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Eintracht gewinnt gegen Marseille: Showdown in Lissabon

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Jubel und Ärger: Frankfurts Stürmer Randal Kolo Muani feiert sein Tor zum 2:1 mit Mario Götze. Marseilles Torwart Pau Lopez schiebt Frust.
Jubel und Ärger: Frankfurts Stürmer Randal Kolo Muani feiert sein Tor zum 2:1 mit Mario Götze. Marseilles Torwart Pau Lopez schiebt Frust. © dpa

Durch einen hart erkämpften 2:1-Erfolg über Marseille hat Eintracht Frankfurt am letzten Königsklassen-Spieltag alles in der eigenen Hand.

Frankfurt - Wie er europäisch überwintern wolle, ist Oliver Glasner vor der Partie gegen Olympique Marseille gefragt worden. „Am besten das Heimspiel gewinnen“, hat der Trainer von Eintracht Frankfurt leichthin gesagt. Gesagt, getan, aber es war ein hartes Stück Arbeit nötig. Der 2:1 (1:1)-Sieg gegen die Südfranzosen eröffnet den Hessen weiterhin (gute) Chancen, weil im anderen Spiel in der Champions League Sporting Lissabon gegen den Favoriten Tottenham Hotspur 1:1 spielte. Deswegen kommt es am nächsten Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt zum Showdown. Und in dieser extrem ausgeglichenen Gruppe ist weiterhin alles möglich. Es war eine unglaubliche Energieleistung, die diesen ersten Heimsieg in der Champions League möglich machte.

Die Freude bei den Frankfurter Spielern war nach dem Schlusspfiff des spanischen Unparteiischen Jesus Gil Manzano gestern Abend im Stadtwald mit Händen zu greifen, manche Frankfurter Profis gingen erst einmal zu Boden, so viel hatten sie investieren müssen und so viel hatten sie erreicht. Nun gibt es in Lissabon das Endspiel.

Eintracht Frankjfurt gewinnt gegen Olympique Marseille

Trainer Glasner hatte dann doch das Risiko gescheut und Hvorje Smolcic, einer von zwei Innenverteidigern mit einem starken linken Fuß, auf die „verkehrte“ Seite zu stellen. Der Kroate spielte im Zentrum der Dreierabwehrkette, Kristijan Jakic, Allzweckwaffe im defensiven Bereich, musste mal wieder eine neue Position spielen, zum dritten Mal, dieses Mal rechter Innenverteidiger. Dazu verhalf der Frankfurter Fußballlehrer Mario Götze zu seinem 50. Champions League-Spiel.

Zuvor jedoch brannten beide Fanlager wieder ein ordentliches Feuerwerk ab, wobei die Eintracht-Kurve mit einem riesigen Spruchband dem am vergangenen Wochenende verstorbenen Ex-Präsident Rolf Heller gedachte: „Die Kurve leuchtet für dich. Ruhe in Frieden, Padrone Rolf.“

Eine lange Anlaufphase benötigte diese stimmungsvolle, im ersten Abschnitt unglaublich intensive Partie nicht. Ein Abtasten gab es nicht, und praktisch mit dem ersten gelungenen Angriff gingen die Hausherren schon in Führung. Christopher Lenz und Evan Ndicka hatten sich auf der linken Seite clever durchkombiniert, Ndicka flankte die Kugel flach herein und weil Jesper Lindström den Ball geschickt durch seine Beine passieren ließ, vermochte der mitgelaufene Daichi Kamada zum 1:0 ins Tor schießen. Drei Minuten waren da gerade absolviert, und das ist es wohl, was man einen Auftakt nach Maß nennt. Und in diesem Rhythmus sollte es weitergehen, es gab in den ersten 45 Minuten kaum Verschnaufpausen, beide Teams hatten den Vorwärtsgang eingeschaltet, beide wussten um die Wichtigkeit dieser Partie.

Eintracht Frankfurt agiert mit viel Herzblut

Olympique Marseille, in der Liga zuletzt mit drei Niederlagen, entpuppte sich als bärenstarkes, sehr ballsicheres Team, das sogar mehr Spielanteile hatte, teilweise feldüberlegen war. Aber die Eintracht mit ihrer neu formierten Abwehr stemmte sich mit Macht und viel Herzblut gegen die Angriffsbemühungen der Südfranzosen. Es war, wie immer in der Champions League, ein sehr intensives Spiel, die Frankfurter mussten einen hohen läuferischen Aufwand betreiben, um Paroli bieten zu können.

Aber das taten sie wahrlich nicht schlecht. Vor allem suchten sie, so wie sich die Gelegenheit bot, selbst den Weg zum Tor. Mario Götze hätte mit einem Kopfball (15. Minute) fast das 2:0 erzielt, um Haaresbreite strich der Ball am Pfosten vorbei. Auch Christopher Lenz, erstaunlich offensiv, hatte einen Treffer auf dem Fuß, er scheiterte aber freistehend an Torwart Pau Lopez (19.). Insofern fiel der Ausgleich durch Matteo Guendouzi, zwischenzeitlich auch mal bei Hertha Berlin am Ball, ein bisschen aus heiterem Himmel, dafür war er sehenswert,. Guendouzi nahm eine feine Flanke von Chancel Mbemba volley und donnerte den Ball unters Tordach. Unverdient war der Ausgleich sicher nicht, Marseille hatte nicht locker gelassen.

Und doch dauerte es nur fünf Minuten, ehe die Gastgeber erneut in Front lagen. Wieder hatte Lindström seine Beine im Spiel gehabt, Mario Götze spielte mit Randal Kolo Muani im Fünfmeterraum Doppelpass und der Frankfurter Stürmer schob den Ball ins Tor (27.). Bis dahin war dem Angreifer wenig gelungen, im reichte aber eine gelungene Aktion, um seine Torgefährlichkeit unter Beweis zu stellen.

Danach mussten die Hessen noch zwei brenzlige Situationen bis zur Pause überstehen. Erst klärte Hrvoje Smolcic in allerletzte Sekunde vor dem einschussbereiten Alexis Sanchez in bester Martin Hinteregger-Manier, dann entschärfte Torwart Kevin Trapp praktisch mit dem Halbzeitpfiff einen Schuss von Amine Harit.

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Eintracht Frankfurt hält dagegen

An Intensität und Tempo änderte sich auch nach Wiederanpfiff wenig. Olympique Marseille erhöhte die Schlagzahl, Eintracht Frankfurt hielt dagegen, musste das aber auch. Auch weil die Konterversuche der Hessen oft versandeten, selbst Mario Götze war da beim letzten Pass nicht frei von Fehlern, einmal verpasste der für den am Oberschenkel angeschlagenen Lenz noch vor der Pause eingewechselte Luca Pellegrini den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel.

Die Eintracht schaffte es immer seltener, für Entlastung zu sorgen. Marseilles Trainer Igor Tudor brachte nach einer Stunde frische Offensivkräfte, etwa den türkischen Nationalspieler Cengiz Ünder. Der Druck nahm zu. Trainer Glasner reagierte, schickte Sebastian Rode zur Stabilisation aufs Feld, kurz darauf Faride Alidou und Rafael Borré. Die Partie wurde hektisch, sie stand auf des Messers Schneide. Immer mehr rückte Kevin Trapp in den Mittelpunkt, etwa als er einen Freistoß von Alexis Sanches aus dem Eck fischte oder zweimal allein gegen Under zur Stelle war (84.). Mit ein bisschen Dusel, aber auch Abgezocktheit schaukelten die Frankfurter den ersten Heimsieg in der Königsklasse nach Hause. (Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz)

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