Auf dem Sprung: Aymen Barkok will es wissen.
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Auf dem Sprung: Aymen Barkok will es wissen.

Kreativkopf Aymen Barkok

Lässt Adi seinen Frechdachs los?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Dribbelkönig Aymen Barkok hat sich in eine gute Position gebracht und könnte am Samstag in Stuttgart zur Startelf zählen – er könnte dem Spiel gut tun.

Aymen Barkok, der große Junge aus der Frankfurter Nordweststadt, sagt, er sei ein fröhlicher, lebensbejahender, positiver Mensch. „Ich lache gerne, ich lächle gerne“, bedeutet der ungekrönte Dribbelkönig der Eintracht – und grinst. Sein Lachen ist ansteckend, begeisternd, ja irgendwie auch noch ein bisschen kindlich und schelmisch.

Und dann, plötzlich, strahlt Aymen Barkok wie das berühmte Honigkuchenpferd, bis über beide Ohren. Der 22-Jährige erzählt von der bevorstehenden Reise in die Heimat seiner Eltern nach Marokko, gerade habe er die Flugdaten übermittelt bekommen, über Paris geht es nach Casablanca. Barkok freut sich wie Bolle, die Augen blitzen. Es ist seine zweite Dienstreise nach Afrika, er folgt dem Ruf der Nationalmannschaft, erstmals lief er vor einem knappen Monat für die Landesauswahl auf, 3:1 gegen Senegal, Barkok spielte 87 Minuten, bereitete das 2:0 gekonnt vor, zeigte eine prima Leistung. Und sein Vater platzte fast vor Stolz, dass sein Sohn jetzt die Farben seines Landes trägt.

Denn in der Jugend spielte der „Instinktfußballer“ (Barkok über Barkok) noch für die deutschen Auswahlteams, 16-mal lief er für die Juniorennationalmannschaften des DFB auf. Jetzt entschied er sich für Marokko, „ich habe das keine Minute bereut.“ In der kommenden Woche geht es zweimal gegen Zentralafrika, er ist schon ganz gespannt und aufgeregt, zum ersten Mal wird er innerhalb Afrikas reisen, zuvor war er lediglich in Marokko, wo die Familie, die Großeltern, leben. „Ich war jedes Jahr dort.“

Aymen Barkok fliegt zum Nationalteam

Barkok wird zur Nationalmannschaft fliegen können, die Eintracht gibt ihn, anders als etwa Werder Bremen seine Spieler, frei. Der Mittelfeldakteur ist glücklich darüber, und er fühlt sich in Casablanca sicher und gut aufgehoben. „Wir werden fast jeden zweiten Tag auf Covid-19 getestet. Wir sind unter uns, haben einen Campus.“

Barkok hat im Dress Marokkos überzeugen können, wurde im Mittelfeld auf der Halbposition aufgeboten, dort fühlt er sich am wohlsten, auch wenn er bei der Eintracht am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen nach seiner Einwechslung am rechten Flügel agierte – und ordentlich Schwung brachte. „In der Bundesliga habe ich noch nie auf dieser Position gespielt“, berichtet er. Co-Trainer Armin Reutershahn habe ihn mit der Anweisung aufs Feld geschickt, „kreativ nach vorne zu sein“.

Das versucht er ja sowieso immer, der Edeltechniker, der auf den Bolzplätzen im Norden Frankfurts groß geworden ist, er ist das, was man einen echten Straßenkicker, einen Käfigkicker nennt. Seine Spielweise, findet er, habe er nie so wirklich umgestellt, er mache viel aus dem Bauch heraus, automatisch, hört auf seine Intuition. Das hat ihn einst stark gemacht, das hat ihn zum Shootingstar und neuen Stern am Fußballfirmament werden und Ex-Trainer Niko Kovac jubeln lassen. „Aymen ist unser Juwel.“ Doch nach dem kometenhaften Aufstieg kam der tiefe Fall.

Aymen Barkok: Bei Fortuna Düsseldorf lief es nicht gut

Zwei Jahre spielte er bei Fortuna Düsseldorf, wo es alles andere als gut für ihn lief, in zwei Jahren kam er nur auf 18 Pflichtspiele, meist als Einwechselspieler, er hat nicht ein Tor geschossen und nicht eines vorbereitet – eine frustrierende Bilanz, eine Horrorbilanz für einen fintenreichen Offensivspieler.

In der zurückliegenden Saison lief noch weniger zusammen, nach der Entlassung von Friedhelm Funkel ging es total bergab, Nachfolger Uwe Rösler ließ ihn links liegen, berief ihn nicht mehr in den Kader. Nicht einfach wegzustecken, gerade mental.

Barkoks war auch vom Pech verfolgt, seine Zeit im Rheinland stand unter keinem guten Stern, erst bremste ihn eine Knieverletzung, dann eine Schultereckgelenksprengung, eine schlimme Verletzung. „Netto war ich ein Jahr verletzt“, sagt der Kreativkopf über diese harte und schwere Zeit. Kein Wunder, dass er jetzt sagt, er wolle „einfach nur gesund bleiben. Nach meiner langen Leidenszeit habe ich das extrem zu schätzen gelernt. Ich freue mich über jede Minute, die ich spiele.“

Aymen Barkok in Stuttgart in der Startelf?

Sein persönlicher Re-Start in Frankfurt lief für den Deutsch-Marokkaner ganz gut, in allen sieben Pflichtspielen wurde er eingewechselt, das ist mehr als man erwarten konnte. Trainer Adi Hütter wollte ihn zurückholen, ihn prüfen, sich ein Bild machen und ihm eine faire Chance geben, denn Talent, das weiß man, hat er ja, und Kicken kann er auch. Der Trainer ist zufrieden, „ich bin froh, dass wir ihn hier haben“. Barkok ist ebenfalls zufrieden, stellt keine Ansprüche.

Vielleicht darf er am Samstag in Stuttgart ja sogar mal von Anfang an spielen, verdient hätte er sich einen Einsatz allemal. Mit seinen Tempodribblings und seiner unberechenbaren Art könnte der Frechdachs mal ein anderes Element in das oft festgefahrene Eintracht-Spiel bringen. Barkok schätzt den gut gestarteten und unbekümmerten Aufsteiger aus dem Schwabenland sehr. „Das ist keine schlechte Mannschaft. Sie haben nach vorne Qualität und einige sehr junge Spieler.“ So wie er einer ist, der so langsam wieder im Aufwind segelnde Aymen Barkok.

Dieser Tage ist er noch gefragt worden, wie er es mit der Religion halte. „Ich bin Moslem“, antwortete er. „ Aber Ob Christ, Jude, Moslem oder Buddhist, das ist mir egal. Solange ich mich mit dem Menschen, der vor mir steht, verstehe, ist mir seine Religion egal.“ Und dann lächelte er milde, der junge Mann mit dem sonnigen Gemüt.

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