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Berlin-Spiel wird zum Gradmesser für die Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Nach den Pleiten gegen Bayern und Real Madrid beginnt die Eintracht-Saison gewissermaßen mit dem Auswärtsspiel bei den jetzt schon arg gerupften Herthanern. Ein Kommentar.

Es ist gar nicht so lange her, da waren sich die Experten einig: Der Kader von Eintracht Frankfurt ist in der Breite und Spitze aufgepeppt und generell besser geworden. Mario Götze da, Lucas Alario da, Randal Kolo Muani da, die Euro-League-Helden – auch noch alle da. Also fast alle. Okay, Martin Hinteregger hatte seine Karriere beendet, schon nicht optimal, aber der eigenwillige Hinti schwankte in seinen Leistungen, und wer nicht mehr kann und nicht mehr will, der kann und will halt nicht mehr. Doch am Dienstag hat sich der Wind gänzlich gedreht, denn da hat sich Filip Kostic dazu entschieden, den Verein Richtung Italien zu verlassen. Der serbische Nationalspieler, am Donnerstag in Turin empfangen, war nicht mehr zu halten, wollte unbedingt weg. Und wer weg will, sollte das dürfen. Unter gewissen Umständen. In diesem Fall waren die gewissen Umstände 17 Millionen Euro schwer.

Das Vertrackte daran: Ohne Kostic ist die Eintracht, sportlich gesehen, nur die Hälfte wert. Sein Abgang bedeutet eine immense Schwächung. Der aktuelle Kader, ohne Hinteregger und Kostic, ist momentan sicher nicht stärker als der letztjährige – im Gegenteil.

Eintracht Frankfurt: Pellegrini als Kostic-Ersatz?

An Trainer Oliver Glasner ist es nun, diese Lücke irgendwie zu schließen. Das wird nicht von heute auf morgen gelingen, es sei denn, die Eintracht hätte mal schnell den Stuttgarter Borna Sosa als Kostic-Ersatz geholt, was angesichts der geforderten VfB-Ablöse von rund 20 Millionen Euro utopisch ist. Ergo: eine kleinere Lösung, die Luca Pellegrini heißt.

Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt
Hat ein bisschen Arbeit vor sich: Oliver Glasner. © Jan Huebner / Imago Images

Es ist eine schwierige Aufgabe für den Trainer, schließlich muss sich die Mannschaft erst finden, Glasner muss die Neuen einbauen und den Konkurrenzkampf entfachen. Er muss den richtigen Zeitpunkt finden, um etwas zu verändern, um Spieler wie Lucas Alario oder Randal Kolo Muani einzubauen, er muss ein Gespür entwickeln, wann Mario Götze spielt und wann besser nicht. Er wird die Frage beantworten müssen, wie und wann die vielen Offensivkräfte eingesetzt werden sollen. Glasner ist eine absolute Fachkraft, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, die sich rund um die Uhr mit Fußball beschäftigt. Insofern ist gerade ihm zuzutrauen, das zusammenzufügen, was zusammengehört. Er beobachtet viel, sieht viel, spürt viel. Oliver Glasner kennt seine Spieler, er hat die Gruppe im Griff.

Eintracht Frankfurt: SGE muss ihre eigenen Ansprüche untermauern

Und richtig ist auch, dass sportlich gesehen im Grunde nicht viel passiert ist. Die Eintracht hat einen Zweitligisten souverän aus dem Pokal geräumt und sich gegen die europäischen Champions aus Madrid achtbar aus der Affäre gezogen – nur die sechs Hiebe der Bayern und die miese Performance in diesem Duell ließen ein paar Warnampeln angehen. Aber alles in allem ist klar: Gegen Bayern und Real kann man schon mal verlieren.

Für die Eintracht beginnt die Saison gewissermaßen mit dem Auswärtsspiel bei den jetzt schon arg gerupften Herthanern aus Berlin (Pokal-Aus, Derby-Pleite). Es wird die erste richtige Standortbestimmung der Saison, ein Gradmesser und Prüfstein. Die Frankfurter sind in der Kapitale gefordert, müssen ihre eigenen Ansprüche untermauern, Ausreden gibt es da keine. Ein Sieg ist schon fast Pflicht. Und sie werden zeigen müssen, dass sie den großen Erfolg der Vergangenheit endgültig aus dem Kopf verbannt haben und bereit für neue Herausforderungen sind. Intern beklagen nämlich nicht wenige eine gewisse Laissez-faire-Haltung. Die Mannschaft kann das widerlegen. Erste Möglichkeit: Samstag, Berlin, Olympiastadion. (Ingo Durstewitz)

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