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"Wenn es das Schicksal so will, dass es nicht mehr weitergeht, soll es so sein ", sagt  Amanatidis.
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"Wenn es das Schicksal so will, dass es nicht mehr weitergeht, soll es so sein ", sagt Amanatidis.

Interview mit Ioannis Amanatidis

"Das Leben hat es gut mit mir gemeint"

Der schwer am Knie verletzte Eintracht-Stürmer Ioannis Amanatidis spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über seine Leidenszeit, sein Naturell und seine Karriereplanung.

Herr Amanatidis, haben Sie schon die Nachricht über Christoph Preuß gehört?

Ja, er hört auf. Da fehlen mir wirklich die Worte. Das tut mir leid, das ist echt ein Schlag. Ich kenne ihn schon so lange, seit der Jugend. Er ist ein super Junge, ein Profi durch und durch, mit einer herausragenden Einstellung. Es ist schade, wenn solche Typen verloren gehen. Ich weiß auch nicht, was er verbrochen hat, der Junge, dass ihm das widerfährt. Das macht mich echt betroffen.

Sie hatten - wie Preuß - auch zwei Knorpelschäden im Knie, wir erwischen Sie gerade in der Reha in Donaustauf bei Klaus Eder. Machen Sie sich nach dieser Nachricht noch mehr Gedanken?

Nein. Man kann da keine Parallelen ziehen, man auch die Knorpelschäden nicht miteinander vergleichen, da gibt es Unterschiede. Der von Preußi war, glaube ich, ohnehin schon sehr, sehr schlimm. Ich arbeite jetzt an meinem Comeback. Ich mache viele Übungen zur Koordination, Isokinetic, arbeite an der Beinpresse. Ich arbeite daran, Muskelmasse aufzubauen. Die Übungen sind mittlerweile schon recht intensiv, aber ich habe keine Beschwerden. Das ist gut. Der Knorpel muss jetzt an den Druck , das Training und die Belastung gewöhnt werden.

Haben Sie das Knie nach der Operation untersuchen lassen?

Ja, sechs Wochen nach dem Eingriff ist das Gelenk untersucht worden. Es hatte sich neuer Knorpel gebildet, rund 75 Prozent hatte sich schon erneuert. Ich bin guter Dinge, dass ich jetzt schon bei 100 Prozent bin. Aber wenn ich keine Beschwerden habe, werde ich mich wohl eher nicht noch mal untersuchen lassen.

Wie geht es Ihnen mental? Deprimiert so eine Verletzung nicht, macht die Reha nicht mürbe?

Nein, mir geht es wunderbar.

Ein Knorpelschaden ist mit die gravierendste Verletzung, die einen Sportler ereilen kann. Ihr Mitspieler Preuß musste jetzt Schluss machen. Haben Sie keine Angst um Ihre Karriere?

Angst habe ich nicht. Null. Ich habe schon nach der zweiten Operation gesagt, dass ich mich zurückkämpfen werde. Ich bin stark.

Und falls es nicht klappen sollte?

Ich bin privilegiert, das weiß ich doch. Wenn es das Schicksal so will, dass es nicht mehr weitergeht, dann soll es so sein, dann werde ich auch das wegstecken. Aber dann bin ich dankbar für das, was ich als Fußballer erleben durfte. Der Sport hat mir so vieles ermöglicht, da verbietet es sich, zu jammern. Das Leben hat es gut mit mir gemeint. Da bleibt kein Millimeter für Enttäuschung oder Frust. Und da spielt es keine Rolle, ob ich ein bisschen früher aufhören müsste oder nicht.

Trotzdem die Frage: Keine Angst, die WM zu verpassen?

Auch das nicht. Das ist zwar für jeden ein Highlight, aber ich sehe das locker. Wenn ich es bis April oder Mai wieder schaffen würde, auf den Platz zurückzukehren, werde ich auch bei der WM dabei sein.

Machen Sie sich da wirklich keinen Druck?

Wenn ich Anfang 20 wäre, dann vielleicht, aber ich bin jetzt 28, ich habe so viel Erfahrung sammeln können, ich bin seit zehn Jahren dabei. Da wird man gelassener. Vielleicht machen sich andere Druck, ich nicht. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche.

Haben Sie keinen Zeitplan im Hinterkopf?

Nein, ich habe weder einen Plan noch ein Ziel. Momentan läuft es ganz gut, das Knie ist in Ordnung, aber man muss immer sehen, wie das Gelenk auf größere Belastungen reagiert. Da muss man jeden Tag in seinen Körper hineinhorchen. Natürlich wäre es schön, wenn ich im April, spätestens im Mai wieder dabei sein könnte.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen sagte immer, er könne sich vorstellen, dass Sie irgendwann eine verantwortungsvolle Position im Klub übernehmen könnten. Bereiten Sie sich darauf vor?

Ich mache mir schon lange Gedanken, was ich nach meiner Karriere als Fußballer machen werde. Das hat nichts mit meiner Verletzung zu tun, die ich jetzt habe. Ich bin im Kopf vielleicht weiter als der eine oder andere Fußballprofi, das sage ich jetzt einfach mal so. Ich beschäftige mich schon lange mit dieser Frage, und mir war immer klar: Ich werde vorsorgen für meine Zukunft. Natürlich habe ich während meiner Karriere gutes Geld verdient, aber die Frage ist ja, ob man sich danach wirklich zurücklehnen, die Beine hochlegen und nichts mehr machen will. Das entspricht nicht meinem Naturell, das entspricht nicht meinem Charakter. Das wäre mir viel zu langweilig. Natürlich könnte ich mir gut vorstellen, irgendwann ein Amt bei der Eintracht zu bekleiden. Aber glauben Sie mir, das soll ruhig noch ein bisschen dauern. Denn ich will wieder Fußball spielen. Ich werde zurückkommen.

Interview: Ingo Durstewitz

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