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Kristijan Jakic: Der Allrounder aus der „Zweiten Reihe“

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Von: Ingo Durstewitz

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Kristijan Jakic (re.) ist stolz, bei der WM für Kroatien dabei zu sein, wenngleich er nur auf der Bank sitzt.
Kristijan Jakic (re.) ist stolz, bei der WM für Kroatien dabei zu sein, wenngleich er nur auf der Bank sitzt. © IMAGO/Pixsell

Mal Libero, mal rechter Verteidiger, mal im Mittelfeld: Auf den Eintracht-Aufräumer Kristijan Jakic ist stets Verlass.

Man kann selbst beim allerbesten Willen nicht behaupten, Kristijan Jakic habe am Persischen Golf auch nur leichte Spuren im Wüstensand hinterlassen. Nein, der 25 Jahre alte Allrounder saß bei allen kroatischen Spielen draußen, auch wurde er nicht eingewechselt, selbst die nervenaufreibenden Elfmeterschießen gegen Japan und im Viertelfinale gegen Brasilien verfolgte er von der Bank aus. Der Profi der Frankfurter Eintracht ist so etwas wie der klassische WM-Tourist.

Und doch ist das für den Mann aus den dalmatinischen Bergen kein Grund, um Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil. Jakic ist stolz wie Bolle, dabei sein zu dürfen in Katar, ein Kindheitstraum ist für den tadellosen Sportsmann in Erfüllung gegangen, das Erlebte kann ihm niemand mehr nehmen. „Es ist für mich ein Riesentraum“, sagt der Defensivakteur. „Die Nominierung ist für mich etwas ganz Besonderes, etwas Sensationelles.“ Wer will es ihm verdenken.

Es ist auch nicht übermäßig überraschend, dass Jakic bisher nur eine Nebenrolle spielt, denn er ist erst auf den letzten Drücker auf den WM-Zug aufgesprungen. In der letzten Länderspielperiode vor dem Turnier war er nicht eingeladen worden, umso größer die Freude, als der kroatische Nationaltrainer Zlatko Dalic doch durchklingelte. Der 25-Jährige hat sich die Nominierung verdient, seine Vielseitigkeit hat ihm geholfen. Denn der Mann aus dem kleinen Örtchen Imotski hat bei der Eintracht in der Defensive fast jede Position gespielt – am seltensten wurde er kurioserweise auf seinem angestammten Posten im defensiven Mittelfeld eingesetzt.

Erst half der für 3,5 Millionen Euro von Dinamo Zagreb gekommene Spieler als rechter Verteidiger aus, und als sich dann Routinier Makoto Hasebe am Knie verletzte, sprang er als Libero ein. Jakic nimmt es, wie es kommt. „Wenn der Trainer sagt: ,Hey, du gehst ins Tor‘, okay, dann bin ich der Torwart.“

Meist löste er seine Aufgabe in der Zentrale sehr ordentlich, nicht immer am obersten Limit, aber doch verlässlich. „Die gelernten Sechser sind für diese Position am besten geeignet, weil sie das Spiel lesen können und im Spielaufbau ballsicher sind“, urteilt Trainer Oliver Glasner. „Es hat mich nicht überrascht, dass Kristijan es gut umsetzt.“

Die FR-Serie

Europa-League-Triumphator , Champions-League-Achtelfinalist, Tabellenvierter in der Bundesliga mit so vielen Punkten nach 15 Spieltagen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr – Eintracht Frankfurt blickt auf ein außergewöhnliches, ja historisches Jahr zurück, das beste und schönste seit einer ganzen Ewigkeit. Grund genug, die Mannschaft zu würdigen, die ein Zwischenzeugnis mit der Note eins erspielt hat.

Das große Klassenbuch der Eintracht zum ersten Saisonteil, dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Einzelporträt – vom Musterschüler bis hin zu jenen mit einem Blauen Brief. Dies es Mal an der Reihe: Kristijan Jakic. Alle weiteren Spielerbewertungen unter: fr.de/eintracht-zeugnis

Zum Abschluss in Mainz (1:1) legte der beinharte Defensive, durch eine Knöchelblessur leicht beeinträchtigt, einen durchwachsenen Auftritt hin und wurde zur Halbzeit ausgetauscht. Für ihn kam sein Landsmann Hrvoje Smolcic und spielte einen blitzsauberen Part als zentrales Glied der Dreierkette. Vielleicht ein Zukunftsmodell?

Jakic kommt seine Vielseitigkeit zugute, ansonsten wäre es für ihn schwer geworden, einen Platz in der Formation zu finden. Denn das defensive Mittelfeld hat sich mit Djibril Sow, Daichi Kamada und Sebastian Rode gefunden. Zwei der drei spielen immer, und sie agieren fußballerisch auf einem ungleich höheren Niveau als der Kämpfer aus Split. Der hat andere Qualitäten, dazwischenfegen, aufräumen, reingrätschen. „Ich haue jeden Tag alles raus, was in mir steckt“, sagt Jakic und sieht darin seine persönliche Erfolgsformel. „Ich gebe immer 100 Prozent, ob im Training oder im Spiel.“

Das schätzt der Trainer, der ihn als loyalen und zuverlässigen Spieler kennengelernt hat. Genau das ist ein Grund, weshalb Jakic zum festen Stamm zählt, zum Gerüst des Teams. 14 von 15 Bundesligapartien hat er gemacht, in der Champions League stand er in allen sechs Gruppenspielen in der Anfangself. Das ist kein Zufall. Bei Jakic weiß man, was man hat und was man bekommt.

Nur in der Nationalelf läuft es für den Allrounder noch nicht so rund. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja seine Zeit noch. Im Halbfinale am Dienstag gegen Argentinien? Wer weiß es schon.

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