Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eintracht-Trainer Niko Kovac gibt seinen Spielern Ante Rebic (M) und Mijat Gacinovic (r) Anweisungen
+
Eintracht-Trainer Niko Kovac gibt seinen Spielern Ante Rebic (M) und Mijat Gacinovic (r) Anweisungen

Eintracht verliert gegen Wolfsburg

Ein lebloser Auftritt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Eintracht Frankfurt spielt so schlecht wie noch nie in dieser ohnehin miesen Rückrunde und verliert völlig verdient gegen Wolfsburg. Für das Pokalfinale muss man nach diesem leblosen Auftritt schwarzsehen.

Hinterher hat Jörn Hoffmann, die fleißige Servicekraft in den Katakomben des Stadions, zwei Kisten kühlen Biers in die Kabine des VfL Wolfsburg geschafft. Es gab was zu feiern beim Klub aus der Autostadt: Selten hat ein in die Bredouille geratener Klub so locker und leicht drei wichtige Punkte in einem Auswärtsspiel ergattern können wie am Samstag in Frankfurt.

Ohne großen Aufwand und mit lediglich drei Schüssen aufs Frankfurter Tor erreichten die Wolfsburger maximalen Ertrag, Daniel Didavi (48.) und Mario Gomez (63.) hatten ins Tor, Yanus Malli später noch ans Außennetz getroffen. Das reichte und musste gefeiert werden.

Ein Offenbarungseid

Und mehr brauchten die insgesamt harmlosen Wolfsburger auch nicht zu tun, um locker zum Sieg zu kommen. Mal wieder hatte Eintracht Frankfurt einen am Boden liegenden, schwächelnden Gegner selbstlos auf die Beine geholfen.

Es war erschütternd schlecht, was Eintracht Frankfurt an diesem Nachmittag zu Wege gebracht hat. Da stimmte nichts. Es war nahezu ein Offenbarungseid.

„Von vorne bis hinten war das gesamtschlecht“, sagte ein angefressener Trainer Niko Kovac. „So habe ich meine Mannschaft noch nie gesehen, und da ist es auch egal, ob einer fehlt oder zehn.“ So dürfe man sich nicht präsentieren.

Bei der Eintracht klappte nichts, es funktionierte auch nichts. Keiner hatte auch nur einen Funken von Idee, wie man ein Spiel aufziehen könnte, ja wie man überhaupt nach vorne hätte kommen wollen, geschweige denn einen eigenen Treffer zu erzielen.

In der ersten Halbzeit überboten sich Frankfurter Spieler geradezu in endlosen, absurden Quer-und Rückpässen, da gab es keinen Raumgewinn, viel zu wenig Bewegung war im Spiel, kein System erkennbar. Es hagelte Fehlpässe und Bälle ins Nirwana.

Dazu fehlte jedwede Leidenschaft, jedwedes Engagement. Ansonsten waren die Frankfurter an Harmlosigkeit kaum zu überbieten, drei  Möglichkeiten hatten die Gastgeber immerhin, aber da lagen sie schon 0:2 hinten. Den ersten Torschuss gab Marco Fabian ab – 60 Minuten waren da bereits absolviert.

Die Eintracht-Profis schienen die Worte von Trainer Niko Kovac quasi ad absurdum zu führen, der noch am Tag zuvor gesagt hatte, seine Spieler sollten sich für das Pokalfinale „im besten Licht“ zeigen. Mit so einer Leistung brauchen die Frankfurter im Grunde gar nicht erst nach Berlin fahren.

Eine Erklärung für diesen erschütternd schwachen Auftritt hatte auch Kovac nicht auf Anhieb parat: „Ich habe nicht die Bereitschaft gesehen, alles zu geben für den Nebenmann. Da war viel zu viel Stückwerk.“  

Hrgota neben der Spur

Dazu kam, dass Spieler wie Branimir Hrgota, Marc Stendera , Mijat Gacinovic, Guillermo Varela, auch Marco Fabian komplett neben den Schuhen standen, von ihnen kam so gut wie nichts. Auch Ante Rebic und die später eingewechselten Danny Blum, Shani Tarashaj oder Haris Seferovic rissen keine Bäume aus. 

4 – Eintracht Frankfurt verlor alle 4 Spiele in der #Bundesliga 2016/17, in denen David Abraham fehlte. Unersetzlich. #SGEWOB pic.twitter.com/ftFOPNzJjo

— OptaFranz (@OptaFranz)

6. Mai 2017

Und was Hrgota im Sturm bot, hätte ein Alex Meier in Anzug, Schlips und Straßenschuhen besser gemacht. Völlig unverständlich, dass er immer wieder spielen darf.

Es stellt sich auch die Frage, ob es eine gute Idee von Kovac war, weiterhin an einer Dreierkette festzuhalten, wenn die Spieler, die sie spielen können, nicht zur Verfügung stehen. Ohne Makoto Hasebe macht eine Dreierkette, das ist nichts Neues, wenig Sinn.

Dieses Mal stellte er die zwei gelernten Außenverteidiger  Timothy Chandler und Bastian Oczipka in die Innenverteidigung und schwächte damit die Außenpositionen, auf denen die überforderten Taleb Tawatha und Guillermo Varela kickten. Beide brachten keinerlei Impulse nach vorne. Marco Russ , ein gelernter Innenverteidiger, saß 90 Minuten auf der Bank. Früher hat man sogar mit Viererkette Spiele gewonnen.

Aber daran lag es nicht: Eintracht Frankfurt ist völlig von der Rolle, komplett neben der Spur, der Finaleinzug übertüncht nur strukturelle Schwächen.

Die Hessen sind weiterhin die schlechteste Rückrundenmannschaft. Wer von 13 Spielen nur eines gewinnt, aber in neun Spielen ohne eigenes Tor bleibt, hat nicht viel richtig gemacht. Die Eintracht ist aktuell die schwächste aller 18 Mannschaften und sie würde wohl absteigen, hätte sie nicht in der Hinrunde diese vielen Punkte aufs Konto geschaufelt.

Mittlerweile ist die Luft komplett raus. Das war am Samstag 90 Minuten müder Sommerfußball, ohne Herz und Einsatz. Dazu sind die Hessen gerade dabei, viele Millionen Euro zu verspielen. Jeder Platz besser in der TV-Tabelle ist fast zwei  Millionen Euro wert.

„Wir waren müde in den Beinen und im Kopf“, suchte Mijat Gacinovic nach Erklärungen und empfahl, „das Spiel sofort zu vergessen.“

Eine gewisse Müdigkeit wollte auch Bastian Oczipka erkannt haben. „Es hat den Anschein.“ Hinten raus haben man nicht mehr die Power gehabt. Vielleicht hätte ein Anschlusstor der Mannschaft noch einmal „die zweite Luft gegeben“, dazu hätte sie ein Tor erzielen müssen.

Zum Schluss plätscherte die Partie trotz fünf Minuten Nachspielzeit einfach aus. „Wir müssen jetzt gerade im Hinblick auf Berlin schnell die Kurve kriegen.“ Im Moment sieht es eher danach aus, dass die Eintracht  in der Liga nicht mehr viele Punkte holen wird.

Timothy Chandler, der in Abwesenheit von Alex Meier, David Abraham und Marco Russ erstmals die Kapitänsbinde trug, ist dann gefragt worden, woher er denn seine Zuversicht nehme, dass es in letzten beiden Ligaspielen gegen Mainz und Leipzig besser laufen werde. „Der Trainer gibt uns Hoffnung. Er war ja auch unzufrieden. Er wird uns in die richtige Richtung weisen.“

Bum-Kun Cha schaute zu

Ausgerechnet bei dieser matten Partie hatte Eintracht Frankfurt recht illustre Gäste auf der Haupttribüne. Unter anderem seien „70 Topleute“  (Vorstand Axel Hellmann) aus der Werbebranche plus DFL-Geschäftsführer Christian Seifert anwesend gewesen, die sich brennend für virtuelle Werbebanden im Frankfurter Stadion interessiert hatten. Und es waren koreanische Wirtschaftsvertreter sowie der frühere Spieler Bum-Kun Cha zugegen. Sie hätten ein besseres Spiel verdient gehabt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare