1. Startseite
  2. Eintracht

Kolo Muani, die Lebensversicherung der Eintracht: Dahinter steckt ein großes Problem

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Die Eintracht ist in hohem Maße abhängig von ihrem Himmelsstürmer, der nach Belieben trifft – aber außer ihm eben kein Offensivspieler mehr. Das ist ein großes Problem.

Frankfurt - In der Schützenliste der Rückrunde ist der Frankfurter Unterschiedsspieler Randal Kolo Muani ganz vorne dabei. Mit sieben Toren liegt der Franzose vor dem Schalker Marius Bülter, der immerhin sechsmal eingenetzt hat. Auch im Pokal hat der 24-Jährige in diesem Jahr schon vier Treffer gemacht, zwei gegen Darmstadt, zwei gegen Union Berlin, zack, zack. Mehr als jeder andere. Nicht weiter verwunderlich, dass „King Kolo“ die Rankings in Liga und Pokal anführt, weil der Junge aus Bondy eben ein Ausnahmestürmer ist. Die Zahlen beeindrucken: 39 Pflichtspiele, 20 Tore, 16 Vorlagen. Marktwert: 65 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Andererseits ist seine Ausbeute in dieser Phase der Saison sehr wohl erstaunlich, denn der französische Nationalspieler stürmt in der aktuell formschwächsten Mannschaft der Liga, aus den letzten sieben Spielen holte die Eintracht nur vier Punkte – so wenige wie kein anderes Team der deutschen Premiumklasse. Im Klassement ist sie abgerutscht, von vier auf sieben – Tendenz fallend. Und wo stünde sie schon jetzt, wenn nicht Kolo Muani seine Form aus dem alten Jahr konserviert oder vielleicht sogar gesteigert hätte? Ganz sicher nicht mal mehr in Schlagdistanz zu den internationalen Startplätzen, die so auch schon schwierig zu erreichen sein werden. Die formstarken Leverkusener liegen als Sechste zwei Punkte vor den Hessen, der SC Freiburg auf Platz fünf hat schon acht Zähler Vorsprung. Das ist der Rang, der nominell zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wenn keiner aus den Top Fünf den Pokal holen würde.

Hat mehr als die Hälfte aller Frankfurter Rückrunden-Tore geschossen: Randal Kolo Muani.
Hat mehr als die Hälfte aller Frankfurter Rückrunden-Tore geschossen: Randal Kolo Muani. © dpa

Eintracht Frankfurt ist abhängig von Kolo Muani

Kolo Muani hat in der zweiten Saisonhälfte mehr als die Hälfte aller Eintracht-Treffer erzielt. Die 13 geschossenen Tore in elf Partien sind natürlich viel zu wenig für einen Klub mit diesen Ambitionen und Ansprüchen, es gibt nur drei Mannschaften, die seltener ins Schwarze getroffen haben: Schalke (zwölf), Wolfsburg (elf), Köln (acht). Sogar Stuttgart, Bochum oder Bremen knipsten häufiger. Diese Abhängigkeit von Kolo Muani ist das Hauptproblem der Eintracht, oder besser gesagt: Die fehlenden Tore der anderen Spieler.

Kapitän Sebastian Rode monierte das schon vor einigen Wochen. „Kolo kann ja auch nicht jedes Spiel zwei, drei Tore schießen. Wir müssen diese Last auf mehrere Schultern verteilen.“ Es fehle ein zweiter oder dritter Mann neben dem überragenden Franzosen, „der auch mal zehn, zwölf Tore erzielt, um uns im oberen Drittel der Tabelle zu halten“. Genau so sieht es aus.

Fehlende Alternative zu Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt

Nationalspieler Mario Götze etwa kommt nur auf zwei Treffer. Beide erzielt im alten Jahr, das letzte gegen Union Berlin am 1. Oktober 2022. Selbst wenn der Instinktfußballer nie der torgefährlichste war und auch eher als Vorlagengeber glänzt, so sind zwei Törchen für einen Mann seiner Klasse zu wenig.

Er steht damit nicht alleine, die Offensive ist schlichtweg zu harmlos. So alles in allen. Die Stürmer Lucas Alario und Rafael Borré haben in der Rückrunde noch kein Tor erzielt, wobei man bei Alario entschuldigend anführen muss, dass er so gut wie nie spielt. Die Offensivkräfte dahinter Daichi Kamada und Jesper Lindström kommen ebenfalls auf null eigene Tore, der schnelle Däne Lindström hat allerdings die letzten fünf Spiele aufgrund einer Knöchelverletzung verpasst. Auf dem nun genesenen 23-Jährigen ruhen die Hoffnungen im Endspurt.

Champions-League-Aus von Eintracht Frankfurt hallt nach

Dabei haben gerade Kamada und Lindström schon ihr Qualitäten nachgewiesen, beide stehen bei insgesamt sieben Saisontoren. Alle erzielt vor langer Zeit.

Die neue Form der Ineffizienz hat nun das Fachmagazin „Kicker“ ganz anschaulich aufgedröselt. Bis zum 19. Spieltag stellte die Eintracht demnach das kaltschnäuzigste Team vor des Gegners Kasten, verwertete 37,0 Prozent ihrer Möglichkeiten. Danach aber ging es rapide bergab, die Chancenverwertung sank im Zeitraum vom 20. bis zum 28. Spieltag auf 19,1 Prozent. Logischerweise fielen auch weniger Tore, statt auf einen Schnitt von 2,1 Toren, wie zuvor, kamen die Frankfurter seitdem nur noch auf einen Treffer pro Partie. Zu wenig.

Interessant, dass der Wendepunkt zum Schlechten hin ausgerechnet rund um das Champions-League-Achtelfinale gegen den SSC Neapel zu verorten ist. Damals sind der Eintracht die Grenzen aufgezeigt worden, es war eine empfindliche 0:2-Schlappe, die offenbar einiges kaputt gemacht hat. Danach war irgendwie der Stecker gezogen, es mehr als ein Wirkungstreffer, da ist irgendwas zerbrochen, gerade in puncto Selbstwahrnehmung und Selbstverständnis. Seitdem hat die Eintracht einen Anti-Lauf.

Abwehr von Eintracht Frankfurt schwächelt

Zu allem Überfluss ist ja auch die Defensive nicht besonders sattelfest. Es wackeln in schöner Regelmäßigkeit die Herren Tuta und Evan Ndicka, Hrvoje Smolcic ist verletzt, genauso wie Landsmann Kristijan Jakic. Almamy Touré ist angeschlagen und hat zuletzt keine Rolle mehr gespielt. Bleibt Makoto Hasebe, noch der beständigste Abwehrspieler, aber eben auch mehr Stratege denn Zweikämpfer – und 39 Jahre alt.

So wird es wohl Kolo Muani, die Lebensversicherung der Eintracht, mit seinen Toren rausreißen müssen.

Auch interessant

Kommentare