+
Wieder in Frankfurt und "mental in Ordnung": Lucas Torro.

Eintracht Frankfurt

Licht an für den nächsten Schritt

  • schließen

Eintracht Frankfurt steht vor sechs wegweisenden Spielen in 24 Tagen und kann vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf personell fast aus dem Vollen schöpfen.

Es war dann auch sehr schnell von möglichen Festspielwochen die Rede, die jetzt vor Eintracht Frankfurt liegen könnten. Sechs Spiele in 24 Tagen – drei zu Hause (gegen Düsseldorf, Limassol, Schalke), drei in der Fremde (gegen Nürnberg, Limassol, Stuttgart) – gegen Gegner also, die von der reinen Papierform her allesamt schlagbar erscheinen. Und das heizt die Fantasie an: Eintracht Frankfurt könnte einen riesigen Schritt nach vorne tun, könnte sich in der Liga oben festkrallen und hätte das Überwintern in der Europa League eingetütet. Adi Hütter kennt solche hübschen Rechenbeispiele zur Genüge, wahrscheinlich hat er im stillen Kämmerlein selbst welche angestellt, aber er weiß natürlich auch um die Gefahr dabei, den Gegner zu unterschätzen. Dass es dazu nicht kommt, „ist meine Aufgabe: Wir müssen immer an die Leistungsgrenze gehen, immer 100 Prozent geben. Es gibt in der Bundesliga keinen Selbstläufer.“ Das hat er der Mannschaft gestern Nachmittag nach dem Abschlusstraining bei „einer längeren Besprechung mit Videoanalyse“ noch einmal explizit mit auf den Weg gegeben. „Immer den Ball flach halten.“

An den Bayern vorbeiziehen

Klar ist aber auch: Eintracht Frankfurt geht nach drei Siegen in Folge mit ordentlich breiter Brust in dieses Spiel gegen den Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem ehemaligen Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, der übrigens erst zum zweiten Mal als Coach einer gegnerischen Mannschaft in die Arena im Stadtwald kommt. Zudem wird das Licht angeknipst, ein zusätzlicher Anreiz für die Hessen, die die letzten acht Freitagsspiele nicht verloren haben. Nach „dem holprigen Start“ und der „Kritik, die berechtigt war“, habe man mittlerweile gemeinsam „den Bock umgestoßen“. Das brauchte „Geduld und Zeit“, aber inzwischen stimme die Richtung, und „ich erwarte, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen“, sagte am Donnerstag Trainer Hütter, der seinem Team kollektiv ein Kompliment aussprach: „Die Mannschaft glaubt an die eigene Stärke, sie ist hungrig und willig.“

Jonathan de Guzman, der Mittelfeldspieler mit dem speziellen Gefühl für den ruhenden Ball, hat das erst zu Beginn dieser Woche auf den Punkt gebracht: Jeder Spieler, auch die, die im Augenblick nicht zur Stammformation zählten, müssten stets bereit sein. „Jeder“, ergänzte der 48 Jahre alte Fußballlehrer, „muss sich so vorbereiten, dass er jederzeit zum Einsatz kommen kann“. Angesichts der Doppelbelastung könne das schneller als gedacht passieren. Hütter kündigte schon an, in den nächsten dreieinhalb Wochen bis zur Länderspielpause kräftig zu rotieren.

Das Etappenziel bis Mitte November ist abgesteckt: „Wir können uns in der Bundesliga unter den ersten Zehn festbeißen und in der Europa League das Weiterkommen perfekt machen.“ Und mit einem Sieg über die „unangenehm zu bespielende“ Fortuna, die in dieser Saison auswärts erst ein einziges Tor hatte erzielen können, könnte der Tabellensiebte Eintracht Frankfurt sogar an dem sechstplatzierten FC Bayern vorbeiziehen – zumindest für einen Nacht. Allerdings neigen die Hessen ganz gerne dazu, Spiele gegen Teams aus dem Tabellenkeller in den Sand zu setzen und gute Gelegenheiten, sich ein starkes Punktepolster anzufuttern, schnöde liegen zu lassen. Personell kann Adi Hütter – mit Ausnahme der Langzeitverletzten Timothy Chandler, Carlos Salcedo, Goncalo Paciencia und Francisco Geraldes – nahezu aus dem Vollen schöpfen. Klar, er muss auf seinen besten Stürmer verzichten, Ante Rebic sitzt bekanntlich seine Gelb-Rot-Sperre ab. „Er ist natürlich ein Schlüsselspieler, aber wir haben auch ohne ihn schon gute Leistungen gebracht“, sagte Hütter und erinnert an das grandiose 4:1 gegen Lazio Rom. 

Im Angriff hat der Coach trotz des Fehlens des kroatischen Nationalspielers die geringsten Sorgen, Sebastien Haller und Luka Jovic befinden sich in bestechender Form. Ohnehin haben alle Nationalspieler ihre Dienstreisen gut und unverletzt überstanden, lediglich Marco Fabian kam erst gestern aus Mexiko zurück – aber er spielt momentan ohnehin eher eine untergeordnete Rolle.

David Abraham ist wieder fit

Dagegen ist Kapitän David Abraham wieder an Bord, der Kapitän hat diese Woche beschwerdefrei trainieren können und wird sehr wahrscheinlich anstelle von Marco Russ in die Anfangself rutschen. Für Abraham spricht seine enorme Schnelligkeit. Andererseits hat Routinier Russ sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass auf ihn Verlass ist – mit ihm im Team gab es zuletzt die drei Siege am Stück. Hütter hat mit dem ewigen Frankfurter ausgiebig gesprochen in diesen Tagen und ihm zu seiner Leistung gratuliert. Auch gegen den wahrscheinlich defensiv massiert stehenden Aufsteiger Düsseldorf wird Hütter erneut der Dreier-Abwehrkette vertrauen. 

Zurück im Team ist auch Lucas Torro, der wegen des plötzlichen Todes seines Bruders in der vergangenen Woche in Spanien bei seiner Familie weilte. „Er macht mental wieder einen sehr ordentlichen Eindruck“, sagte Hütter. Das „andere Umfeld“ in Frankfurt tue ihm gut, die Konzentration auf den Fußball lenke ihn ab. Der kopfballstarke Spanier dürfte im defensiven Mittelfeld helfen, etwaige Löcher zu stopfen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare