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Behauptungswille: Die Frankfurter Kapitänin Laura Freigang (links) sichert gegen Lina Magull vom FC Bayern den Ball.
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Behauptungswille: Die Frankfurter Kapitänin Laura Freigang (links) sichert gegen Lina Magull vom FC Bayern den Ball.

SGE-Fußballerinnen

Laura Freigang: Die Eintracht im Herzen

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Laura Freigang entwickelt sich einem der markantesten Gesichtern im deutschen Frauenfußball - mit Eintracht Frankfurt tritt sie nun zuversichtlich im Pokal bei den Bayern an.

Sich einfach durch den Hinterausgang zu schleichen, ist eigentlich nicht die Eigenschaft von Laura Freigang. Es sah allerdings am Dienstagabend im Essener Stadion an der Hafenstraße ein bisschen eigenartig aus, als die Torjägerin von Eintracht Frankfurt bei ihrer Auswechslung im WM-Qualifikationsspiel gegen Israel (7:0) Mitte der zweiten Halbzeit nicht vor der Trainerinnenbank herausgelaufen kam, sondern auf der anderen Seite hinausging. Ohne die eingewechselte Lea Schüller abzuklatschen.

Doch wer einen Anflug von Geringschätzung unter den konkurrierenden Stürmerinnen vermutete, lag falsch. „Ich habe in der Uni Fußballtheorie belegt, und da heißt es, man muss zur nächsten Seitenlinie rausgehen“, erklärte Freigang. Schon kurz nach Spielschluss musste sie darüber selbst schmunzeln, denn keineswegs wollte sie Schüller aus dem Wege gehen, denn: „Ich verstehe mich mit Lea super.“ Und generell wollte sie mal festhalten: „Ich kenne Leas Qualitäten, insofern bin ich nicht überrascht, wenn ich mehr auf der Bank sitze.“

Kaum vom Nationalteam zurückgereist, begegnet man sich ohnehin gleich wieder: Das DFB-Pokalspiel zwischen dem Meister FC Bayern und dem Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt (Samstag, 13.30 Uhr) ist nicht nur wegen den aktuell besten deutschen Angreiferinnen die spannendste Paarung im Achtelfinale. Weil Frankfurt einen 3:2-Coup in der Liga gegen die Bayern vor der Länderspielpause landete, hegt sogar Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Hoffnung auf eine endlich spannendere Saison. Klar, dass sich die selbstbewusste Persönlichkeit Freigang auch auf dem Münchner Campus viel vorgenommen hat.

Das Tabu schwule Fußballer

„Für uns Frankfurterinnen war das letzte Spiel ein Highlight. Das tut auch der Liga gut. Wir wissen natürlich, dass das Pokalspiel in München dadurch nicht leichter wird. Aber wir legen alles rein. Wir haben gezeigt, dass wir die Bayern nicht nur ärgern können. Da ist alles drin“, versichert die 23-Jährige, die sich mit ihrer Vertragsverlängerung bis 2025 klar zum Projekt unter dem Eintracht-Dach bekannt hat – und damit vermutlich auch neben Nationaltorhüterin Merle Frohms zur Topverdienerin bei den Frankfurterinnen aufgestiegen ist.

Ihr Wert als prägendes Gesicht im deutschen Frauenfußball ist groß, weil bei ihr eben nicht nur die Torquote in der Nationalmannschaft (neun Einsätze/acht Tore) und Bundesliga (70/47) beeindruckt. Sondern sie bedient auch die zweite Ebene vortrefflich: für die gesellschaftlichen Belange eintreten, Argumente für Geschlechtergerechtigkeit vortragen. Kaum jemand aus dem Frauenfußball war medial zuletzt so präsent wie die extrovertierte Frankfurterin.

In der Sende-Reihe ZDFzoom „Fußball-Frauen – Zeit für die Offensive“ spielte sie neben Almuth Schult oder Katja Kraus, den Initiatorinnen der Frauen-Vereinigung „Fußball kann mehr“, eine Hauptrolle. Auf der Tribüne im Stadion am Brentanobad erzählte sie von ihrem Antrieb: „Wenn ich zum Training gehe, weiß ich, die sind alle da, weil sie es unbedingt wollen und nicht, weil sie am Ende des Monats einen Ferrari davon kaufen können.“ Sie findet es deswegen noch immer schade, dass der Fußball von vielen Männern „wie eine Burg“ verteidigt wird.

Eigentlich sei er ja dazu da, „dass alle mitmachen dürfen. Alle, alle, alle, egal wer. Und der Frauenfußball – ich hasse sowieso, die ganze Frauenfußball sagen zu müssen – will einfach nur mitmachen.“ Bis heute hat die gebürtige Kielerin das Gefühl, „nicht respektiert“ zu werden. Eigentlich ohne Grund. Daher stellt sie Grundsätzliches auf den Prüfstand: „Ich finde, der Frauenfußball bietet vielleicht der Gesellschaft auch eine Chance, sich zu hinterfragen. Wollen wir wirklich nur das fördern, was morgen profitabel ist? Oder wollen wir die Gesellschaft fördern und gewisse Werte fördern?“

In der Sendung nahm sie auch Stellung zu dem Tabuthema ihres Sports: „Es gibt keinen geouteten, aktiven schwulen Fußballer, weil das kein ‚safe space‘ ist für jeden. Also man muss doch gewisse Regularien erfüllen, um ein guter Fußballer zu sein. Und das finde ich sehr gefährlich für die einzelne Person und für das große Gesamte.“ Aus ihrer Sicht solle sich der Männerfußball vom Frauenfußball etwas abgucken: „Weil ich glaube, wir sind da sehr viel offener, toleranter.“

Es sind deutliche Worte, die Freigang findet; inwieweit sie wirklich auch ihrem Klub gelebt werden, der Männer und Frauen im Alltag gewiss in Zukunft noch enger zusammenführen oder Highlight-Heimspiele in der Arena veranstalten kann, muss sich erst noch zeigen. Aber ihre langfristige Bindung an Eintracht Frankfurt zeigt, dass Freigang mit ihrer Meinungsstärke abseits des Platzes gefragt ist; dass sie viele der Werte im Herzen trägt, für die dieser Verein steht.

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