Viel, sagt er, habe er Ex-Trainer Niko Kovac zu verdanken, „er hat mich als Typ und Spieler weitergebracht. Niko hat mich aufgeweckt“. Adi Hütter, sein aktueller Coach, hingegen, „hat mir noch ein paar mehr Freiheiten gegeben, so dass ich den Schritt weitergehen konnte“. Ohnehin hat Luka Jovic erst in Frankfurt einen professionelleren Umgang mit seinem Beruf erlernt. Das war ein Grund, warum der so Hochbegabte bei seinem alten Klub Benfica Lissabon zeitweise in der zweiten Mannschaft gekickt hatte. „Es war meine Schuld. Ich bin in Frankfurt in einem Monat mehr gelaufen als in Lissabon in einem Jahr“, sagte der in seiner Heimat als „Falcao Serbiens“ verehrte Angreifer einst im FR-Interview. 

Immerhin besitzt die Eintracht bei Jovic, bis Sommer 2019 ausgeliehen, eine Kaufoption, zwölf Millionen Euro werden fällig. Bereits Anfang Oktober hatte Sportvorstand Fredi Bobic gesagt, dass man den Angreifer „natürlich“ endgültig kaufen werde. Jovic, dessen Marktwert deutlich höher als zwölf Millionen Euro liegt, gehört dann der Eintracht fest. Schon im Sommer gab es Klubs, die den Serben für astronomische Summen hätten kaufen wollen. Keine Frage: Da hat die Eintracht ein echtes Juwel in ihren Reihen. 

Vor dem Spiel hatte sich Luka Jovic übrigens mit den stürmischen Kollegen Rebic und Kostic darüber unterhalten, dass er noch keine zwei Tore in einem Spiel gemacht habe. Sie hätten gesagt, erzählte der 20-Jährige, „Du machst heute nicht eines, sondern zwei.“ Oder halt noch drei mehr. 

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