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„Der beste Tag meines Lebens.“ Alex Meier.

Alex Meier

Die Lebensversicherung

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Alex Meier ist der wertvollste Eintracht-Spieler, schuftet für sein Comeback und freut sich auf den neuen alten Trainer Armin Veh.

Als Armin Veh vor einer Woche in Frankfurt zum zweiten Mal vorgestellt wurde, erzählte der Eintracht-Trainer, dass ihm ein paar aktuelle Spieler SMS geschrieben und ihre Freude über seine Rückkehr kundgetan haben. „So viele waren es aber nicht“, sagte der 54-Jährige grinsend. Einer war sicher dabei, ein verdienstvoller Spieler, der Torschützenkönig der abgelaufenen Runde, der nach einer Knieoperation derzeit hart an seinem Comeback arbeitet: Alexander Meier.

Veh und Meier verbindet ein besonderes Verhältnis, der 32- Jährige war der Einzige, der damals von Veh in seine Pläne eingeweiht wurde, wonach er seine Zelte in Frankfurt abbrechen würde. Das hatte allerdings auch damit zu tun, dass Meier gerade in Vertragsverhandlungen stand. Es war ein Zeichen außergewöhnlicher Wertschätzung.

Für den Torjäger ist die Entscheidung, den beliebten Trainer zurückzuholen, ein Volltreffer. Für die Mannschaft und auch für ihn persönlich. Denn der dienstälteste Eintracht-Spieler hat dem erfahrenen Fußballlehrer sehr viel zu verdanken. „Er hat den größten Anteil an meiner Entwicklung“, sagt Meier. „Er hat mich als Mensch und Persönlichkeit weiterentwickelt.“

Damals, in der zweiten Liga, ernannte Veh den Langen zum Kapitän, als der eigentliche Spielführer Pirmin Schwegler längere Zeit unpässlich war. Veh gab Meier nicht nur die Binde, er gab ihm auch das Gefühl, ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein. „Er hat mir Vertrauen gegeben, da habe ich einen richten Schub bekommen und einen großen Schritt nach vorne gemacht“, erzählt Meier. Er trat erstmals öffentlich stärker in Erscheinung, traute sich, auch externe Missstände offen anzuprangern. Das kannte man von ihm zuvor nicht.

Auf dem Feld erlebte er unter Veh ohnehin eine Renaissance. Oder besser: Die Entfaltung seiner ganzen Stärke. Denn Meier traf fortan wie am Fließband. 17 Tore in der Aufstiegssaison, 16 im ersten Bundesligajahr, 15 Pflichtspieltreffer in der Europa-League-Spielzeit – und zuletzt 19 Tore in der Beletage. Für Meier ist klar, wem er seinen Aufschwung zu verdanken hat: Armin Veh. „Das ist alleine sein Verdienst.“

„Das war mein erster Titel“

Veh habe ihn schon sehr offensiv spielen lassen, aber Nachfolger Thomas Schaaf sah ihn noch weiter vorne und bot ihn stets als zweite Spitze auf. Das behagte Meier nicht, er nahm gar nicht mehr so sehr am Spiel teil, durfte sich auch hinten keine Bälle mehr abholen, sondern musste vorne lauern. Es war wieder so wie am Anfang seiner Karriere, als sich häufig Kritik an ihm entzündete. Entweder er trifft oder er spielt nicht mit – so lautete damals, vereinfacht gesagt, die Formel, die wieder auflebte. Sportdirektor Bruno Hübner animierte Meiers Spielweise nach der Niederlage in Mainz zu dem etwas eigenwilligen Vergleich mit der Kröte, die man schlucken müsse. Das war natürlich nicht besonders clever. Meier hat diesen Spruch und die generelle Behandlung unter Thomas Schaaf nicht vergessen, auch wenn er heute darüber nicht mehr sprechen möchte.

Trotz aller Ungereimtheiten im Verhältnis zu Schaaf erzielte Meier so viele Bundesligatore wie nie zuvor in seiner Karriere: 19, damit holte er sich die Torjägerkanone – in einer Mittelklassemannschaft und mit nur 26 absolvierten Partien, bei denen er am Anfang der Saison auch erst mal auf der Bank saß. Meier, das Torphantom, ist die Frankfurter Lebensversicherung.

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Er ist am letzten Spieltag entsprechend gefeiert worden, als er die Trophäe in Empfang nahm. „Das war mein erster Titel“, sagt Meier mit etwas Abstand. Den Anhängern und seinen Kameraden dankt er in der Rückschau für einen „wunderschönen Nachmittag“. „Das war etwas ganz Besonderes“, sagt er: „Das war der beste Tag meines Lebens.“

Diese Anerkennung musste sich der als Fußballgott gefeierte Techniker erst mal verdienen. Es ging nicht immer nur steil bergauf, präsent sind auch noch die Zeiten, als er gemeinsam mit seinem guten Freund Benjamin Köhler am Fanzaun von den eigenen Anhängern beschimpft wurde. Jener Benny Köhler, der schon lange nicht mehr für die Eintracht spielt und tapfer gegen eine Krebserkrankung kämpft. Der Freundschaft hat die räumliche Trennung nichts anhaben können, Meier unterstützt seinen alten Kumpel nach Kräften.

Meier schuftet zurzeit eifrig an einer Rückkehr auf den Fußballplatz. Das wird noch eine Weile dauern. Mitte April war er abermals an der Patellasehne des rechten Knies operiert worden, zum insgesamt dritten Mal, seitdem sind die Rehazentren sein Zuhause. In der Schweiz, wo er operiert wurde, und in Neu-Isenburg beim früheren Eintracht-Physio Björn Reindl bringt er sich und sein Knie in Schwung. Wann er zurückkehrt, steht noch nicht fest. „Ich muss mir die Zeit nehmen, die die Sehne braucht, um zu heilen“, sagt er. Womöglich könne er vier Monate nach der Operation, das wäre Mitte August, wieder an Mannschaftstraining denken. Aber sicher ist das nicht. Insgesamt läuft der Heilungsprozess nach Plan, natürlich gebe es Rückschläge. „Aber insgesamt geht es stetig bergan“, sagt Meier. „Das Knie ist gut.“

Vielleicht ein Startplatz in Europa

Alex Meier hat keine Angst, dass etwas zurückbleiben könnte, dass er nicht mehr so stark zurückkommen könnte wie zuvor. Aber so wirklich seriös könne er das nicht einschätzen. „Ich weiß nicht, wie es mit 32 ist.“ Doch die Voraussetzungen, um zu alter Stärke zurückzukehren, sind zumindest gegeben. Meier ernährt sich gesund, trinkt keinen Alkohol. Und: „Ich bin auch im Kopf jung geblieben.“

Insgesamt, glaubt er, sei die Eintracht auf einem ordentlichen Weg. „Wir haben eine gute Mannschaft“, findet er. Das müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass man auch um die internationalen Startplätze mitspiele. Er warnt sogar davor, Europa auch nur als entferntes Ziel auszugeben. „Uns fehlte die Konstanz. Wir müssen die guten Phasen etwas länger ausdehnen, das muss das nächste Ziel sein“, findet Meier. „Wir müssen es schaffen, auch an schlechten Tagen mal einen Sieg zu holen. Das ist ein vielleicht größerer Schritt, als zu sagen, wir wollen in die Europa League.“ Aus den vielen fast schon erschütternden Auftritten in der Fremde müsse das Team lernen. „Es war schon komisch, dass wir oft so eingebrochen sind. Wir müssen das Level so hochhalten, dass wir nicht mehr so wegbrechen.“

Ein Startplatz in Europa sei dann vielleicht drin, aber auch nur vielleicht. Meier weiß, dass da einiges zusammenkommen muss. Die Sehnsucht nach europäischen Nächten trägt aber auch er in sich, eine Wiederholung der internationalen Festspiele sei höchst erstrebenswert: „Diese Saison war sicher eine der schönsten.“

Vielleicht wird Meier ja neuer Kapitän. Zum einen ist ein Wechsel von Kevin Trapp zu Paris Saint-Germain noch nicht vom Tisch, zum anderen ist Veh bekannt dafür, nicht gerne einem Schlussmann die Binde zu geben. Meier nimmt es, wie so vieles, mit stoischer Ruhe: „Kevin hat das gut gemacht, aber das muss sowieso der Trainer entscheiden.“

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