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Groß, bullig, durchsetzungsfähig: Sebastien Haller im Duell mit Mike Frantz.
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Groß, bullig, durchsetzungsfähig: Sebastien Haller im Duell mit Mike Frantz.

Eintracht Frankfurt

Kommando Balleroberung

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt besticht im ersten Punktspiel durch eine beachtliche Körperlichkeit.

Auch am blauen Montag war bei den sportlich Verantwortlichen die Erleichterung darüber mit Händen zu greifen, dass Eintracht Frankfurt, diese aus aller Herren Ländern scheinbar bunt zusammengetrommelte Truppe, tatsächlich in der Bundesliga wettbewerbsfähig ist. Es hat im Vorfeld nicht wenige Stimmen gegeben – auch die von der FR -, die da so Zweifel hatten, ob dieses neue Team funktioniert. Immerhin ist Eintracht Frankfurt fast komplett ausgetauscht und auf den Kopf gestellt worden - neun Spieler waren gegangen, 14 dazu gekommen; eine solche Fluktuation hat es – wenn überhaupt – sehr lange nicht gegeben. Zwar hatte Trainer Niko Kovac zuletzt durchaus den Eindruck vermittelt, er vertraue seinen Spielern. „Wir haben Qualität dazu geholt.“ Doch sicher konnte sich der 45 Jahre alte Fußballlehrer nicht sein.

90 Minuten und ein ordentliches Spiel später hat man noch im Breisgau die Steine gehört, die von einigen Herzen gefallen waren. Das mit Aplomb errungene torlose Remis gegen den SC Freiburg hat vielen Beobachtern ein paar Sorgen genommen.

Natürlich lässt sich weiterhin noch nicht sagen, wohin die Reise geht. Dazu war diese eine, erste Partie kein Gradmesser, dazu war, auch das muss man in die Analyse miteinbeziehen, der Gegner SC Freiburg zu schwach. Die Breisgauer schafften es nicht, das Frankfurter Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen, insgesamt wirkten sie viel zu bieder und harmlos. Der SC Freiburg wird sich verbessern müssen in der Liga, der Ausverkauf vor Saisonbeginn war schon enorm und geht nicht spurlos an solch einem Team vorbei.

Aber manches lässt sich bei Eintracht Frankfurt, bei aller gebotenen Vorsicht, doch schon ganz vielversprechend an. Da ist zum einen die Art und Weise, wie die Hessen diese Begegnung angingen: Aggressiv und bissig stürzten sich Frankfurter Defensivspieler auf ihren Widerpart, sie attackierten früh, jagten den Gegner, bis sie den Ball hatten. Trainer Kovac hat sich eine schnelle Eingreiftruppe zusammengebaut, ein Kommando Balleroberung, wenn man so will. Die Eintracht ist wieder schwer zu bespielen, ist unangenehm und lässt den Kontrahenten nicht in Ruhe. Das hat sie in der vergangenen Hinrunde ebenfalls ausgezeichnet. Die Frage wird natürlich sein, wie lange die Eintracht diese Einstellung und Herangehensweise diesmal wird durchhalten können.

In dieser Saison kommen die Frankfurter Ballräuber dazu mit einer enormen Physis daher; im Team stehen jede Menge echter Kanten. David Abraham, Simon Falette, Jetro Willems, Kevin-Prince Boateng, Sebastien Haller, auch Timothy Chandler und Jonathan de Guzman – all das sind Spieler, die eine erstaunliche Körperlichkeit mitbringen und sich nicht so leicht aus den Bahn werfen lassen. Gerade Haller hat sich am Sonntag mehrfach unter Zuhilfenahme seiner Statur auch gegen mehrere Gegenspieler durchgesetzt. Zuweilen wirkt die Frankfurter Mannschaft wie eine kleine Ansammlung muskelbepackter Kleiderschränke, die auch den Umzug einer vierköpfigen Familie in den fünften Stock locker wuppen könnten.

Langer Ball in die Spitze bevorzugt

Dazu kommt, dass diese starken Männer auch spielerisch einiges an Qualität mitbringen. „Wir sind ballsicherer im Mittelfeld“, fand Manager Bruno Hübner, „nicht mehr so hektisch.“ Allerdings kam zum Bundesligaauftakt in Freiburg das spielerische Element zu kurz. Auf einen konzentrierten Spielaufbau von hinten heraus wurde weitgehend verzichtet; fast immer wurde der lange Ball in die Spitze bevorzugt. Auch Torhüter Lukas Hradecky spielte den Ball meist nicht kurz, sondern drosch die Kugel nach vorne.

Selbst Makoto Hasebe, ein feiner Fußballer, wurde in die Spieleröffnung nicht eingebunden. Das war sicher Teil des Plans. Aber warum eigentlich? Ist das die Abkehr vom Ballbesitzfußball? Oder wollte Trainer Kovac auf Nummer sicher gehen und auf langatmige Ballzirkulationen in der eigenen Hälfte verzichten? Weil er vielleicht der spielerischen Qualität seiner Mannen, gerade in einem Auswärtsspiel, noch nicht traut?

Oder gehörten die langen Bälle zum Plan? Immerhin stand in Haller in vorderster Spitze ein Mann, der just dieses Langholz bestens verarbeiten konnte, die Kugel hielt, bis nachrückende Kräfte zur Stelle waren. Kevin-Prince Boateng könnte dem Franzosen ein Partner sein, der ebenfalls den Ball behaupten kann und nicht so leicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Es wird sich weisen müssen, wie weit diese Mannschaft schon ist, wenn sie – etwa im nächsten Heimspiel gegen den mit einer 0:3-Heimniederlage fehlgestarteten VfL Wolfsburg – selbst die Initiative ergreifen und das Spiel machen muss.

Die ersten Ansätze aus Freiburg geben Anlass zu einer gewissen Hoffnung. Zu mehr aber auch nicht.

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