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In Wartestellung: Trainer Sascha Lewandowski.

Trainersuche

Der logische Kandidat

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Als Nachfolger für Thomas Schaaf bei Eintracht Frankfurt ist der Leverkusener Nachwuchschef Sascha Lewandowski im Gespräch.

Eigentlich wollte Bruno Hübner jetzt mal abschalten, den Geist runterfahren und den Akku wieder aufladen. „Ich wollte mir ein paar erholsame Tage machen“, sagte der Sportdirektor der Eintracht. Doch daraus wird nichts. „Ich fange von ganz vorne an. Jetzt beginnt die Arbeit.“ Bruno Hübner muss, wie schon vor einem Jahr, erneut einen Trainer suchen, dieses Mal für den am Dienstag zurückgetretenen Thomas Schaaf. Hübner wird sich sofort an die Arbeit machen, Fäden spinnen, Kontakte knüpfen, Telefonate führen. Er will sich bei der Suche nicht unter Druck setzen lassen, aber viel Zeit hat er auch nicht. Eine Hängepartie wie vor zwölf Monaten, als Armin Veh ebenfalls freiwillig aus dem Amt schied, darf es dieses Mal nicht geben. In knapp fünf Wochen schon beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Und der neue Mann auf der Kommandobrücke soll ja auch in die Kaderplanung mit einbezogen werden. „Das sollte so sein“, sagte Hübner, auch wenn er einwirft, dass „nicht ganz so viel Bewegung drin ist. 80, 90 Prozent des Kaders steht. Wir wollen die Mannschaft gezielt verstärken.“ Eine Hauruck-Aktion wird es nicht geben im Trainercasting. „Es ist nicht so einfach“, sagte Hübner. „Wir wollen den bestmöglichen Trainer holen.“

Keine Gespräche geführt

Da könnten einige Wege nach Leverkusen führen. Dort arbeitet Sascha Lewandowski als Nachwuchschef. Schon vor einem Jahr fiel sein Name. Dem Ex-Cheftrainer von Bayer 04 war zugetraut worden, in die Fußstapfen des scheidenden Fußballlehrers Veh zu treten. Doch Lewandowski entschied sich gegen ein Engagement bei den Profis, er trat zurück ins zweite Glied und arbeitete als Nachwuchschef für Bayer 04. Nun ist er bereit für ein Engagement in der Bundesliga. Kommt der 43-Jährige nun im zweiten Anlauf doch noch nach Frankfurt?

Bruno Hübner wollte keine Namen kommentieren, auch nicht den von Nachwuchstrainer Alexander Schur, der in absehbarer Zeit aufgebaut werden soll und womöglich mit ins Trainerteam der Profis einsteigen soll. Er legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass kein Eintracht-Funktionär bislang mit einem anderen Trainer gesprochen habe. Das betonte auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen ausdrücklich. „Es gab keinerlei Kontakt zu irgendeinem Trainer.“ Eine Aussage, die nach FR-Informationen korrekt ist und auch auf Sascha Lewandowski zutrifft. Der umworbene Coach bestätigte das gegenüber dem Radiosender FFH: „Ich habe bisher mit keinem Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt gesprochen. Ich habe bis zum jetzigen Zeitpunkt nur einmal mit RB Leipzig verhandelt. Einer meiner Grundsätze ist: Ich spreche mit keinem Verein, bei dem der Trainer noch im Amt ist.“ Das ist in Frankfurt nicht mehr der Fall.

Nicht ohne Bakschisch

Aus Leverkusen meldete sich gleich mal Geschäftsführer Michael Schade zu Wort. Lewandowski, sagte er, habe noch einen Vertrag. „Verträge kann man beenden, aber nicht ohne Bakschisch.“ Mit anderen Worten: Für den Coach ist eine Ablösesumme fällig, die allerdings nicht allzu üppig ausfallen wird. Bayer Leverkusen wird dem treuen Mitarbeiter keine dicken Steine in den Weg rollen, zu groß sind die Verdienste, die er sich um den Werksklub erworben hat. Und Lewandowski will auf alle Fälle in den Profifußball zurück. Dem „Kicker“ sagte er unlängst, das Feld in Leverkusen sei bestellt, „und jetzt will ich wieder das machen, was ich am liebsten mache und auch am besten kann. Und das ist nun mal die tägliche Arbeit mit meiner Mannschaft.“

Für Eintracht Frankfurt wäre die Verpflichtung des gebürtigen Dortmunders eine sinnvolle Geschichte. Er gilt als moderner Trainer mit einem klaren Konzept und einer stringenten Linie, er hat eine moderne Philosophie und kann sie auch entsprechend rüberbringen. Er ist ein eloquenter Trainer, ein guter Kommunikator. Das würde ihn klar von Thomas Schaaf unterscheiden. Lewandowski wird von den Leverkusener Spielern als absolute Kapazität gelobt. „Er besitzt ein sehr gutes taktisches Verständnis und einen genauen Plan“, sagte Simon Rolfes. „Und er kann das binnen kürzester Zeit auch vermitteln. Seine Vorstellungen waren für uns sofort greifbar.“

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