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TSG Hoffenheim: Kraichgauer Krötenwanderung

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Von: Jan Christian Müller

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Traf im Hinspiel: Diadie Samassekou. Foto: dpa
Traf im Hinspiel: Diadie Samassekou. © dpa

Der TSG Hoffenheim geht ausgerechnet im Endspurt um die Fleischtöpfe die Luft aus

Anfang März war noch alles richtig gut. Die TSG Hoffenheim hatte sich mit vier Siegen in Folge auf Rang vier festgezurrt, die Verträge mit Pavel Kaderabek Oliver Baumann, Ihlas Bebou, Kevin Vogt, Georginio Rutter, David Raum und Andrej Kramaric waren allesamt geräuschlos verlängert worden. Die Teilnahme an der Champions League 2022/23 schien mehr als bloß ein Traum. Trainer Sebastian Hoeneß, lange nicht unumstritten, schrieb an einer kleinen Heldengeschichte, doch dann, nach einem respektablen 1:1 gegen Bayern München oh weh: drei Niederlagen und ein ziemlich jämmerliches 0:0 gegen Schlusslicht Greuther Fürth. Und purzel, purzel, nun nur noch Rang acht. Raus aus der Königsklasse, sogar ganz raus aus Europa vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt.

Schwer zu sagen, wie gut die Kraichgauer sind: So gut, dass sie Vierter werden könnten, oder so schlecht, dass sie Achter sind? Wahrscheinlich irgendwo dazwischen, und tatsächlich bleibt ja die Chance, den 1. FC Köln und Union Berlin im Schlussspurt, der in Hoffenheim gerade allerdings eher einer Krötenwanderung gleicht, noch zu überholen.

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Sebastian Hoeneß ist nicht unbedingt ein Typ, der nun den ganz großen Optimismus verbreiten würde. Das hat Gründe. Auf der Spieltagspressekonferenz brauchte der Chefcoach eine ganze Weile, um die vielen, vielen Ausfälle vorzutragen.

Harter Kampf um jeden Fan

Grundsätzlich ist es so, dass die Arena in Sinsheim - anders als andere Standorte - auch im Abklingen der Pandemie nicht annähernd ausverkauft ist. In Hoffenheim müssen sie traditionell attraktiver Fußball spielen als anderswo, um die Leute ins Stadion zu locken und sie nicht kurz vorher rechts abbiegen zu lassen, um einen gemütlichen Nachmittag mit Kind und Kegel in der von Hoffe-Mäzen Dietmar Hopp erbauten Klima-Arena zu verbringen.

Gerade ist die TSG die Mannschaft mit der miesesten Chancenauswertung der Liga. Es ist also nicht so, dass sie sich keine Möglichkeiten rausspielen würden, aber sie nutzen sie halt nicht. Exemplarisch dafür steht Stürmer Kramaric. Hätte der Kroate die nächste Top-Saison an die vielen Vorgänger-Exzellenz-Spielzeiten gesetzt, wäre es wahrscheinlich für den klugen Sportchef Alex Rosen nicht möglich gewesen, den mit Abstand besten Hoffenheimer Spieler der Vorjahre bis 2025 zu binden.

Aber langsam wäre auch mal wieder an der Zeit, dass Kramaric seine Expected-Goal-Quote zu steigern, also grob das Verhältnis von Chancen zu Torerfolgen. Er ist derzeit der ineffizienteste aller Bundesligaspieler. Vier Tore sind bei seiner Klasse eine geradezu lächerliche Ausbeute. In der Saison 2020/21 war Kramaric gemeinsam mit Robert Lewandowski (Bayern) und Sasa Kalajdzic (Stuttgart) noch der Profi gewesen, der seine nach Chancen zu erwartenden Treffer am deutlichsten übertraf.

So fügt es sich in Hoffenheim gerade zu einer unbefriedigenden Situation mit einer Tendenz nach unten. Aber bei der Wundertüte aus der Metropolregion Rhein-Neckar weiß man nach fünf Spielen ohne Niederlage und vier Partien ohne Sieg nie. Wiewohl: Hoeneß klingt nicht gerade vielversprechend, wenn er richtig sagt: „Das Phänomen Selbstvertrauen ist mit das Älteste im Fußball.“

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