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Das Leichtgewicht: Mijat Gacinovic im Gespräch mit Armin Veh.
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Das Leichtgewicht: Mijat Gacinovic im Gespräch mit Armin Veh.

Eintracht Frankfurt

Die linke Problematik

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Weil ein Flügelspieler auf der linken Seite fehlt, ist auch der taktische Spielraum für Eintracht Frankfurt begrenzt.

Irgendwie ist der junge Flügelspieler Mijat Gacinovic so eine Art Phantom. Man sieht ihn kaum, aber er ist doch da. Man nimmt ihn nicht wahr, doch dann taucht er auf. Ab und an tritt er in Erscheinung, wie aus dem Nichts. Manchmal schießt er sogar ein Tor im Training. Das kommt nicht oft vor, aber zumindest hin und wieder.

Es gibt sicherlich keine Randfigur im Kader des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, über die momentan so viel gesprochen wird wie über den Serben. Man muss wissen: Gacinovic stand nicht ein einziges Mal im Aufgebot des Erstligisten aus Hessen. Für Trainer Armin Veh stand es nicht mal zur Debatte, ihn womöglich zu berufen.

Doch gerade, wenn es mal nicht so läuft, kommt ja vieles auf den Prüfstand, und dann fällt halt stärker als ohnehin schon auf, dass der Eintracht ein Spieler für die linke offensive Außenbahn fehlt, und der einzige, der diese Position zumindest nominell besetzen könnte, nicht den Hauch einer Chance bekommen hat. Das hat seine Gründe.

Eine Anlage in die Zukunft

Nach Ansicht von Trainer Veh ist der 20-Jährige einfach noch nicht so weit, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Das liegt nicht nur, aber auch an seiner Statur. Der Bursche ist eher eine zierliche Erscheinung, 66 Kilogramm verteilen sich auf eine Körpergröße von 1,75 Meter. Da gehört man nicht nur in der Bundesliga zu den Leichtgewichten. Gegen Gacinovic wirkte Takashi Inui, das zarte Geschöpf, wie ein Muskelprotz. „Ich bin nicht stark, aber schnell“, sagt der Flügelspieler, der im Sommer mit Serbien den Weltmeistertitel der U20 gewann. Da war er ein Leistungsträger. Bei seinem Stammverein FK Novi Sad sogar Kapitän – trotz seiner jungen Jahre. Die Eintracht hat den Spieler aus seinem Vertrag auslösen müssen, zwar nicht die oft kolportierten 1,5 Millionen Euro gezahlt, aber immerhin 1,2 Millionen. Keine Investition, die kurzfristigen Erfolg verspricht, eher eine Anlage in die Zukunft. Und doch ein Haufen Geld für einen, der ein unbeschriebenes Blatt ist und der gar keine Rolle spielt.

Man braucht Geduld

„Die Frage, weshalb er gar nicht spielt, ist berechtigt“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Zumindest für diejenigen, die das Gesamtgebilde Eintracht Frankfurt aus der Distanz, also von außen verfolgen. Doch wer tiefer in die Materie eintauche, der müsse erkennen, dass Gacinovic für die Eintracht nicht nur kein finanzielles Risiko darstelle, sondern auch ein vergleichsweise günstiger Spieler sei. „Wenn man die Kombination Ablöse und Gehalt sieht, ist das finanziell gesehen eher die Kategorie Zweitligaspieler“, betont Hübner. Zumal der flinke Mann ja einen Vierjahresvertrag unterschrieben hat. Man dürfe auch nicht immer so ungeduldig sein, sondern müsse dem jungen Kerl „etwas Zeit geben und zugestehen“. Die Verpflichtung sei eher „strategischer Natur“ gewesen, keiner habe Wunderdinge erwartet, keiner habe gedacht, dass er sofort von null auf 100 starten würde. Dazu sei die Umstellung einfach zu groß. Trainer Veh werde den Spieler „sorgsam aufbauen“.

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Die Verantwortlichen haben die Hoffnung überhaupt nicht aufgegeben, dass der Linksaußen noch einschlagen wird. „Wir geben ihm mindestens ein Jahr Zeit“, sagte Hübner im „HR“-Heimspiel. „Wir glauben fest daran, den Spieler entwickeln zu können.“ Er sei ein „Wunschspieler“ von Veh gewesen. „Armin hat die Phantasie, ihn aufbauen zu können.“

Und doch bleibt die Frage, weshalb die Frankfurter sich dann nicht nach einem Profi umgesehen haben, der ihnen sofort weiterhilft. So wie sie es beim Schalker Sidney Sam versucht hatten. Der Deal scheiterte dann an der medizinischen Untersuchung, durch die der Ex-Nationalspieler gerasselt war. Für die Eintracht hätte die Verpflichtung kaum ein Risiko dargestellt, weil die Schalker das Gros des wirtschaftlichen Gesamtpaketes weiter gestemmt hätten. Und einen Ersatzmann von ähnlichem Format sei nicht finanzierbar.

Inui wollte unbedingt weg

Aber weshalb ließ die Eintracht dann auch noch Takashi Inui ziehen? Zum einen war der Japaner nun „kein Heilsbringer“, wie Veh argumentiert. Und zum anderen habe der Mittelfeldspieler „jeden Tag bei mir im Büro gesessen und gesagt, dass er unbedingt nach Spanien will“, wie Hübner anmerkt. „Er hat uns fast angefleht. Taka war beseelt von dem Gedanken, dort groß durchzustarten.“ Als sich der Wechsel dann hinzog, habe Inui „komplett zugemacht“. Mit dem sensiblen Techniker sei kein Start mehr zu machen, er sei kreuzunglücklich gewesen. „So hätte er uns sowieso nicht geholfen“, sagt Hübner.

Und doch ist diese „linke Problematik“ eine, die abfärbt auf das große Ganze. Dadurch, dass ein klassischer Linksaußen fehlt, ist die Eintracht von ihrer Taktik her limitiert. Ein 4-2-3-1 lässt sich nur schwerlich ohne einen Flügelspieler ordentlich umsetzen.

Veh verweist, auch eher halbherzig, auf ein paar Alternativen (Waldschmidt, Gerezgiher, Castaignos, Kadlec), aber da ist keine darunter, die wirklich erfolgversprechend erscheint. Am ehesten könnte wahrscheinlich noch Vaclav Kadlec diese Rolle ausfüllen, aber er steht bei Veh nicht mehr hoch im Kurs. Der Tscheche hat sich schon wieder zurückgezogen. Seine Körpersprache ist nicht so wie sie sein sollte. Auskunft gibt er ohnehin nicht mehr, Gesprächsanfragen wimmelt er mit einem Kopfschütteln ab. Dabei bringt Kadlec vieles mit, um dieser Eintracht-Mannschaft zu helfen.

Aigner droht die Bank

Und dadurch, dass es links keinen Spieler gibt, der die Lücke adäquat ausfüllt, wird auch Stefan Aigner seiner Stärke beraubt. Der Rechtsaußen räumt ein, dass er sich im 4-2-3-1 am wohlsten fühlt und dort seine ganze Stärke zur Entfaltung kommt. Veh riet dem 28-Jährigen vorsorglich, sich mit der Position in der Raute besser vertraut zu machen. Aigner aber ist der klassische Flügelspieler, der zwar, wie von Veh gefordert, gerne mal den Weg nach Innen sucht, aber doch eher von der Seite kommt. Zuletzt spielte Aigner meistens vorne an der Seite von Luc Castaignos. Aber da war Haris Seferovic noch verletzt. Sollte der im Training verbesserte Castaignos seinen Platz verteidigen und Seferovic von Beginn an spielen, droht Aigner die Bank – oder die ungeliebte Rolle in der Raute. Letzteres wäre für ihn natürlich das kleinere Übel.

So oder so, eine Idealbesetzung sieht anders aus. Der taktische Spielraum bleibt begrenzt. Die Systemfrage beantworten zwar der Trainer, aber letztlich auch das spielende Personal.

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