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Freiburgs Torwart Alexander Schwolow (oben) und Dominique Heinz (verdeckt) kommen vor Frankfurts Ante Rebic an den Ball.

Heimspiel gegen Freiburg

Kritik trotz Eintracht-Sieg

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt ist optimal in die Rückrunde gestartet ? mit einem 3:1 (3:0)-Erfolg über den SC Freiburg. Doch Trainer Adi Hütter ist nicht zufrieden, ganz und gar nicht.

Normalerweise reicht das, was Eintracht Frankfurt an Chancen allein in der vierminütigen Nachspielzeit vergeben hatte, um ein komplettes Spiel locker und haushoch zu gewinnen. Doch Ante Rebic, allein zweimal, und Filip Kostic aus einem Meter, brachten den Ball nicht über die Linie. Es wäre so einfach gewesen, kinderleicht geradezu.

Kein Wunder, dass Trainer Adi Hütter hinterher nicht zufrieden war, ganz und gar nicht. „Ich habe keine gute Leistung von meiner Mannschaft gesehen“, hob der Fußballlehrer also in der Pressekonferenz an. Und  senkte gnadenlos den Daumen: „Zu langsam, zu behäbig, kaum ein Pass vertikal gespielt.“  Und er wurde noch deutlicher: „In der zweiten Halbzeit sind wir nur noch dem Ball hinterher gelaufen. Wir haben so viele Sachen vermissen lassen. Wir haben viele Sachen im technisch-taktischen Bereich nicht gut gemacht“, schüttelte er enttäuscht den Kopf. Es hätte niemanden verwundert an diesem Abend, wenn der gestrenge und rechtschaffen saure Coach anderntags ein Straftraining angesetzt hätte.

Hat er aber nicht.

Denn in diesem Spiel gegen den SC Freiburg gab es auch „zehn tolle Minuten“, die im Grunde ausreichten, diese Partie klar zu gewinnen. Zwischen der 36. und der 45. Minuten schossen Sebastien Haller, Ante Jovic und Luka Jovic die Tore zum 3:0 – damit war diese Partie vor 49200 Zuschauern entschieden. Es war das erste Mal in dieser Saison, dass alle drei Top-Stürmer in einem Spiel gemeinsam trafen. Nils Petersen (69.) konnte für die nach der Pause wie verwandelt auftretenden Breisgauer nur noch verkürzen.

Diese kritischen Worte des Fußballlehrers verdeutlichen natürlich auch, wie hoch der Anspruch mittlerweile in Frankfurt gestiegen ist. Man gibt sich schon lange nicht mehr mit einem schnöden Sieg zufrieden, es muss schon auch ein gutes Spiel her. Tatsächlich war ja nicht alles schlecht in diesen 90 Minuten. In den ersten 45 Minuten hatten die Hessen das Spiel total unter Kontrolle gegen sehr hasenfüßig auftretende Freiburger. Sicher, die Eintracht  strotzte nicht gerade vor Ideen, hatte aber viel Ballbesitz und alles im Griff. Im zweiten Abschnitt spielten die Freiburger mutiger auf, zuweilen geriet die Frankfurter Hintermannschaft in die Bredouille. „Wenn der SC ein zweites Tor schießt, kriegen wir Probleme“, sagte Dauerläufer Gelson Fernandes, der seine fünfte Gelbe Karte sah und am kommenden Samstag gegen Werder Bremen zuschauen muss. Am Ende hätten die Hausherren die Partie aber auch locker 5:1 oder 6:1 für sich entscheiden können. „Ein solches Ergebnis wäre aber nicht d`accord gewesen“, sagte Hütter fair.

Trotz aller berechtigter Kritik musste allerdings auch Hütter feststellen: „Wenn man mit einer nicht guten Leistung trotzdem gewinnt, bedeutet das Qualität.“ Mit dem Ergebnis sei er zufrieden, mit der gezeigten Leistung nicht. Und da wollte er auch nicht als Ausrede eine gewisse Müdigkeit der Spieler nach der Rückkehr aus Übersee gelten lassen. Dennoch rangieren die Frankfurter nach diesem gelungenen Start in die Rückrunde mit 30 Punkten inzwischen auf einem fünften Tabellenplatz.

Dazu war dem Rückkehrer Sebastian Rode ein richtig gutes Comeback gelungen. Der 28-Jährige, der vor eineinhalb Jahren zuletzt in der Bundesliga gespielt hatte, zeigte eine „sehr ordentliche Leistung“ (Hütter), spulte viele Kilometer ab, hatte einen großen Aktionsradius, war hinten und vorne zu finden. „Er spielte so, als sei er nie weg gewesen“, sagte Hütter, der Rode am Tag vor der Partie informiert hatte, dass er in der Anfangsformation stehen würde. „Das hat mir noch einmal einen Schub gegeben“, sagte Rode glücklich hinterher. „Wieder in Frankfurt zu spielen, war ein geiles Gefühl.“ Und er traut seinem neuen, alten Team  einiges zu. „Mit dieser Mannschaft ist vieles möglich.“

Derweil stehen bei Verteidiger Carlos Salcedo die Zeichen auf sofortige Trennung. In dieser Woche weilte der Mexikaner in seinem Heimatland. Der Klub UANL Tigres will den Stopper unbedingt verpflichten und wird nach mexikanischen Quellen zehn Millionen Euro für Salcedo auf den Tisch des Hauses legen. In Tigres soll er einen hochdotierten Vierjahresvertrag erhalten. Am Wochenende war  Salcedo, für den die Eintracht einst fünf Millionen Euro Ablöse gezahlt hat, wieder in Frankfurt. Sein Wechsel ist aber nur noch reine Formsache. Die Hessen werden sich deshalb noch einmal auf dem Transfermarkt umschauen, um Ersatz für Carlos Salcedo zu finden. 

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