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Eintracht Frankfurt: Kristijan Jakic – der Dazwischenfeger

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Von: Ingo Durstewitz

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Giftig und gallig: Eintrachts neuer Verteidiger Kristijan Jakic.
Giftig und gallig: Eintrachts neuer Verteidiger Kristijan Jakic. © IMAGO/Thomas Frey

Bei Eintracht Frankfurt verteidigt Kristijan Jakic nun hinten rechts – das macht er mit viel Inbrunst – kostet ihn aber seinen Platz im Auswahlteam.

Frankfurt – Den Traum, die Farben seines Heimatlandes zu repräsentieren, hat sich der stolze Kroate Kristijan Jakic längst erfüllt, damals im Oktober 2021 auf der Insel der Götter. „Das war mein größter Wunsch, seit ich ein kleines Kind bin“, sagte der 25-Jährige mit brüchiger Stimme nach seinem Debüt für die Kockasti, die Karierten.

Sechs Minuten durfte er beim 3:0 auf Zypern mitspielen, Minuten für die Ewigkeit für ihn. Seitdem war der feurige Zerstörer im Dienste der Eintracht ein fester Bestandteil der kroatischen Nationalelf, keine tragende Säule, aber eine verlässliche Stütze. Trainer Zlatko Dalic berief ihn in der Folge in allen zehn Länderspielen in die Auswahl, zweimal stand er in der Startelf, beim 1:1 gegen Slowenien spielte er durch. Seine persönliche Bilanz: vier Einsätze, drei Siege, ein Remis. Nicht so schlecht.

Kristijan Jakic - Nicht-Nominierung als Zeit zum Durchschnaufen

Doch nun, ausgerechnet im Nations-League-Doppelpack, den letzten beiden Länderspielen vor der WM in Katar, steht Kristijan Jakic in Frankfurt auf dem Trainingsplatz, während seine Landsmänner versuchen werden, erst Dänemark und dann Österreich niederzuringen – im Hinblick auf die WM sind die aktuell nominierten Spieler im Vorteil. Nicht ganz optimal gelaufen für den Tattoo-Terrier.

Jakic aber lächelt eine entsprechende Frage locker weg. Durch die Nichtnominierung könne er ja auch mal durchschnaufen, Bundesliga, Pokal, Champions League, alle drei, vier Tage ein Wettkampf – klar, das schüttelt man nicht so einfach aus den Kleidern. Doch in Wahrheit wäre der Mann aus den dalmatinischen Bergen natürlich gerne dabei gewesen, hätte sich empfehlen und eine Visitenkarte abgeben können. Die WM ist das Größte, was ein Fußballer erreichen kann, ganz sicher das Karrierehighlight schlechthin.

Kristijan Jakic im Nationalteam – große Konkurrenz auf der rechten Seite

Unglücklicherweise hatte der in Split geborene Defensivspieler aber erst seinen Stammplatz verloren (schon gegen Ende der zurückliegenden Spielzeit) und ist dann, als er wieder regelmäßig spielen durfte, auch noch teamintern zwangsversetzt worden: vom zentralen Mittelfeld nach hinten rechts in der Abwehr. Die ungewollte Neuorientierung wird ihn erst mal seinen Platz im Nationalteam gekostet haben. Coach Dalic macht dem Allrounder aus Frankfurt aber durchaus Hoffnung: „Wir beobachten ihn, er ist im Fokus – im defensiven Mittelfeld und auf der rechten Seite. Auch diese Möglichkeit eröffnet sich.“

Das Problem an der Geschichte: Der Nationalcoach hat sich hinten rechts für Josip Juranovic von Celtic Glasgow entschieden, was auf der Hand liegt. Der 27-Jährige ist unangefochtener Stammspieler auf dieser Position, „unumstritten“, wie Dalic sagt. Etwas überraschend aber ging der zweite Platz an Josip Stanisic vom FC Bayern München. Der 22-Jährigen kommt nur auf eine Spielzeit von insgesamt 70 Bundesligaminuten beim strauchelnden Abonnementsmeister, hat aber einen Stein im Brett bei Dalic, auch die letzten beiden Länderspiele gegen gute Gegner durfte Stanisic machen, 45 Minuten gegen Dänemark, 90 gegen Frankreich.

Beide Partien gewannen die Kroaten 1:0. „Ich hoffe, er wird mehr Spielzeit beim FC Bayern bekommen“, sagt Dalic. Wenn nicht, könnte die Stunde des Frankfurters Jakic schlagen. Momentan spricht wenig dafür, dass er seinen Platz im Eintracht-Team verlieren könnte. Und Bewährungschancen gibt es zuhauf, bis zur Weltmeisterschaft stehen noch 13 Pflichtspiele an.

Kristijan Jakic und die neue Rolle bei Eintracht Frankfurt – vieles war ungewohnt

Kristijan Jakic ist ein Kämpfertyp, so ist er aufgewachsen und erzogen worden, und mit jeder Minute Spielzeit wächst seine Perspektive auf einen Platz im Nationalteam – egal, ob rechts oder zentral. Vielseitigkeit kann ja nicht nur Fluch, sondern auch Segen sein. Jakic findet sich auf der Verteidigerposition immer besser zurecht, obwohl er dort zuvor nie gespielt hatte.

Und er sammelt fleißig Pluspunkte, bringt sich krachend in Erinnerung. Zum einen wäre da sein Hammer gegen den Pfosten im Duell mit dem VfL Wolfsburg zu nennen, als er mal wieder im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde und der einzige Lichtblick in einer finsteren Eintracht-Elf war. Und zum anderen war der kantige Abräumer, der vor Beginn dieser Spielzeit nach einer einjährigen Leihe für 3,5 Millionen Euro Ablöse von Dinamo Zagreb fest verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2026 ausgestattet wurde, am Samstag in Stuttgart zur Stelle und wuchtete kurz vor Schluss eine Kamada-Ecke mit dem Schädel ins VfB-Tor. Das 3:1, die Entscheidung. So macht man auf sich aufmerksam.

Anfangs, erzählt der Spieler, habe er die Laufwege nicht gekannt, da war vieles ungewohnt, doch mittlerweile hat er sich an den neuen Posten gewöhnt. Natürlich muss er noch lernen, wann er sich einschalten kann und wann er besser hinten bleibt. Und er wird sein Pass- und Offensivspiel verbessern müssen, wenn Eintracht-Trainer Oliver Glasner tatsächlich weiterhin mit ihm auf rechts plant. Defensiv macht er seine Sache gut, inbrünstig, knallhart, nach vorne ist das indes ausbaufähig. Aber das ist ja auch klar, das gehört so oder so nicht zur Kernkompetenz des unverwüstlichen Dazwischenfegers.

Kristijan Jakic: „Ich will meinem Team helfen, das ist das Wichtigste“

Er versucht freilich alles, um sich zu verbessern. „Ich gebe mein Bestes“, sagt er. Jeden Tag unterhalte er sich mit den Trainern und den Analysten, „ich will meinem Team helfen, das ist das Wichtigste.“ Und dann ist Kristijan Jakic noch gefragt worden, ob er vielleicht nicht doch mit einer Rückversetzung auf seine angestammte Position ins Mittelfeld liebäugele. Da hat er nur gelacht: „Ich suche mir das ja nicht aus, das entscheidet der Trainer. Und wenn er sagt: ,Hey, du gehst ins Tor‘, okay, dann bin ich der Torwart.“ So weit wird’s wohl erst mal nicht kommen.

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