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Almamy Touré von Eintracht Frankfurt.
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Almamy Touré von Eintracht Frankfurt.

SGE

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré – Viele Stärken, doch zwei Schwächen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Profi Almamy Touré will seinen Wankelmut mit einem Mentalcoach und seine Blessuren mit mehr Vorsicht in den Griff bekommen.

Frankfurt - Adi Hütter, der Eintracht-Ex, ist ein ausgewiesener Fan von Almamy Touré, hält gewaltig große Stücke auf seinen einstigen Schützling. Der Defensivspieler, so Hütter, bringe eigentlich alles mit, um sich als Verteidiger auf höchstem Niveau zu etablieren: Schnelligkeit, Zweikampfstärke, Körperlichkeit, Übersicht und überdurchschnittliche technische Fähigkeiten, zumindest für einen Abwehrmann.

Adi Hütter ließ den 25-Jährigen während seiner Frankfurter Zeit daher oft spielen, so oft gar, bis gar keiner mehr wusste, weshalb Touré noch spielte, wahrscheinlich Hütter selbst nicht mehr. Der heutige Gladbacher Coach stützte den Rechtsfuß mit einiger Sturheit, ließ ihn nicht fallen, obwohl dieser oft genug wackelte und wankte. Irgendwann werde der Knoten schon platzen. Doch er platzte nicht, vielmehr kam das Spiel beim VfB Stuttgart, November 2020, der Franzose stand völlig neben den Schuhen, verschuldete beim 2:2 beide Gegentore, und Adi Hütter riss der Geduldsfaden: Auswechslung, Degradierung, Ende Gelände. „Bruder Leichtfuß im Abseits“, titelte die FR.

Eintracht Frankfurt: Touré mit zwei Schwächen

Touré hat genau zwei Schwächen, die seine Karriere immer wieder ins Stocken geraten lassen. Die eine ist seine fehlende Konzentrationsfähigkeit. Er schafft es nicht immer, eine Partie durchzuspielen, ohne einen kapitalen Bock einzustreuen, einen Blackout, einen Aussetzer.

Nicht nur, aber auch deshalb hat er auf Anraten des früheren Frankfurter Führungsspielers Gelson Fernandes, heute Vizepräsident beim FC Sion, einen Mentaltrainer engagiert. „Mit ihm tausche ich mich regelmäßig aus“, erzählt der Mann mit malischen Wurzeln. „Er hilft mir, mich mental vorzubereiten, besser zu performen und die Konzentration hochzuhalten.“ Auf diesem Niveau können eben Kleinigkeiten entscheiden, da sollten Körper und Geist so ziemlich im Einklang stehen.

Womit die zweite Schwachstelle des Almamy Touré ins Spiel kommt: seine Verletzungsanfälligkeit. November 2018: Muskelfaserriss im Oberschenkel, zweieinhalb Monate Pause. Oktober 2019: Sehnenverletzung im Oberschenkel, wochenlanger Ausfall. März 2021: Sehnenriss im Hüftbeuger, monatelange Reha. Juli 2021, Sehnenblessur im Oberschenkel, mehrwöchige Auszeit. Die ersten sieben Spiele dieser Saison fanden ohne ihn statt. Sind diese vielen Verletzungen also Zufall, Pech, Schicksal? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Eintracht Frankfurt: Jede Menge Muskelmasse bei Touré

Touré weiß es selbst nicht so genau. Er habe nun mal eine Menge Muskelmasse, die er „hegen und pflegen“ müsse. „Ich muss mehr darauf achten als andere, vorsichtiger sein.“ Doch gerade jetzt zu Saisonbeginn sei er offenbar zu ungeduldig gewesen, er wollte es nach der langen Ausfallzeit gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit allen zeigen und „mich beweisen“. Gerade weil ja auch ein neuer Trainer anheuerte, der natürlich gleich einen guten Eindruck bekommen sollte. Zumal Oliver Glasner zu Beginn seiner Amtszeit sagte, er habe schon so viel Gutes über Touré gehört, dass er es kaum erwarten könne, ihn livehaftig auf Herz und Nieren zu testen. „Auf Almamy bin ich total gespannt.“

Nach wenigen Tagen lernte Glasner seinen Spieler so kennen, wie ihn viele kennen: humpelnd, bandagiert, außer Gefecht gesetzt. „Mein Körper war offenbar nicht so vorbereitet, wie er es hätte sein müssen“, sagt Touré. Er habe aber „keine Alarmsignale des Körpers“ erhalten. In Zukunft wolle er freilich noch intensiver in sich hineinhören und achtsam sein. Dabei hilft auch die Messung des CK-Werts, mit dem Muskelverletzungen vorgebeugt und Gefahren früher erkannt werden können.

Glasner hat die Qualitäten des vor knapp drei Jahren aus Monaco gekommenen Spielers rasch schätzen gelernt, in den letzten beiden Partien stand er in der Startelf – beide Spiele gewann die Eintracht. Das hat natürlich nicht nur mit Tourés Rückkehr zu tun, aber er legte zwei sehr manierliche Auftritte hin, in Antwerpen (1:0) als Innenverteidiger und beim Sensationserfolg in München (2:1) als rechter Part der Fünferkette. Für Glasners Geschmack war der Franzose sogar einen Tick zu offensiv. „In der Halbzeit habe ich ihm noch mal gesagt, er ist kein Rechtsaußen, sondern rechter Verteidiger.“

Eintracht Frankfurt: Touré mit dicker Chance gegen FC Bayern

Doch wer weiß, ob er dann so weit vorne aufgetaucht wäre. Kurz vor der Halbzeit hatte Touré die riesige Chance, die Eintracht in Führung zu bringen, war alleine vor Manuel Neuer aufgetaucht, aber dann offenbar zu überrascht – und überhastet. „Wenn ich gewusst hätte, dass gar kein Bayern-Spieler direkt hinter mir war, hätte ich mir für meinen Schuss mehr Zeit gelassen. So habe ich sehr schnell mit links abgeschlossen.“ Und den Bayern-Torwart nicht überwinden können. An Ende war es zu verschmerzen.

Bleibt die Frage, die der robuste Spieler mit Hang zum Wankelmut quasi immer beantworten muss: Welcher Posten denn für ihn der geeignetere sei, zentral in der Deckung oder rechts in der Kette? „Die natürlichere Position“ sei die in der Mitte, befindet er, „denn dort bin ich in der Jugend ausgebildet worden.“ Doch später, als er es in Monaco zu den Profis schaffte, wurde er weiter nach rechts geschoben, spielte außen in der Viererkette. Auch Adi Hütter setzte ihn dort vermehrt ein.

Er selbst macht sich keinen Kopf darüber, wo er am besten aufgehoben ist. „Ich will jede Gelegenheit nutzen, zu spielen. Wenn es rechts ist, dann ist das eben so.“ Jeder Spieler habe seinen Wert fürs Team, ein Team, das er übrigens nach wie vor für leistungsstark hält. „Der Team-Spirit hat sich nicht verändert, wir haben einen guten Kader und eine gute Mentalität“, sagt er. „Wir sind kaum zu schlagen, und wenn wir noch eingespielter sind, können wir Größeres schaffen.“ Was auch immer das wäre. (von Ingo Durstewitz)

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