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Solider Einstand: Debütant Allan (rechts), hier gegen Poulsen.

Allan Souza

Mit langem Anlauf

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Allan Souza will sich irgendwie noch bei Eintracht Frankfurt durchsetzen.

Im letzten Heimspiel gegen RB Leipzig stand auf einmal der neue Brasilianer Allan Rodrigues de Souza einigermaßen überraschend auf dem Spielberichtsbogen der Eintracht, genauso überraschend wurde der 21-Jährige in der Schlussphase der wogenden Partie eingewechselt. Der Mittelfeldspieler, so viel vorneweg, machte seine Sache sehr ordentlich, er kam in einer kniffligen Phase ins Spiel, was schon mal für ein Grundvertrauen des Trainers in die Fähigkeiten des Akteurs spricht, ansonsten würde er ihn ja weder nominieren noch einwechseln. Das war nicht immer so. 

Allan, wie er genannt wird, hatte es zuvor nicht in den Bundesligakader geschafft, er wurde auch nicht in das generell 25 Mann umfassende Aufgebot für die Europa League nominiert, was bedeutet, dass er international, zumindest in diesem Jahr, nicht spielberechtigt ist. Auch die Trainingsleistungen in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn waren nicht berauschend. Der Südamerikaner hat sich dennoch nicht hängenlassen, sondern eifrig weiter an sich gearbeitet und sich angeboten. Mit Erfolg. In Gladbach am Mittwoch gehörte Allan erneut dem 18-Mann-Kader an, kam allerdings nicht zum Einsatz. 

Gegen Leipzig hatte er in knapp 20 Minuten immerhin noch zwölf Ballkontakte, spielte sechs Pässe, die den eigenen Mann fanden, und zwei, die zum Gegner gingen. Es war ein solider Kurzauftritt, und eines war klar zu erkennen: Da stand einer auf dem Feld, der sich zeigen wollte, der klar signalisierte: „Hey, hier bin ich, man kann sich auf mich verlassen, ich haue mich voll rein.“ Er wuselte von Mann zu Mann, immer in dem Bemühen, den Kontrahenten zu attackieren, ihn zu nerven, Bälle abzuluchsen, Räume zuzulaufen. Das kann man als normale Berufsauffassung eines Profisportlers verstehen, man kann das aber auch als Zeichen interpretieren, als Zeichen eines Spielers, der gewillt ist, bedingungslos um seine Chance zu kämpfen. Das ist schon mal eine gute Grundeinstellung. 

Klopp lobt den Brasilianer

Die Eintracht hat den schmächtigen Fußballer vom FC Liverpool ausgeliehen, zunächst einmal für ein Jahr. Und an dem Transfer hat auch der Trainer der Reds, Jürgen Klopp, seinen Anteil. Er hat den Spieler wärmstens empfohlen, soll in persönlichen Gesprächen von ihm geschwärmt haben. Schon zu seiner Anfangszeit lobte „Kloppo“ den jungen Kerl, der im Oktober erstmals Vater wird. „Ich habe ihn im Training gesehen und dachte: Oh, mein Gott. Der Junge ist gut“, sagte Klopp, der ihm sogar den Sprung in die Nationalmannschaft zugetraut hat. „Er ist ein herausragendes, außergewöhnliches Talent. Er ist ein klasse Spieler mit einer guten Einstellung“, und sehr beliebt obendrein. „Jeder hier liebt ihn.“ Ein netter Kerl ist er definitiv. 

Allan aber durfte nie für den Champions-League-Finalisten auflaufen, weil ihm schlichtweg die Arbeitserlaubnis für England fehlt, er darf auf der Insel gar nicht für einen Profiklub spielen. So schreibt es die dortige Football Association (FA) vor. Der englische Verband knüpft die Bedingungen für die Spielerlaubnis der Nicht-EU-Ausländer an ein komplexes Punktesystem. Allan konnte diese Voraussetzungen nicht erfüllen. 

Deshalb ging er auf Wanderschaft, kickte in Finnland bei SJK Seinäjoki und in Belgien bei VV St. Truiden, zuletzt beim zypriotischen Klub Apollon Limassol, einem der Eintracht-Gegner in der Gruppenphase der Europa League, dort kam er auf 15 Einsätze in der Liga und vier in der Europa League. Tore oder Vorlagen sind ihm nicht gelungen, genauso wenig wie in Berlin. Für Hertha BSC spielte der Südamerikaner in der Saison 2016/17. In der deutschen Kapitale kam er auf 15 Einsätze und eine Partie im DFB-Pokal, er stand immerhin achtmal in der Anfangsformation.

In Berlin in Ungnade gefallen

In Berlin enttäuschte er nicht gänzlich, doch die Verantwortlichen goutierten nicht, dass er sich damals, im Januar 2017, dazu entschied, an der einmonatigen U-20-Südamerikameisterschaft in Ecuador teilzunehmen. „Das war keine gute Idee“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Allan war so ein bisschen in Ungnade gefallen, von einer Weiterbeschäftigung sahen die Berliner ab. 

Die Eintracht entschloss sich nach einer Probezeit dennoch dazu, ihn auszuleihen. „Allan ist ein technisch versierter und intelligenter Spieler mit viel Übersicht, der unsere Möglichkeiten im zentralen Mittelfeld erweitert“, begründete Sportdirektor Bruno Hübner und verwies erneut auf den Coach des FC Liverpool. „Jürgen Klopp hält große Stücke auf ihn, weshalb wir ihm gerne die Chance geben möchten, sein Können bei uns unter Beweis zu stellen“ 

Der 1,72 Meter große Akteur aus der 1,4-Millionen-Einwohner-Stadt Porto Alegre weiß auch um den guten Leumund seines Ex-Trainers. „Der Wechsel zur Eintracht war auch eine Empfehlung von Jürgen Klopp“, sagte er, „er hat mir von der Größe und Tradition des Klubs berichtet.“

Klar ist, dass Allan ein Spieler ist, der eine Anlaufzeit braucht, um Fuß zu fassen und sich wieder dem höheren Niveau anzupassen. Er arbeitet daran, er hat in seinem ersten kurzen Einsatz immerhin angedeutet, konkurrenzfähig zu sein. Ob er das auch über einen längeren Zeitraum schafft? 

Er ist wild entschlossen, diese Chance beim Schopf zu packen. „Die vielen Vereinswechsel sind mit Sicherheit nicht optimal. Ich suche nach Konstanz“, befand er. Vielleicht gelingt es ihm ja in Frankfurt. Zumindest ein Anfang ist gemacht. 

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