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Wieder eine Niederlage für Thomas Schaaf.

Eintracht Frankfurt

Die Luft ist raus

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt wird nach der Niederlage in Dortmund nicht ganz unerwartet in der Tabelle weiter nach unten durchgereicht.

Wer sich die Mühe macht und sich in der Datenbank bei bundesliga.de die Statistiken zum Punktspiel der Frankfurter Eintracht bei Borussia Dortmund durchliest, der wird entweder bass erstaunt sein oder sich in der Annahme bestätigt fühlen, dass statistische Spielereien dieser Art barer Unfug sind. Denn in der Rubrik Torschüsse steht dort tatsächlich: 12:11. Das ist bemerkenswert oder auch – absurd.

In Wahrheit ist es nämlich so, dass Borussia Dortmund auch einen B-Jugend-Torwart in das 2,44 Meter hohe und 7,32 Meter breite Alugehäuse hätte stellen können, am Endergebnis von 2:0 hätte es nichts geändert. Eintracht Frankfurt hat es nämlich wahrhaftig geschafft, in 92 Minuten nicht ein einziges Mal ernsthaft auf den BVB-Kasten zu schießen. Schlussmann Mitchell Langerak hätte sich auch mit einem Campingstuhl und einer Capri Sonne in den Fünfer setzen können. Wie die fleißigen Statistiker auf elf Torschüssen kommen, ist deren Geheimnis – aber vielleicht haben sie den Freistoß-Knaller in die Mauer von Lucas Piazon, den Heber auf das Tornetz von Nelson Valdez, den 20 Meter vor dem Tor abgeblockten Hammer von Slobodan Medojevic oder ähnliches Kaliber mitgezählt. Wie auch immer.

Eintracht Frankfurt hat am Samstag in Westfalen sicherlich die letzte, ohnehin nur noch rechnerische, Chance verspielt,   an den europäischen Startplätzen zu schnuppern. Sie hat diese Gelegenheit nicht fahrlässig oder willfährig ausgelassen, nein, sie hat einfach nicht die Klasse, die Einstellung und den Willen dazu. Wer sich gegen die Leichtgewichte der Liga die Butter vom Brot nehme lässt, wer zu Hause e gegen Hannover einen 2:0-Vorsprung herschenkt, der hat nichts verloren in der Euro League.

Harmlos, schüchtern

Natürlich waren die Hessen in Dortmund ohne vier Stammspieler angetreten, ohne den gesperrten Bastian Oczipka und ohne die verletzten Alexander Meier, Stefan Aigner und Marco Russ, das ist natürlich eine erhebliche Schwächung. Aber muss man sich dann gleich dermaßen harmlos und schüchtern präsentieren wie Eintracht Frankfurt es tat? Nichts war mehr zu sehen von den guten Ansätzen gegen Borussia Mönchengladbach, kein Wille, kein Aufbäumen. Die Eintracht-Profis ließen das Spiel so dahin plätschern, das alles wirkte teilnahmslos, phlegmatisch, hasenfüßig. Es war eine niederschmetternde, indiskutable Leistung, die sich natürlich auch durch die Ausfälle erklären lässt, aber nicht in Gänze. Dazu war die Darbietung zu blutleer viel zu bieder. Selbst BVB-Coach Jürgen Klopp fand das Dargebotene „ein bisschen langweilig“, der Gegner habe nun auch nicht den „maximalen Druck ausgelöst“ – und so brauchten die Borussen einen Strafstoß (Sonny Kittel bekam den Ball an die nach oben gereckte Hand), um das Pendel zu ihren Gunsten ausschlagen zu lassen.

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Dabei spielten die Schwarz-Gelben nicht gerade die Sterne vom Himmel. Deutlich wurde zudem, dass es einen Grund gibt, warum Borussia Dortmund in dieser Saison derart einbrach. Für Eintracht Frankfurt aber reichte eine Durchschnittsleistung locker.

Die Frankfurter schleppten zu viele Spieler durch, die nicht mal annähernd Normalform erreichten, mehr als die Hälfte der Mannschaft blieb weit unter den Erwartungen. Carlos Zambrano, Aleksandar Ignjovski, Timothy Chandler, Lucas Piazon und die Stürmer Haris Seferovic und Nelson Valdez zeigten denkbar schwache Leistungen, das war schlichtweg ungenügend. „Es ist ja eindeutig, dass Qualität fehlt“, resümierte Schaaf. Dieses Gefühl hatten auch die Spieler auf dem Platz. „Wir haben uns ja gar keine Chancen herausgespielt. Man merkt schon, dass Spieler fehlen“, urteilte Valdez trefflich.

Wie harmlos sich die Hessen in Dortmund präsentierten, zeigt auch die Aussage des Sportdirektors Bruno Hübner: „Bis zur Mittellinie haben wir den Ball gut in den eigenen Reihen gehalten.“ Bis zur Mittellinie. Spätestens dann aber war es vorbei, dann kam nichts mehr. „Der Mut, den letzten Ball nach vorne zu spielen, hat gefehlt“, fügte Hübner an. Er hat aber sehr wohl auch gemerkt, dass „wir nicht zum Abschluss kommen. Da macht sich schon Gedanken.“ Alexander Meier fehlte an allen Ecken und Kanten, vor allem im Strafraum.

„Die Entschlossenheit hat uns gefehlt. Das ist der Hauptunterschied gewesen“, befand Trainer Schaaf: „Wenn man was erreichen will, muss man den Gegner auch verletzen.“ Das stimmt, greift aber zu kurz. Die Luft ist komplett raus aus dieser Mannschaft, da geht nicht mehr viel. Die Schwäche in der Fremde nimmt dramatische Züge an, ein Punkt von 21 möglichen bei sieben Auswärtsspielen, ist ziemlich wenig, seit neun Spielen hat die Eintracht                                                                                                                         außerhalb des eigenen Stadion nicht gewonnen. Das gab es zuletzt in der Abstiegssaison 2010/11. Die Mannschaft wirkt ausgebrannt und ausgelaugt.

Und sie droht, viele Millionen an TV-Geldern zu verspielen. Jeder Tabellenplatz besser bringt bares Geld, 1,2 Millionen pro Rang. Doch derzeit sieht es eher danach aus, dass die Hessen immer weiter durchgereicht werden. Hielten sie wochenlang Platz acht, was Eintracht-intern ja stets als erstaunlicher Erfolg gefeiert wurde, so sind in letzter Zeit Werder Bremen, Borussia Dortmund und auch Mainz 05 an der Eintracht (36 Punkte) vorbeigezogen, der 1. FC Köln (35) und Hertha BSC (34) könnten die nächsten sein. Klubchef Heribert Bruchhagen hat vor drei Wochen noch gefordert, „mindestens Platz zehn“ zu erreichen, und nach Möglichkeit „zwei Plätze vor Bremen“ zu stehen. Danach sieht es derzeit nun wirklich nicht aus.

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