Hältst du ja im Kopf nicht aus: Die Eintracht-Stürmer Luka Jovic (links) und Sebastien Haller.
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Hältst du ja im Kopf nicht aus: Die Eintracht-Stürmer Luka Jovic (links) und Sebastien Haller.

Taktik gegen Berlin

Kovac verzockt sich

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Trainer Niko Kovac wählt eine Aufstellung, die nicht jeder nachvollziehen kann ? und das Duo Jovic/Haller sticht nicht.

Vor der Bundesligapartie gegen die Hertha aus Berlin hat der Frankfurter Trainer Niko Kovac auf der turnusgemäßen Pressekonferenz nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als hätte er besonders großes Vertrauen in das Sturmduo Luka Jovic/Sebastien Haller. „Das sind schon ähnliche Spielertypen“, sagte der Eintracht-Coach. „Die Frage ist ja deshalb immer, ob sie zusammen spielen können?“ Allen Zweifeln zum Trotz beantwortete der 46-Jährige die selbst gestellte Frage am Samstag mit „ja“. Zur allgemeinen Überraschung beorderte der Fußballlehrer die beiden Mittelstürmer Seite an Seite in die Startformation. Das war vielleicht nicht die allerbeste Idee. 

Weshalb er sich für diese Variante entschied, blieb sein Geheimnis. Für ausführliche Presserunden steht er seit seinem angekündigten Wechsel zu Bayern München nach den Eintracht-Spielen nicht mehr zur Verfügung. Vor der wichtigen Begegnung gegen die Hertha hielten sich die Argumente für diese Art der Doppelspitze in engen Grenzen, es gab lediglich den Hinweis, dass es „nicht in Stein gemeißelt“ sei, dass Jovic und Haller nicht zusammen spielen könnten. Doch eigentlich sei ein Typ wie der zurzeit noch  verletzte und schmerzlich vermisste Ante Rebic „ein gutes Pendant“ für einen der beiden Angreifer, weil der Kroate „geradlinig“ sei und die schnellen Läufe „nach vorne in die Tiefe“ nicht scheue. „Die anderen beiden sind nicht so die Sprinter wie Ante.“ 

Doppelspitze? Zweimal 0:3

Und deshalb habe sich das Trainerteam bei der Besetzung der Offensive immer etwas anderes einfallen lassen. „Wir haben versucht, das ein bisschen anders hinzubekommen, um mehr Variabilität rein zu bekommen“, begründete Kovac. Am Samstag dann die Rolle rückwärts – inklusive hartem Aufprall. Das Duo Jovic/Haller funktioniert in dieser Konstellation nicht wirklich, es fehlt einfach das andere Element, das Spiel ist dann viel zu statisch, zu vorhersehbar und ausrechenbar. Schon einmal, vor zweieinhalb Monaten in Augsburg, durften sich der Serbe und der Franzose als doppelte Speerspitze versuchen – das Ergebnis war nicht nur ernüchternd, sondern dasselbe wie am Samstag: 0:3. 

 

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Haller, der in der Hinrunde mit seinen Toren schon viele Begehrlichkeiten weckte und die Sehnsucht nach einem echten Torjäger zu stillen schien, in einem Dauertief befindet. Seit 14 Pflichtpartien wartet der 23-Jährige mittlerweile auf ein persönliches Erfolgserlebnis, die vergangenen fünf Partien saß er draußen. Gegen die Hertha zeigte er eindrucksvoll, weshalb. Er schießt fast gar nicht mehr aufs Tor, Chancen eröffnen sich ihm nur selten. Am Samstag verstolperte er eine Gelegenheit auf fast schon groteske Weise. Sein geplanter Torschuss endete letztlich mit einem Foulspiel an Hertha-Abwehrmann Karim Rekik. Haller ist gedanklich zu langsam, auch kein Torjäger mit ausgeprägtem Instinkt und alles andere als ein Kombinationsspieler. Schon zu dem Zeitpunkt, als er noch regelmäßig traf, fielen seine spielerischen Defizite ins Gewicht. Luka Jovic ist da ein ganz anderes Kaliber, er kommt zu seinen Chancen, auch gegen die Berliner, er schoss fünfmal aufs Tor – Haller nicht einmal. 

Kovac lag mit seiner Aufstellung ohnehin daneben. In diesem wichtigen Spiel, das den Weg gen Europa hätte ebnen können, derart zu rotieren und gleich drei Spielern eine Chance von Anfang an zu geben, die zuletzt keine Rolle spielten (neben Haller noch Mijat Gacinovic und Aymen Barkok), ist eine Entscheidung, die man nicht verstehen muss. 

Begrenzter Kreis

Vielleicht hätte er angeschlagene Stammkräfte wie Marius Wolf und Kevin-Prince Boateng, die gar nicht im Kader waren, bitten müssen, sich für dieses wichtige Spiel noch mal zusammenzureißen. Auch Marco Fabian auf die Ersatzbank zu setzen, war unverständlich. Am Samstag in München gibt es für die Eintracht eh nicht viel zu holen, ihr Trainer möchte an seiner zukünftigen Wirkungsstätte allerdings sicherlich eine Klatsche verhindern. 

Was hat Kovac mit seinen Wechseln bezweckt? Er kann von einem Spieler wie Barkok mehr Biss und Engagement erwarten, aber eher nicht, dass er die Kastanien aus dem Feuer holt – er stand nur einmal, vor einem knappen halben Jahr, gegen die Bayern, in der Anfangself. Und dass Mijat Gacinovic schon lange und ausgiebig im Formtief steckt, ist Woche für Woche zu sehen. Schon auf Schalke bot der Serbe eine bedenklich schwache Leistung. Selbst ein Spieler wie Danny da Costa schreit geradezu nach einer Verschnaufpause. Und weshalb Akteure wie Marc Stendera, Danny Blum oder Alex Meier derart außen vor sind, erschließt sich nicht jedem. 

Der stete Hinweis, dass der Kader breiter und besser geworden sei, stimmte lange, aber nun, in der entscheidenden Phase, nicht mehr. Auch Kovac hat sich auf einen Kreis von 16, 17 Spielern festgelegt. Die müssen im Endspurt jetzt für den Coach oder den Klub durchs Feuer gehen – ansonsten endet die Saison in einer Enttäuschung, für Eintracht Frankfurt und den scheidenden Trainer Niko Kovac.

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